Generisches Femininum: WTF?!

Eine überparteiliche Aktionsgruppe hat dazu aufgerufen, diese Woche an einem Sprachexperiment zum generischen Femininum aktiv und kreativ teilzunehmen. Wer davon nichts mitbekommen hat, hat theoretisch bis am 26.11.2012 und natürlich darüber hinaus noch Zeit den eigenen Sprachgebrauch in Frage zu stellen. Im Deutschen, Spanischen, Französischen, und noch in einigen anderen Sprachen gilt es als generisch, männliche Personenbezeichnungen wie „Leser” oder „Bürger” zu verwenden, um gemischtgeschlechtliche Gruppen zu bezeichnen. Das generische Maskulinum wurde deshalb schon vielfach kritisiert, weil es für einen fairen Umgang in der Gesellschaft nicht ausreicht, andere Geschlechter nur als „mitgemeint“ zu deklarieren.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Texte und gesprochene Sprache geschlechtsneutral und für alle inklusiv zu gestalten. Dazu gehören geschlechtsneutrale Bezeichnungen, welche auch per Leitfaden von etwaigen Ministerien zum Download zur Verfügung gestellt werden. Das Ziel ist es, Worte wie „Studierende” statt „Studenten” zu verwenden oder einfach die Nennung beider Geschlechter wie bei „Bürgerinnen und Bürger” oder wie wir bei sugarbox es Handhaben mit „Leser*innen” oder „Teilnehmer_innen” um auch trans-identifizierte Menschen zu inkludieren und somit die Geschlechter Dichotomie versuchen zu sprengen.

In dieser Aktionswoche nun verwendet die Aktionsgruppe zur Entspannung mal das generische Femininum. Damit sind ebenfalls alle Geschlechter gemeint – denn manchmal müssen die Verhältnisse auf den Kopf gestellt werden, um zu sehen, dass sie vorher auch nicht richtig herum waren. Das generische Feminimum wird durch die Unterstützerinnen bei öffentlichen Äußerungen, in Blogs, auf Twitter und bei sonstigen Texten eine Woche lang eingesetzt – und bei Lust und Laune danach auch noch. Auf Twitter wird die Aktion mit dem Hashtag #InWoche begleitet.

Wie benutzt man das generische Femininum?

Dies ist eigentlich ganz einfach. Wörter, die ein eigenes Femininum haben, eignen sich super. Wörter, die gequält werden, in dem ein unnatürliches Suffix „-in“ angehängt wird, machen keinen Sinn sondern das Anliegen lächerlich. Wenn es um Sachen geht (zum Beispiel: „der Salzstreuer“), dann bleiben die so, wie sie sind.

Wenn es um Menschen geht, dann empfiehlt sich eine andere Wortwahl. Also „Mensch“ nicht durch „Menschin“ ersetzen sondern durch das neutrale „die Leute” oder eine spezifischere Bezeichnung, bei der es weibliche Formen gibt wie etwa „Bürgerinnen” oder „Leserinnnen”.

Kann „man” ohne „man” auskommen?

Ja! Und das auch ohne jede weitere Schwierigkeit! „Man” ist ein ziemlich eindeutiges Maskulinum; warum muß hier wohl nicht erklärt werden. Wie dieses Wort vermieden oder anderweitig ersetzt werden kann, wird wie folgt erklärt:

  • Ersetzen durch „jede”: Statt „Man kauft doch heute Bahntickets online” -> „Heute kauft doch jede Bahntickets online”
  • Ersetzen durch „frau”: Statt „Wie kommt man jetzt am schnellsten zum Bahnhof?” -> „Wie kommt frau jetzt am schnellsten zum Bahnhof?”
  • Ersetzen durch „wir”: Statt „Wie kann man diese Krise überstehen?” -> „Wie können wir diese Krise überstehen?”
  • Ersetzen durch Satzumbau: Statt “Man kann ja auch Fahrradfahren” -> “Fahrradfahren geht natürlich auch”

Für all diejenigen, die sich das generische Maskulinum und Femininum lieber visuell erklären lassen wollen, sei folgendes youtube-Video ans Herz gelegt:

Viel Spaß beim Herumschustern und feststellen, dass Sprache doch ganz schön inkludierend sein kann.

Obriger Text und die dazugehörigen Beispiele stammen (nahezu) zur Gänze aus der Feder der Macherinnen des Blogs zur Aktionswoche des generischen Femininum. Wir von sugarbox finden die Aktion so toll, dass wir uns dieses Mal bewusst entschieden haben content von einem anderen Blog zu verwenden.

6 thoughts on “Generisches Femininum: WTF?!

  1. Das mit „wir“ ist die beste Idee und sie war mir bis dato nicht geläufig. Unlängst viel mir erst auf, dass der Plural (die Mehrzahl) Artikel „die“ dem weiblichen Singular gleicht.
    Der Mensch – die Menschen
    Noch interessanter wird es bei diesen universellen Singular-Formen:
    Die Menschheit
    Die Mannschaft
    Die Werkstatt
    Die Feuerwehr
    Zugegeben es gibt auch:
    Das Volk
    Im Singular ist das Individuum stets männlich,
    im Plural wird DIE Gemeinschaft aber immer weiblich.

    • Ich glaube das Gendern ist eine unartige Vermischung oder Vermengung aus angelsächsischen und romanischen Sprachen. In Büchern vor dem 19. Jahrhundert werden nie Begriffe wie „die Hunde oder die Hirsche, die Hähne“ verwendet, sondern „die Hundemeute, das Wild, das Gefieder“ oder oft wurde „Volk“ als Suffix angehängt. Im Deutschen war der Artikel bezeichnend.

      „Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was,
      Dâ mugt ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras.
      Vor dem walde in einem tal, tandaradei,schône sanc diu nahtegal.
      Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê.
      Dâ wart ich enpfangen,hêre frouwe,daz ich bin sælic iemer mê.
      Kuste er mich? wol tûsentstunt:tandaradei,…“

      Kennt ihr diese Autorin?
      http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/18Jh/Zaeunemann/zae_intr.html

    • Ich glaube das Gendern ist eine unartige Vermischung oder Vermengung aus angelsächsischen und romanischen Sprachen. In Büchern vor dem 19. Jahrhundert werden nie Begriffe wie „die Hunde oder die Hirsche, die Hähne“ verwendet, sondern „die Hundemeute, das Wild, das Gefieder“ oder oft wurde „Volk“ als Suffix angehängt. Im Deutschen war der Artikel bezeichnend.

      „Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was,
      Dâ mugt ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras.
      Vor dem walde in einem tal, tandaradei,schône sanc diu nahtegal.
      Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê.
      Dâ wart ich enpfangen,hêre frouwe,daz ich bin sælic iemer mê.
      Kuste er mich? wol tûsentstunt:tandaradei,…“

      Kennt ihr diese Autorin?
      http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/18Jh/Zaeunemann/zae_intr.html

  2. Pingback: Geschlechtergerechte Sprache wird in Österreich abgeschafft | sugarbox

  3. Pingback: Pinke Weihnacht schützt vor Sexismus nicht | sugarbox

...und was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s