Das Frauenbild der ÖVP und die 50er – Starring: Die Putzfrau, die Geduldige und die Erotische!

Meine liebe Schwester machte mich am Wochenende auf den Artikel „The Good Wife´s Guide“ aufmerksam. Dies ist ein Artikel aus dem Jahre 1955, der zum Inhalt hat wie sich eine gute Ehefrau so benimmt. Zusammenfassung: Eine gute Ehefrau tut den ganzen lieben langen Tag alles damit am Ende ihr Ehemann glücklich und zufrieden ist. Unter anderem finden sich in der Anleitung folgende Punkte:

  • Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.
  • Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme
  • Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

Für die Masochist_innen unter euch: Keine Panik, unten kommt noch mehr davon!

Der Originalartikel:  goodwifeguide

Nun mag mensch ja nicht gerade überrascht sein, dass in den 50ern ein solches oder ähnliches Frauenbild existierte. Aber das ist ja noch nicht das Ende der Geschichte, denn zeitgleich damit beglückte mich meine Schwester ebenso mit einem Werbevideo der Tiroler ÖVP-Frauen von 2011. Möglicherweise kennen es einige von euch schon, ich blieb bis vor Kurzem noch verschont. Wer denkt hierbei handle es sich um eine Satire, denkt wie ich, als ich es zum ersten Mal sah, irrt aber leider. Ich habe lange überlegt wie ich dieses Video kommentieren könnte, aber leider fehlen mir die Worte:

Nun bieten diese zwei Manifeste des emanzipatorischen Gedankens natürlich die perfekte Ausgangslage für einen Vergleich. Und siehe da, er funktioniert bestens! Ich habe mir erlaubt die Kategorien und Szenen des Tiroler ÖVP-Frauen-Videos als Aufhänger zu nehmen und die jeweils passenden Passagen des „Good Wife Guides“ dazu zu ordnen. Viel Spass!!

Die Erste, Checkerin & Organisatorin

  • Während der kälteren Monate sollten Sie für ihn ein Kaminfeuer zum Entspannen vorbereiten. Ihr Mann wird fühlen, dass er in seinem Zuhause eine Insel der Ruhe und Ordnung hat, was auch Sie beflügeln wird. Letztendlich wird es Sie unglaublich zufrieden stellen, für sein Wohlergehen zu sorgen.
  • Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist.
  • Machen Sie die Kinder schick. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind). Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie ggf. ihre Kleidung. Die Kinder sind ihre „kleinen Schätze“ und so möchte er sie auch erleben. Vermeiden Sie jeden Lärm. Wenn er nach Hause kommt, schalten Sie Spülmaschine, Trockner und Staubsauger aus. Ermahnen Sie die Kinder, leise zu sein.

Die Geduldige und Zuhörerin

  • Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht, dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.
  • Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen.
  • Begrüßen Sie ihn nicht mit Beschwerden und Problemen.
  • Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.
  • Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.
  • Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.

Die Putzfrau

  • Räumen Sie auf. Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt.
  • Räumen Sie Schulbücher, Spielsachen, Papiere usw. zusammen und säubern Sie mit einem Staubtuch die Tische.
  • Ihr Ziel sollte sein: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zuhause ein Ort voller Frieden, Ordnung und Behaglichkeit ist, wo Ihr Mann Körper und Geist erfrischen kann.

Die Köchin

  • Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

Die Erotische

  • Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.
  • Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.
  • Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.
  • Machen Sie es ihm bequem. Lassen Sie ihn in einem gemütlichen Sessel zurücklehnen oder im Schlafzimmer hinlegen. Halten Sie ein kaltes oder warmes Getränk für ihn bereit.
  • Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.

Die Karrierefrau, Taxifahrerin, Lehrerin, Krankenschwester und Vorleserin lassen sich in „The Good Wife´s Guide“ leider nicht wieder erkennen, ist ja auch nicht verwunderlich, da all diese Kategorien mit einem Berufsbild zu tun haben. Soviel Fortschritt muss man der ÖVP schon lassen!! Auf die Gepäcksträgerin hat „The Good Wife´s Guide“ wohl einfach vergessen, tztztz…

Es grüßt, die göttinnenspeise

17 thoughts on “Das Frauenbild der ÖVP und die 50er – Starring: Die Putzfrau, die Geduldige und die Erotische!

