Religiöse Gefühle verletzen

Klagen einer Atheistin, Teil 1

Ich begann einen Beitrag zu verfassen, der eigentlich „nur“ die Bibel als Orientierungspunkt, was den moralischen Umgang mit Homosexualität betrifft, auseinander nehmen sollte. Ich bin in der Redaktion ja ohnehin schon (zurecht) verrufen, mich nicht kurz halten zu können und es kostet mich jedes Mal ernsthaft Mühe, die Länge meiner Einträge leser_innenfreundlich zu halten. Und als ich so schrieb und schrieb und schrieb, fingen die Seiten an sich zu sprengen, weil ich von einem Thema ins nächste kam, nämlich nicht nur was Homosexualität und Kirche angeht, sondern auch ganz allgemein was den Glauben und Religion betrifft. Deswegen mein kurzfristiger Entschluss einfach eine Serie daraus zu machen, von der ich noch nicht weiß ob sie mit zwei Beiträgen schon abgeschlossen ist oder ob sie vielleicht nie ein Ende finden wird („Der Katholizismus, was der sich immer einfallen lässt…!“).

Jedenfalls war schon mein Intro zur ganzen Causa, die meinen Zugang zur gesamten Thematik offen legt, einen eigenen Beitrag lang und deswegen möchte ich damit starten.

Diejenigen Lesenden, welche irgendeine Art Glauben haben, mögen mir an dieser Stelle verzeihen, wenn ich später polemisch werde. Und bevor ich das werde möchte ich mich auf Richard Dawkins beziehen, der irgendwann am Beginn seines Werks „Der Gotteswahn“ schreibt, dass er kein Verständnis dafür hat, warum mensch ausgerechnet dem Glauben, der im Grunde wie eine Meinung zu behandeln ist/wäre, soviel mehr Respekt entgegen gebracht werden muss?

Dieser erste Teil meiner Auseinandersetzung mit Religion ergab sich, weil ich schnell merkte, dass ich Hemmungen bekam schonungslos zu äußern, was ich von Religion halte, da es ja einige unter den Lesenden geben könnte, die sich dadurch gekränkt oder missachtet fühlen könnten. Deswegen fühlte ich mich gedrängt mich zuerst zu rechtfertigen und festzuhalten, dass es mir nicht darum geht, irgendjemanden persönlich zu beleidigen – und schon stand ich vorm nächsten Thema, das ich in Zusammenhang mit Religion kritisch sehe, mich ärgert und welches ich der logischen Abfolge wegen den anderen voran stelle.

Religion wird behandelt, als hinge sie direkt mit der Würde des Menschen zusammen. Ein Angriff gegen die Religion wird zu oft so gewertet, als handelte es sich dabei um einen Angriff gegen die Person, die dieser Religion angehört. Als wäre es eine Art Diskriminierung zu äußern, dass man religiöse Vorstellungen für unwahr hält und ihren Einflussbereich im öffentlichen(!) Leben minimieren möchte. Als wäre Religion irgendetwas Einverleibtes, etwas Angeborenes, wie eine schiefe Nase, die man demütigen, verkennen, verspotten oder missachten kann. Mir ist klar, dass auch in sachlichen Diskussionen die Grenzen oft verschwimmen und es dem Menschen nicht immer liegt Persönliches von Sachlichem zu trennen, aber trotz allem beansprucht Religion hier wieder mal einen Sonderstatus. Etwas Hochpolitisches wird strategisch zu etwas Persönlichem verniedlicht und damit immunisiert. Immunisiert vor kritischen Äußerungen und umfassender Skepsis. Religion ist, so meine ich, in den seltensten Fällen wirklich einfach nur persönlich. Vielleicht beim Gebet im Kämmerchen, aber sonst? Grundsätzlich ist sie politisch.

