Zurück in die Zukunft?

Seit einigen Millionen Jahren bevölkern Menschen schon die Erde. Am Anfang hat sich die Menschheit noch sehr langsam weiterentwickelt. Bis die Sprache erfunden worden ist, das erste Lagerfeuer gebrannt hat, oder die Menschen ihre Nahrung, Rohstoffe und Werkzeuge nicht mehr mühsam über den Boden geschleift, sondern auf Rädern dahingerollt haben, hat es ganze Epochen gebraucht.

Erst in den letzten paar Generationen der Menschheit hat sich die Entwicklung der Welt rasant beschleunigt, aber ob die heutige Situation der Menschheit eine sehr gute oder eine sehr schlechte ist, lässt sich trotzdem je nach Blickwinkel sehr unterschiedlich bewerten.

Einerseits wäre es kaum realistisch, zu erwarten, dass aus einer Welt, die von Monarchien, Diktaturen, Hierarchien, Sklavenhaltung, strengen Rollenbildern und religiösen Vorgaben geprägt war, innerhalb weniger Generationen eine völlig freie, gerechte und weltoffene neue Gesellschaft hervorgehen hätte können. So gesehen könnten wir behaupten, dass wir im Vergleich zur langen Geschichte der Menschheit in sehr kurzer Zeit sehr viel erreicht haben.

Andererseits ist es schwer zu übersehen, dass die Gesellschaft immer noch weit davon entfernt ist, allen Menschen gleich gute Lebensbedingungen zuzugestehen. Freiheiten stossen schnell an Grenzen, die durch gesellschaftliche Normen und den wirtschaftlichen Alltag bestimmt werden. Resourcen und Macht sind zwar vielleicht etwas erreichbarer geworden als vor fünfhundert Jahren, aber die Kluft zwischen Armen und Reichen ist vermutlich selten, wenn überhaupt jemals, grösser gewesen als heute. Die Wirtschaft ist für viele Menschen so bestimmend geworden, dass sich die Frage aufdrängt, ob sich die Wirtschaft noch den Bedürfnissen der Menschen anpasst, oder ob sich die Menschen mittlerweile der Wirtschaft unterwerfen – das heisst, den wenigen Mächtigen, die überproportionalen Profit aus den Leistungen vieler Anderer schlagen.

Es sollte also offensichtlich sein, dass Verbesserungen am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen System, das eigentlich uns Menschen das Leben erleichtern sollte, wünschenswert wären.

Natürlich bedingt der Wunsch nach Verbesserung auch die Notwendigkeit der Veränderung bestehender Gegebenheiten. Erstaunlicherweise scheint es aber eine Vielzahl an Menschen zu geben, die sich vehement gegen fast jede Art von Veränderung sträuben, und die ich im Folgenden zusammenfassend als “die Konservativen” bezeichne.

Die Konservativen, das sind die Menschen, die dem progressiver eingestellten Rest von uns sagen, dass im Prinzip eigentlich jetzt schon alles bestens ist. Sie verweisen uns auf alte Werte, denn die seien schon die richtigen gewesen. Warum wir denn gesellschaftliche Strukturen ändern wollten, fragen sie, wenn doch “normale Menschen” in der Welt zurechtkämen, das habe doch immer schon funktioniert, und manche fügen dann auch noch hinzu, das stünde schliesslich so auch in der Bibel.

Ein bisschen erinnert mich das daran, wie einfach die Welt für mich als Kind ausgesehen hat. Da hat das Leben den Anschein erweckt, immer nach dem selben Plan zu verlaufen: Kindergarten, Schule, Arbeiten, Heiraten, Familie, Hausbauen, Kinder kriegen, und den Kreislauf wieder von vorne beginnen lassen.

Mit der Zeit bin ich natürlich auf immer mehr Menschen gestossen, die ihren eigenen, ganz anderen Plan vom Leben verfolgt haben. Mir ist dadurch einerseits klar geworden, dass es praktisch unendlich vielen Möglichkeiten gibt, ein Leben zu planen, und andererseits, dass ein Leben wahrscheinlich gar keinen endgültigen Plan braucht.

Was ich mich angesichts dieser Erkenntnis frage, ist: Warum sehen die Konservativen all diese unzähligen Möglichkeiten nicht, oder wollen sie nicht sehen? Besonders in der älteren Generation ist eine konservative Einstellung tendenziell stärker verbreitet, gerade diese Menschen sind also alt genug, dass sie einiges an Lebenserfahrung gesammelt und einiges gesehen haben müssten, was von ihren Erwartungen abgewichen ist. Sie müssten genug Zeit gehabt haben, über Alternativen nachzudenken, warum haben sie es nicht getan? Warum gibt es für Konservative anscheinend nur diesen einen Weg, alles richtig zu machen, nämlich so, wie es den Traditionen und althergebrachten Methoden und Werten entspricht, um deren Fortbestand Konservative so besorgt sind?

Vielleicht ist der Mangel an Ideen gerade in dieser Orientierung an der Vergangenheit begründet. Wie sollen Menschen, die sich fast ausschliesslich an bereits Bekanntem orientieren, neue alternative Möglichkeiten entdecken? Wer würde erwarten, dass der Ist-Zustand verbesserungswürdig erscheint, wenn als einziger Vergleich die Vergangenheit dient, aus der sich das Jetzt entwickelt hat?

Eine andere mögliche Erklärung für den Widerstand, den Konservative gegen fast alle neuen Einflüsse leisten, könnte auch eine grundsätzliche Angst vor Veränderung sein. Veränderungen sind natürlich nicht nur mit der Chance verbunden, Verbesserungen zu bewirken, sondern auch mit dem Risiko, dass sie missglücken und Schaden anrichten. Doch auch die Sicherheit des scheinbar risikolosen Altbewährten ist eine Illusion, denn die bestehenden Ideen bieten keineswegs Sicherheit. Eigentlich schlaue Kinder scheitern in unserem Schulsystem, traditionelle und christliche Ehen zerbrechen ebenso wie andere Beziehungsformen und das Scheitern der konservativen Idee, dass Wirtschaft nur durch Wachstum erfolgreich sein könne, lässt sich angesichts unserer begrenzten Resourcen sogar garantieren.

Das bestehende System gibt uns also offensichtlich gar keinen Grund, auf den Versuch zu verzichten, es durch Veränderungen zu verbessern. Selbst wenn wir die Mängel ausser Acht lassen: Sogar die Errungenschaften der modernen Welt sind eine Motivation zur weiteren Veränderung, denn sie sind auch in der Vergangenheit deshalb entstanden, weil Menschen von ihren bestehenden Ideen, Methoden und Lebensarten abgewichen sind und etwas Neues ausprobiert haben.

Menschen verändern sich, jedes Individuum bringt ständig winzige Veränderungen in die Welt, und in Summe werden daraus grosse Veränderungen, die sich auch in Kulturen, Strukturen, Sprachen, Gesellschaftsformen und Wirtschaftssystemen widerspiegeln werden und müssen.

Letztendlich wird es zwar nie absolute Sicherheit geben, keine einzige “richtige” Art zu leben, keinen endgültigen Zustand einer perfekten Welt; aber wenn wir lernen, die stetige Veränderung der Welt als Fortschritt der Menschheit zu begreifen, zumindest die Chance auf eine bessere Zukunft.

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