Liebesbrief an Wien

Als ich hierher gezogen bin, konnte ich nur drei Sätze auf Deutsch sagen:

Hallo, ich heiße… . Ich bin Ausländerin. Willst du ficken?

Mit diesen ausgezeichneten Deutschkenntnissen machte ich meine ersten Schritte in der lesbischen Szene Wiens, und habe die Liebe gefunden. Ich und Wien, Jahrestag 21/1-2011.

Viele von euch sind wahrscheinlich hier aufgewachsen, andere kommen vom Land oder aus dem Ausland. Letztere wissen, wovon ich schreiben werde. Ich habe viele Wienerinnen getroffen, die sich vorstellen, dass es irgendwo anders viel besser ist, lesbisch zu sein. Vielleicht sehen sie vor lauter Frauen nicht die Gesamtheit. Meine Heimat, Stockholm, hat ungefähr gleich viele Einwohner wie Wien und zwar einerseits viel zu bieten, aber andererseits wäre es einfach ungerecht, aus einer lesbischen Perspektive heraus, Stockholm mit Wien zu vergleichen. Es stimmt, dass wir in Schweden Babys machen dürfen, und kirchlich heiraten können. Aber sonst?

Wir werden in Zukunft viel über Clubbings schreiben, deshalb werde ich mich kurz fassen:  Jedes Wochenende kann man in Wien auf eine lesbische Party gehen! Wie toll ist das! Wie schön, ja unfassbar ist das für uns kleine, arme Mädchen von den Städten, wo vielleicht fünfmal pro Jahr überhaupt eine lesbische Veranstaltung stattfindet?

Und ganz normale Tage, an denen man auf die Straße geht, sind auch etwas besonderes. Bip bip bip…!, macht das Gaydar. Kann es sein, dass es in Wien einfach „in“ ist, „lesbisch“ auszusehen (ok, wir hassen alle Stereotypen, aber wir müssen uns ja auch irgendwie identifizieren), oder gibt es viel mehr Lesben hier als dort wo ich früher gewohnt habe? Vielleicht glaube ich es einfach deshalb, da so viele Frauen kein Make-up tragen, lieber bequem sein möchten als sich stundenlang mit Fashion zu beschäftigen, oder weil BHs kein sozialer Zwang sind, und das alles hier meinem Gehirn „lesbiiisch!!“  signalisiert? Egal warum, man sollte die wunderschönen Frauen einfach genießen.

Ach ja, Make-up tragen: ich bin so froh, dass es hier voll akzeptabel ist, in einen Klub zu gehen ohne erst eine Stunde vor dem Spiegel zu stehen. Und noch besser, wenn man/frau eine Schwäche für das Spektrum zwischen androgynen Frauen und Butches hat, ist Wien einfach wunderschön – lesbische Frauen machen sich sogar noch weniger Sorgen über Schminke und Kleider als die, die straight sind! Mit Tanktop, Jeans und fast ungeschminkt werde ich als sehr „weiblich“ wahrgenommen, nur weil meine Haare lang sind. Faszinierend.

Jetzt im Sommer, gibt es noch mehr Dinge, die man in Wien erleben kann. Pride, zum Beispiel. Man kann sich auch irgendwo hinsetzen und einfach die Aussicht genießen: Schöne Kleider und T-shirts, durch die man die Nippel sehen kann (ich liebe!!!, dass ihr euch keine BHs anzieht), und… Die Kirsche auf dem veganen glutenfreien Sundae: Österreicherinnen gehen gerne topless schwimmen.

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