Der Charakter der Religion an sich ist es in das persönliche Leben der Menschen einzugreifen. Sie greift nicht nur in das Leben der Menschen ein, sondern versucht es von Stunde der Geburt an zu reglementieren und zu steuern. Ziel des Katholizismus zum Beispiel ist es zur einzigen Religion zu werden und die Welt nach ihren Vorstellungen zu formen. Der Gott in der Bibel möchte der einzige Gott sein. Wer behauptet nur als Privatperson gläubig zu sein und auch findet, dass Religion etwas Privates sein soll, sollte im österreichischen Fall schleunigst aus der Kirche austreten (und damit keine Steuern mehr zahlen) und außerdem vermeiden, den Papst anzujubeln, dessen Ziel es ist, die Kirche wieder (noch) mehr mit dem Staat zu verweben. Der Glaube also verfolgt politische Ziele, das ist das erste wichtige Kriterium warum es nicht sein kann und soll, dass Religion mit überrespektvollem Abstand behandelt wird, sondern sich der gleichen kritischen Auseinandersetzung hingeben muss, wie jede andere Weltanschauung, die Anspruch erhebt die Organisation einer Gesellschaft zu regeln oder zu beeinflussen. Soviel zu der Unantastbarkeit des „persönlichen Glaubens“.

Aber da hätten wir ja noch die Verletzung der „religiösen Gefühle“. Welche abstrakten Gefühle dies auch immer sein mögen, erstaunlich wie erpicht religiöse Menschen darauf sind, ihr abstraktes Gefühl einem unsichtbaren Mann gegenüber zu schützen und wie unempfindlich sie gleichzeitig dabei sind, gegen die Würde anderer Menschen vorzugehen. Ich frage mich immer wie Anhänger_innen der katholischen Kirche es einerseits schaffen sehr empfindlich zu sein was ihren lieben Gott und den unbedingten Glauben angeht und wie unbefangen sie gleichzeitig dabei sind, zum Beispiel Frauen, die abtreiben als Mörderinnen ihrer eigenen Kinder zu betiteln. Wenn DAS mal nicht verletzend und gegen die Würde ist! Die Religion möchte sich in ihrer Glasglocke vor Verletzungen geschützt und geborgen wissen, gleichzeitig behält sie sich allerdings das Recht vor, das Feuer zu eröffnen und zwar gegen die elementarsten Freiheiten und Themen der menschlichen Würde. Im Falle der Abtreibung so ganz nebenbei gegen die körperliche Unversehrtheit, ich fürchte hier kann man nicht mal mehr vom vergleichsweise Luxusbegriff der Menschenwürde sprechen, sondern muss schon ganz unten anfangen auf der Grundrechts-Pyramide des Menschen. Oder im Falle der Homosexualität: Ich bin jemand vor deren Erziehung und Einfluss man Kinder schützen muss! „Die menschliche Würde ist unantastbar“ – Error! Hier handelt es sich um Angriffe gegen die menschliche Würde. Hier werden elementare, menschliche Bedürfnisse als gesellschaftsschädigend dargestellt und der_diejenige, der_die ihren Bedürfnissen nachgeht als der_die Schädiger_in. DAS ist Degradierung, das ist Demütigung.

Bei einem Angriff gegen die Religion handelt es sich nicht um einen Angriff gegen die Würde eines religiösen Menschen. Der Mensch als wertvoller und in seinem Person-Sein zu respektierender Mitmensch wird dadurch zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Es handelt sich schlicht und einfach um einen Einspruch und ein in Frage stellen religiöser Ansichten. Es ist ein Unterschied irgendeinem Menschen „respektlos“ gegenüber zu treten oder einfach nur anderer Ansicht zu sein. Ich kann nicht versprechen, immer unsarkastisch zu bleiben, wenn es um die Vorstellung irgendeines Gottes geht, aber ich schätze auch das müsste eigentlich verkraftbar sein, sollte mensch wirklich der fixen Überzeugung sein, so jemand existiere und ganz nebenbei mit vielen anderen gemeinsam die absolute Mehrheit bilden. Also keine Panik vor zynischen Atheist_innen, der Vatikan steht noch.

