Drama, Baby, Drama

Stadtgeschichten über das Single-Dasein

Dieses Wochenende war ich das erste Mal seit geraumer Zeit wieder im nicht ausschließlich queeren Kontext tanzen – a Mad Men night out. Die Mädels trugen polkadots-Kleider (inklusive meiner Wenigkeit) und/oder petticoats, die Jungs Hosenträger oder Schlips, aus den Boxen ertönten Motown-Klassiker, so wie man sie gerne hat und der Martini floss in Strömen. Kurz: die Welt war in ihrer vollkommenen Heteronormativität im Reinen mit sich und alles war wunderbar.

Natürlich blitzen ab und an Tattoos hervor, zwei Jungs knutschten in der Ecke und dass Mädels miteinander tanzen, das passiert ja wohl überall. So weit so gut, ich wollte die Welt an diesem Abend nicht politisch bekehren, sondern bloß meine neuen roten Stöckler ausführen. Meine Wingwoman A tanzte schon seit geraumer Zeit mit einem adrett anzusehenden Barkeeper und ich mit einer Gruppe von Leuten, die ich über das Studium kannte und dort zufällig traf, als mich plötzlich eine Frau ansprach. Blond, groß, Sommersprossen, Blümchenkleid: „Sprecken Sie English?“

Als Mensch von Welt konnte ich die Frage mit gutem Gewissen bejahen, war dennoch irritiert beim Tanzen gestört zu werden. Ihre darauf folgende Ode an mich verwunderte mich aber noch viel mehr. Ich sei so hübsch, mein Kleid sei so toll, dann fuhr sie mir wie selbstverständlich ins Haar, streichelte es nahezu manisch und philosophierte darüber, wie sehr sie mich um mein Haar beneiden würde.

Nachdem ich ihren angeschwipsten Status endlich bemerkte und ich zumindest 40 cm Sicherheitsabstand zwischen uns bringen konnte, stellte sich heraus, dass sie doch nicht verrückt ist. S: aus London, IT-Mensch, seit zwei Monaten in Wien ansässig, sie mag Swing und Vodka. Sprach’s, und schon war ich bei der Bar, wo sie mir einen ganz klassisch on the rocks ausgab.

Die Stunde war voran geschritten, A hatte sich auch schon verabschiedet, der Barkeeper war traurig und ging wieder seiner Arbeit nach, die Luft war am dampfen und als S mich fragte, ob ich denn nun auch mit ihr tanzen würde, war für mich klar, heute war der Tag, an dem ich das erste Mal im nicht queeren Kontext in einem absolutem girlygirl Outfit von einem girlygirl aufgerissen worden bin. Wir tanzten, wir knutschten, wir lachten und wir sangen schief zu den Temptations, Ray Charles und den Supremes. Just bei einer tollen Playback-Einlage von uns, wurden wir jäh von einem jungen Mann unterbrochen, dessen Oberarm wohl einem meiner Oberschenkel entsprach, den S mir als „her friend C“ vorstellte, der sie gerade aus London besucht. Aus zwei ward drei, das Knutschen hörte auf, wir tanzten, wir tranken und alles war lustig.

Irgendwann forderte die Flüssigkeitenzufuhr ihren Tribut, ich entschuldigte mich auf die Toilette und S folgte mir im Mädchen-Stil. Doch statt ganz klassisch ihr Haar zu richten, zerstörte sie meine Frisur noch ein wenig und wir knutschten bis schließlich potentielle Zuseher_innen kamen.

Zurück auf der Tanzfläche wirkte C nun gar nicht mehr so entspannt. S merkte auch, dass seine Stimmung wohl etwas im Keller war und sprach ihn darauf an. Statt ihr zu antworten, fragte er mich, ob ich gerne anderer Leute „girlfriends screw“ und sie so quasi, was sie sich dabei denkt, jetzt wo er extra wegen ihr nach Wien gekommen ist. Drama, Baby, Drama – und somit nahm der Abend eine ganz andere, nahe zu schon Seifenopern-mäßige, Richtung an, als erwartet.

S sah aus wie ein begossener Pudel, dem man seinen Lieblingsknochen weggenommen hatte, und meinte zu mir, dass es wohl besser sei, wenn wir uns jetzt verabschieden würden. Ich stimmte ihr zu und dachte mir frei nach Fontella Bass „come on baby, and rescue me!“

Die Rettung kam in Form des adretten Barkeepers. Ich gesellte mich zu ihm an die Bar und wir ließen den Abend Revue passieren. Da stellte sich doch glatt heraus, dass der Gute C dabei beobachtet hatte, wie er kurz nach S und mir Richtung Klo ging. Des Rätsels Lösung war hiermit gefunden, und ich beschloss höchstoffiziell, vor meiner nächsten Knutscherei den Familienstand der betreffenden Person abzuklären.

One thought on “Drama, Baby, Drama

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