  1. Mir ist das Frauenbild der ÖVP ScheissEgal.
    Ob jemand eine Hausfrau oder Domina in der Wirtschaft haben will ist mir auch scheiss egal.
    Dass 3 Leute in meiner Umgebung armutsgefährdet sind ist mir nicht scheiss egal. Denen geht es links am Arsch vorbei, was du über das Frauenbild der ÖVP schreibst.
    Mich zipft es an. Deine private Onanie ist für mich im Moment keine relevante Gesellschaftliche Kritik.

      • Stimmt teilweis, sorry, mich nervt aber auch das bashen von Altvatterischen, was eh alle kennen. Die vorherigen Artikel waren so gut und diesen finde ich schlecht.

    • na dankeschön liebe HAUSFRAU!!!!

      das kommt echt nicht gut an, was du da von dir gibst.

      1) das frauenbild der ÖVP ist NICHT scheissegal. es ist LEIDER nach wie vor gesellschaftlich relevant und das zeigt der artikel sehr gut.
      2) es gibt einen konnex zwischen diesem frauenbild und armutsgefährdung. so sind es doch vorwiegend alleinerziehende (somit frauen) die in österreich armutsgefährdet sind.
      3) wer will schon eine modernisierung der ÖVP? die ist ohnehin nicht mehr zu retten. und wenn du gegen armut kämpfen willst, solltest du dich auch woanders rumtreiben als in ÖVP-nahen tageszeitungsforen, die hauptsächlich neoliberale propaganda promoten/rechtfertigen und diese führt wie wir ja alle wissen zu einem auseinanderklaffen von Arm-Reich. dort ist doch hopfen und malz verloren.
      4) ich verstehe aber, dass man manchmal verdammt wütend sein kann :-)

      • Liebe Birgit,.
        1.) Ich war auch schon einmal Hausmann (habe keine Erfahrung aber als transvestitische Hausfrau), bin ich deswegen minderwertig?
        Es gibt leider Situationen, wo einer der Partner arbeitet und der andere nicht aus rein ökonomischen Gründen, weil die Kinderbetreuung viel teurer kommt, als das Erwerbseinkommen der einen Person.
        2.) Armutsgefährdung hängt mit sehr vielen Faktoren zusammen, weder mit Bildung noch mit Ausbildung. Das mit Alleinerziehenden stimmt, deswegen setze ich mich in dem Bereich auch sehr ein! Generell sind Frauen viel öfters benachteiligt, aber es gibt auch sehr viele Bereiche wo Männer benachteiligt sind, deswegen bin ich als Pirat postgender. (Im konkreten Fall für die Benachteiligten einsetzen)
        Das ist Benachteiligung:
        http://barbarakaufmann.wordpress.com/2012/12/09/protestmude/
        3.) Wie kommst du darauf, dass ich mich in ÖVP-nahen tageszeitungsforen herumtreibe, ich schreibe nur zu IT-Themen was in allen Tageszeitungen.
        Es sind nicht alle ÖVPler assozial nur etwas so 80%, die 20% sind relevant,
        4.) Danke das ist nett, ich war an dem Tag emotional frustriert, weil ich mich manchmal der Aktivismus überlastet. Danke für deine Nachsicht,

      • Das versuche ich ja, meine Wut entstand heute so: Ich postete in der Tageszeitung die Presse und das echo von ein par ÖVPlern, die sinnvolle Piraten/SPÖ Positionen annahmen freute mich. Dann schrieb der Obermacher dort: „Innen-Stachel“ und ab da waren alle meine weiteren Posts zensuriert, siehe: https://plus.google.com/113324892208183413310/posts/3CRhsbYGasx
        Das mit Zensur in Foren von Tageszeitungen gearbeitet wird, wenn Leute gerade beginnen sinnvoll zu diskutieren, machte mich so wütend. Es unterbindet Kommunikation aus Machtideologie heraus.
        Inzwischen durch leaken habe ich die Kommentarfreigabe erzwungen, aber ich mag nie was erzwingen und es ist mir immer zu wieder.
        Sorry tut leid.