Deswegen gilt für mich in diesem Blog: Ich behandle das Thema Religion genauso wie ich jede andere Meinung oder Ansicht behandle, mit der ich nicht einverstanden bin. In politischen Diskussionen, wenn mein Gegenüber eine Ansicht vertritt, der ich schärfstens widerspreche oder die ich auch ganz einfach nur für Unsinn halte, äußere ich meine Meinung im gleichen Ton und mit der gleichen Vehemenz, wie ich meine Meinung zu religiösen Themen äußere. Denn Religion ist de facto nichts anderes als eine Einstellung/Meinung/Ansicht, vielleicht sind religiöse Vorstellungen sogar die einzigen Weltanschauungen, die für immer nur Meinung und Ansicht bleiben. Und es ist mein Recht, gegen diese Ansicht aufzutreten, ohne mit der Keule „religiöse Gefühle zu verletzen“ erschlagen zu werden. Ich verletze auch keine „kommunistischen Gefühle“, wenn ich Onkel Lenin in Frage stelle und ich verletze auch keine „kapitalistischen Gefühle“, wenn ich meine, dass das Streben nach Profit nicht unbedingt zu Wohlstand führt. Oder vielleicht verletze ich diese kommunistischen oder kapitalistischen Gefühle ja doch, nur würde der_die Kommunist_in oder Kapitalist_in wohl niemals auf die Idee kommen dies als Argument gegen meine andere Ansicht zu verwenden und damit die Diskussion zu verunmöglichen. Und wenn er_sie es täte, würde er_sie in Zukunft wohl kaum als ernstzunehmende_r Gesprächspartner_in betrachtet werden.

Der „Respekt vorm persönlichen Glauben“ oder der Hinweis auf die „Verletzung religiöser Gefühle“ ist nichts weiter als ein Verlegenheitsakt, weil mensch irgendwann keine rationalen Argumente mehr aus dem Hut zaubern kann, konfrontiert man ihn mit all den Widersprüchen und Brutalitäten der eigenen Religion oder der religiösen Schriften. Und dieser Verlegenheitsakt verkommt zur Strategie, um sich weiterhin demokratische Rechte zu sichern. Eigentlich müsste der Aufruf keine Kondome zu gebrauchen, als Gefährdung des Lebens einer ganzen Bevölkerung gewertet werden. Nein, das gehört zum „persönlichen Glauben“, der unangetastet bleiben und respektiert werden muss, mhm.

Trotzdem: Es geht NICHT darum zu behaupten, dass die Bibel (oder irgendeine andere Schrift) nicht als Inspirationsquelle für irgendeine Art Lebensphilosophie oder Lebensgefühl dienen kann, es geht auch nicht darum was ich persönlich von Menschen halte, die glauben oder sich einer Religion zugehörig fühlen und es geht auch nicht darum irgendjemandem seinen_ihren persönlichen Sinn, den er_sie womöglich aus irgendeiner Glaubensrichtung schöpft zu vermiesen.

Es geht um die Inhalte, welche aus der Zone des Privaten austreten und unmittelbaren Einfluss auf die Öffentlichkeit ausüben. Und ich persönlich finde, dass diese Zone im Falle der Religion sehr schnell betreten wird, vielleicht sogar unvermeidlich und deswegen muss die Kritik auch umfassend sein und kann nicht künstlich dort halt machen, wo Menschen ihre abstrakte Liebe zu einem unsichtbaren Mann im Himmel als respektlos behandelt empfinden. Die Kirche tritt jeden Tag die reale Liebe zu meiner Freundin mit Füßen und ich muss mich damit auseinandersetzen zu begründen, warum dies Unrecht ist. Dann soll sich die liebe Religion auch damit auseinandersetzen zu begründen, warum es Recht ist einen unsichtbaren Gott so sehr zu lieben, dass es legitimiert, in seinem Namen andere Menschen zu diskriminieren und wiederum ihnen die Liebe zu verbieten. Wenn wir schon bei „persönlich“ sind…

Fortsetzung folgt, es grüßt
die göttinnenspeise!

9 thoughts on “Religiöse Gefühle verletzen

  1. grundsätzliches: es wird immer die geben, die ihre handlungsweise dadurch zu immunisieren versuchen, dass sie die kritik daran delegitimieren.
    es wird andererseits aber auch immer die geben, die die formen und methoden legitimer kritik verlassen und beleidigend werden.
    die religiösen anschauungen sind anschauungen wie andere auch – und nicht. nicht umsonst ist religionsfreiheit ein eigenes menschenrecht, es geht eben um eine weltsicht, die den menschen ganzheitlich, in jeder handlung, in jeder sekunde betrifft, um ein system, das auf das engste mit der persönlichkeit und den vorstellungen nicht nur eines gelungenen lebens, sondern zuweilen gar dem jenseits verknüpft ist. religion ist für religiöse nicht ein aspekt, sondern zentral, und dies zu beleidigen wird entsprechend empfunden.
    spezielles: religion ist also sehr persönlich, das schliesst aber eher ein als aus, dass sie auch hochpoltisch ist. als religiöser mensch gibt es einige gesetze, die ich lieber so wie sie sind als anders, und umgekehrt habe. ich, meine kirche, mitgläubige sollten diese anliegen begründen können, idealerweise auch für andersdenkende nachvollziehbar, und sich andernfalls damit begnügen, dass nur die demokratisch legitimierte regierung in übereinstimmung mit den menschenrechten das letzte wort in irdischer gesetzesform hat. das gilt eigentlich ebenso für nichtreligiöse gruppierungen und ansichten. die kritik an solchen vorstössen muss nicht übervorsichtig sein, aber der vorwurf, wahnsinnig zu sein (dawkins) ist jenseits eines guten tons, der dem klima im lande hilft. und es sind nicht die besten diskussionen, in denen die ansicht der anderen verkürzt dargestellt, oder extreme für das ganze ausgegeben werden. kirchliche aussagen zu kondomen, homosexualität und abtreibung muss keine un/andersgläubige person teilen, aber fair darstellen sollte drin sein.

  2. In meinen Augen ist Religion eine Art Lebensphilosophie mit übernatürlichem Element. Also eine bestimmte Anleitung, wie mensch am besten zu leben hat, verbunden mit zum Beispiel übernatürlichen Wesen (Göttern) oder bestimmten Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod. Warum aber gerade dieses übernatürliche Element eine bestimmte Schutzfunktion haben soll, erschließt sich mir nicht. Die persönlichen Ansichten eines Menschen, so absurd sie für mich auch erscheinen mögen, werde ich natürlich nicht ohne Grund herablassend behandeln. Ob die betreffende Person dabei an den christlichen Gott, an Götter aus einer anderen Mythologie, Feen und Elfen oder das fliegende Spaghettimonster glauben, ist für mich einerlei.

    Wenn mir (ich spreche jetzt mal nur für mich, und nicht für die Autorin des Artikels) allerdings religiöse Menschen daherkommen, und beispielsweise mit Verweis auf ihr Sagenbuch den Wert meiner Liebe zu meiner Freundin absprechen, dann werde ich ungemütlich und mensch wird sich mit beißender Kritik konfrontiert sehen. Die Asskarte „verletzte meine religiösen Gefühle nicht“ zieht dann nicht mehr.

    „…dass nur die demokratisch legitimierte regierung in übereinstimmung mit den menschenrechten das letzte wort in irdischer gesetzesform hat“ – dem hätte ich nichts hinzuzufügen, und auch wenn ich Religion ziemlich kritisch gegenüberstehe, achte ich natürlich die persönlichen Überzeugungen eines Menschen, solange diese nicht meine eigene Freiheit und Rechte beschränken sollen. Und natürlich ist mir auch klar, dass nicht alle religiösen Menschen gleich ticken. Wenn aber die religiösen Überzeugungen vom privaten Bereich in den öffentlichen, politischen getragen werden, und damit nicht mehr nur die einzelne religiöse Person betreffen, dann ist auf jeden Fall Wachsamkeit angebracht.

    Kurz und gut: Live and let live, und zwar beiderseitig.