  2. Wenn Du hier eine Erklärung dazu abgibst, kann man Dich besser verstehen…aber wenn Du unkommentiert einfach so wütende Comments ablieferst, kommt das nicht gut und wird auch nicht verstanden…wie schaut Dein Frauenbild der Zukunft aus?

    Abgesehen davon, dass ich den Artikel gut finde (Geschmäcker sind ja verschieden und man kanns nie allen recht machen) – auch wenn er Dir nicht zusagt, immerhin regt er zur Diskussion an…ich finde es wirklich schlimm, wenn das heutige ÖVP-Frauenbild (wird sich in Zukunft auch nicht so krass ändern) dem aus den 60ern ziemlich gleicht…..

  3. auch wenn ich nicht weiss, was die idee hinter dem video war, aber hier meine 2cent: ich habe das leise gefühl, es soll darstellen, wie toll frauen sind, und wie sie neben ihrem eigentlichen beruf (ein wesentlicher unterschied zum hausfrauenguide) alle möglichen dienstleistungen verrichten, die andernorts auch berufsbilder wären. das hinterwäldlerische ist natürlich, dass all diese haus/familienarbeit an der frau hängt, und in der tat wirkt das video nicht als kritik an diesen zuständen. zu fragen wäre, inwiefern dies das bild der övp, und nicht nur ein missglücktes video einer landesfrauengruppe ist, und weiters, inwiefern die fortschritte seit den 50ern in der övp angekommen sind.
    aus meiner sicht herrscht in weiten teilen der partei das bild vor, dass kindererziehung möglichst spät und wenig ausserhalb der familie geschehen soll, was sich in der haltung zu ganztagsschulen und kinderkrippen wiederspiegelt. aus pragmatisch-monetären und traditionell-sexistischen gründen bedeutet dies, dass meist die mutter eine berufskarriere entsprechend zurückstellt/aufgibt, und damit wirtschaftliche unabhängigkeit einbüsst.
    zum artikel: könnte etwas tiefschürfender sein, aber vom thema passt es absolut in den blog

  4. huch! dass ausgerechnet dieser artikel soviel kontroverse auslöst ;) da hab ich ja wirklich schon provokanteres fabriziert ;) egal, zur kritik: @he23, fällt mir schwer darauf einzugehen, weil ich nirgens erkennen kann was genau dich am artikel stört, außer, dass es dich persönlich halt nicht so interessiert… es ist nicht mein anspruch artikel zu schreiben, die alle menschen interessieren und auch nicht die themen meiner artikel nach willkürlichem wichtigkeitsgrad auszuwählen.

    @amy just: ja, ich hab nach veröffentlichung des artikels auch daran gedacht, dass es wahrscheinlich ein verunglückter versuch ist, frauen und ihre tätigkeiten aufzuwerten….trotzdem in so fern verunglückt, da an keiner stelle in frage gestellt wird, dass frauen all diese arbeit bleibt. wie du eh schreibst. tiefschürfender: ich weiß nicht, das ist so brachial transparenter sexismus, dass ich garnicht wüsste, was es da noch zu analysieren gäbe. mir erschien es wert diesen vergleich aufzuziehen, weil es so wunderbar deutlich macht wie wenig sich die kategorien und ihre inhalte in manchen köpfen verändert haben. das hier ist nur noch eine gegenüberstellung. der rest ist so plastisch, laut und eindeutig, da müsste ich mir eine tiefschürfende analyse fast aus den fingern saugen ;)

  5. So, da ich aufgefordert wurde, mein Frauenbild zu beschreiben, tue ich das. Ein Bild im Vorhein zu haben, halte ich für einen großen Fehler. Warum? Wir stellen uns zu oft ein Bild vor, wie was zu sein hat, anstatt dass wir uns auf das Unbekannte und Neue einlassen und es erfahren. Noch schlimmer ist das BeziehungsInteraktionsbild. Wenn mein Wertigkeitsbild vom „richtigen“ gemeinsamen Essen konservativ fixiert ist, dann lasse ich mich dadurch gar nicht auf etwas anderes ein und kann nicht wertfrei das neue andere erforschen.
    Deswegen versuche ich, so oft es mir gelingt, kein zu vorgefestigtes konkretes Bild zu erwarten. Dennoch wäre es gelogen, wenn ich sagte ich hätte kein Frauenbild.

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