  3. viel zustimmung, ein caveat vielleicht: das mit dem herablassend. auch wenn Du etwas nicht glaubst, hilft es in der diskussion, das gegenüber ernst zu nehmen. („sagenbuch“ fiel mir ins auge). natürlich gilt das nur, wenn die andere seite nicht im kreuznet-stil agitiert, dann ist eh schon hopfen und malz verloren

    • ohne jetzt provokant rüberkommen zu wollen, aber ist „sagenbuch“ wenn mensch es genau nimmt, nicht eine treffende bezeichnung für die bibel? was ist der unterschied zwischen zB griechischen sagen und christlicher mythologie? schon klar, „religiöse schriften“ klingt besser aber warum dann wieder privilegien für bestimmte religionen? (es gibt ja tatsächlich auch menschen, die sich die griechischen, nordischen, etc. götter zum verehren ausgesucht haben, wüßte gerne, welche reaktion das wort „sagenbuch“ bei denen auslösen würde)

    • ich muss mir eure antworten nochmal genauer durchlesen, aber eins vorweg, auch wenn es schokomuffin zum teil schon gesagt hat. dass die bezeichnung „sagenbuch“ schon als herablassend empfunden wird, unterstreicht mein argument. was ist die bibel denn dann? eine historische dokumentation wohl kaum, das wort gottes ist zu streitbar für eine sachliche diskussion und „religiöse schrift“ – ja ok. was ist der unterschied zwischen religiösen schriften und sagen? im grunde kann ich nur noch wiederholen was muffin schon sagte: hier geht es wiederum um das einfordern von privilegien. weil eine gewisse anzahl menschen glauben, dass die bibel das wort gottes ist, darf es von anderen nicht als „sagenbuch“ betitelt werden. in Island glaubt man an elfen und feen. ich weiß nicht ob es dazu irgendwelche schriften gibt, aber nehmen wir an es gäbe sie: wie sehr würden wir uns auf die zunge beißen, beim versuch zu „respektieren“ oder „das gegenüber ernst zu nehmen“, wenn dieser isländer die „schrift der feen“ bitte nicht als märchen oder sage benannt haben möchte? irgendwann wird es einfach absurd. für mich, die ich weder an elfen noch an einen katholischen gott glaube, ist es genauso absurd die bibel kein sagenbuch nennen zu dürfen, wie es wahrscheinlich für eine_n katholik_in absurd wäre die „schrift der feen“ kein sagenbuch, sondern eine „religiöse schrift“ nennen zu müssen, um dem anderen das gefühl zu geben „ernst genommen zu werden“. oder am besten frage ich dich einfach und diese fragen sind nicht zynisch gemeint, ich freue mich total, dass du mit mir/uns diskutierst!: was hebt die bibel oder die geschichten in der bibel von sagen und legenden ab? wo liegt der unterschied? und warum ist es nicht verkraftbar, wenn in diskussionen mit bezeichnungen wie „sagenbuch“ darauf hingewiesen wird, dass es vermeintlich eben keine unterschiede gibt? oder geht es dir eher darum, dass das wort an sich herablassend klingt? gäbe es eine alternative? wenn ich in einer sachlichen diskussion darauf hinweisen möchte, dass meiner ansicht nach die bibel ein buch voll mit sagen ist, welche möglichkeit hätte ich dies zu tun, ohne, dass der andere sich nicht ernst genommen fühlt?

      • ich gebe dir in deiner ersten kritik recht: in meinem artikel habe ich verabsäumt darauf hinzuweisen, dass hier an vielen stellen von sehr radikalen gläubigen die rede ist und selbstverständlich nicht jeder in der kirche so denkt.

        und ich gebe dir auch recht, wenn du dich darüber beschwerst, dass dawkins soweit geht zu sagen, dass religiöse menschen „wahnsinnig“ sind. das ist natürlich eine aussage, wo die grenze sehr eindeutig überschritten ist.

        nicht eindeutig überschritten sind für mich aber vokabel wie eben „sagenbuch“, „imaginär“, etc… ich weiß nicht wie du persönlich zu dem wort „imaginär“ stehst, deswegen sieh das hier jetzt nicht als direkte antwort an dich, sondern vielleicht eher als ergänzender monolog meinerseits: es erreicht für mich leider wirklich die grenze der unerträglichkeit, wenn man schon dann gemaßregelt wird, wenn mensch die tatsache ausspricht, dass der gott nun mal imaginiert wird. ich wüsste nicht was für eine andere möglichkeit der mensch hätte, egal ob gläubig oder nicht, als gott eben durch die imagination zu erleben… dass er imaginiert wird, ist eine wichtige tatsache in der diskussion rund um religion, weil es natürlich schon eine rolle spielt zu untersuchen welche aspekte der menschlichen psyche mitspielen bei der gottesvorstellung, bevor wir zb eingriffe in das ethische system entweder weiter walten lassen oder erneut einfluss üben lassen. das wäre ein beispiel warum mir persönlich das opfer einfach zu groß ist, dafür, dass sich irgendjemand „nicht ernst genommen fühlt“.

  4. ich will ja nicht pingeliger erscheinen als ich bin, aber ich denke schon, dass neutralere begriffe ohne weiteres möglich sind. im schriftlichen würde ich zb von „heiligen büchern“ in anführungszeichen oder meinetwegen mit dem zusatz „sogenannten“ sprechen. es hängt natürlich vom thema der diskussion ab: geht es darum, den wahrheitsgehalt zu erörtern, so sollte keine gläubige person ein problem haben, wenn Ihr sagt: glaub ich nicht, stimmt nicht, widerspricht meiner ansicht aus diesem und jenem grund. wenn besprochen wird, was in levitikus zb steht, reicht es, einfach „die bibel“/ „torah“ zu sagen, oder?
    ich persönlich versuche auch religiösen überzeugungen, die nicht meine sind, gegenüber respektvoll zu sein, indem ich zb in islamischen zusammenhängen mohammeds namen mit de zusatz „der friede sei mit ihm“ verbinde, den ich andererseits nicht als propheten bezeichne, weil ich halt nicht an ihn als solchen glaube.
    bezüglich des imaginierens ist mir jetzt nicht ganz klar, wie Du dir vorstellst, dass erkenntnisse über religiöses denken den einfluss auf gesetze und gebräuche einschränken sollen.

    • sorry etwas spät, aber als letzte zwei cent noch dazu: ja, zweifellos klingt „(sogenannte) heilige bücher“ respektvoller. zwei gedanken dazu:

      1. dabei geht es gerade wieder um die problematik, die wir vorhin angesprochen haben, nämlich dass ein bestimmter glaube aufgrund seiner hohen mitgliederzahl und daher sonderstatus „religion“ einen anspruch auf höheren respekt stellt, der sich aber für mich daraus nicht zwingend ableiten läßt. wie gesagt: die geschichten diverser heidnischer religionen laufen heutzutage völlig akzeptiert unter dem begriff „sagen und mythen“, dabei waren das auch mal praktizierte religionen und sind es für manche menschen auch noch bzw. wieder.

      2. natürlich kommt es auf das thema der diskussion an. in der regel sage ich auch ganz einfach zB „die bibel“, aber wenn es um besonders absurde gebote oder verbote geht, die der gesellschaft vorgeschrieben werden sollen, dann muß mensch sich denke ich zurecht die frage gefallen lassen, wieso ein sagenbuch über mein leben bestimmen soll. kommt also ganz auf das thema und mein gegenüber an.

      und zuletzt: ich glaube was göttinenspeise thematisieren wollte ist, dass anordnungen einer imaginierten person (die ein gott ja zweifellos ist, und damit will ich den glauben ja nicht lächerlich machen, aber wo sonst als im eigenen bewußtsein erfährt man seinen persönlichen glauben? beweisen, dass es gott gibt, kann man schließlich nicht) nicht als grundlage für gesetzte genommen werden kann, ebensowenig wie das ein bestimmtes, sehr altes buch mit „heiligen“ erzählungen sein kann.

      • 1: also das liegt wohl an der konvention, dass diese rleigionen eben primär als ehemalige galten; im bedarfsfall werd ich einen zeus-anbeter sicher nicht von sagen erzählen ;-)
        und zuletzt: jede person hat ansichten, weltbilder, welche de facto personen anderer ansicht nicht wirklich bewiesen werden können. manche dieser ansichten haben im vor- oder hintergrund religiöses motivat, sind aber _deswegen_ nicht mehr oder weniger gefährlich/wertvoll/legitim.

        und zum imaginierten: es gibt einen unterschied zwischen imaginiert und persönlich erfahrbar/erfahren. als katholik/in glaube ich natürlich nicht, dass ich Gott imaginiert, also mir eingebildet, habe, sondern dass „Er“ tatsächlich existiert.

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