5 Gründe, wieso du dir „Bomb Girls“ anschauen solltest

Das neue Jahr ist erst noch ganz jung, und dennoch erfreut es mich schon jetzt gar sehr. Gestern startete in Kanada die zweite Staffel von Bomb Girls! Vor einem knappen halben Jahr hat mich diese kanadische Serie, die erstmals Anfang 2012 über die Bildschirme lief, vollkommen in ihren Bann gezogen. Eigentlich war es als sechsteilige Miniserie geplant; da das Konzept, das Drehbuch, das Setting, die Regie und die wunderbaren Schauspieler_innen aber anscheinend nicht nur mich überzeugt haben, können wir uns nun (ENDLICH!!!) auf die zweite Staffel von „Bomb Girls“ freuen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Bomb Girls spielt in Kanada, Toronto in den 1940er Jahren und somit während des zweiten Weltkrieges. Hauptaugenmerk wird auf fünf verschiedene Frauen gelegt, welche als Bomb Girls in einer Munitionsfabrik am Fließband arbeiten und no na… Bomben herstellen.

Für alle audiovisuell geprägten Menschen gibt es an dieser Stelle den Trailer der ersten Staffel:

Soweit, so gut! Hier fünf Gründe, ohne jeglicher Reihenfolge, wieso es sich wahrhaftig auszahlt „Bomb Girls“ anzuschauen.

  • Gladys Witham:

Gladys ist auf dem ersten Blick das klassische Mädchen aus gutem Hause: gut behütet und gekleidet, wohlerzogen und intellektuell und nicht zu vergessen das einzige Kind ihrer Eltern.
Lebenshungrig ist sie es gewohnt zu bekommen, was sie möchte. Während ihr Vater stets daran arbeitet das Familienunternehmen zu vergrößern, hält sich ihre Mutter an der Etikette und am Alkohol fest. Mit Gladys erkennen die Zuseher_innen, dass obwohl ihr privilegiertes Leben Vorteile hat, es ebenso einengend sein kann. So ist es beispielsweise ihre Aufgabe recht bald zu heiraten, damit ihr Vater endlich einen männlichen Nachkommen für seine Firma hat. Gladys sieht den Krieg als Chance den gesellschaftlichen Erwartungen an sie zu entfliehen und nimmt zunächst einen Bürojob bei Victory Munitions an. Als sie allerdings sieht, was die Frauen in der Fabrik leisten, will auch sie ihre Hände schmutzig machen und Seite an Seite mit den Frauen stehen, die „echte Arbeit“ leisten.

  • Betty:

Ohh Betty – einer meiner Lieblingscharaktere, selbst als ich noch gar nicht wusste, in welche Richtung sich dieser entwickeln würde! Sie floh vor den weiblichen Konventionen und sieht den Krieg als Chance sich selbst zu verwirklichen, fernab von jeglichen Geschlechterstereotypen. Sie möchte sich durch hartes Arbeiten etwas Eigenes schaffen. Betty gehört zu den etablierten Fabriksmitarbeiterinnen und ist für die Einschulung der Neuen zuständig. Auf den ersten Blick wirkt sie sehr rau und unnahbar, aber schon bald wird dem queeren Fernsehauge klar, was sich hinter ihrer Fassade verbirgt.

  • Meg Tilly aka Lorna

Hier muss ich eine kleine Differenzierung vornehmen: Meg Tilly … uff, eine der Schauspielerinnen, die einfach Klasse hat. Golden Globe Gewinnerin, Oscar-Nominierung und das alles für den unglaublichen Film Agnes of God, der leider hierzulande gar nicht so bekannt ist. Vermutlich ist auch eher Meg Tilly’s Schwester Jennifer Tilly bekannt. Und über Jennifer Tilly’s Rolle als Violet im Film Bound der Wachowski Geschwister und deren Bedeutung für die queere Popkultur muss ich ja nun wirklich kein weiteres Wort verlieren!
Meg Tilly spielt in Bomb Girls nun die patriotische Lorna, die mit beiden Beinen im Leben steht und die Brötchenverdienerin in ihrer Familie ist. Ihre zwei Söhne kämpfen im Krieg, ihre Tochter arbeitet als Krankenschwester und träumt von einem Medizinstudium und Lorna’s pazifistischer Ehemann, der aus dem ersten Weltkrieg versehrt zurück gekommen ist, will von alldem gar nichts wissen. Ihr Charakter ist vielschichtig. Während sie einerseits fasziniert ist von den Frauen rund um sie, wie diese an ihre persönlichen Grenzen gehen, lässt sich auch gleichzeitig eine gewisse Eifersucht auf ihrer Unbeschwertheit und die Freude, die diese versprühen, feststellen. Trotzdem ist Lorna entschlossen die Frauen, die unter ihrer Aufsicht stehen, zu beschützen und unterstützen. Bei alledem verfällt sie allerdings selbst auch der italienischen Versuchung, die dem Ganzen auch noch eine weitere politische Komponente verschafft.

  • Frauen Empowerment und keine Angst Sexismen oder sonstige -ismen zu zeigen:

Hier könnte ich jetzt ein elendslanges Pamphlet schreiben, wie toll ich es finde, finally so ein ehrliches und erwachsenes Portrait weiblicher Sexualität und Begierde in einer Serie zu sehen. Demnach ist es fast lächerlich zu erwähnen, dass Bomb Girls den Bechdel-Test natürlich mühelos bestehen würde. Gleich in der ersten Folge wird einem folgende Aussage an den Kopf geworfen „you girls are only filler till the boys are back“ und nur zu gut wird einem die Ambivalenz bewusst, dass trotzdem genau zu dieser Zeit Frauen das erste Mal den Geschmack von wirklicher wirtschaftlicher Freiheit und somit auch Unabhängigkeit kosten durften. In Mitten von Kriegs-Propaganda und sexueller Belästigung durchkreuzen diese Frauen nun soziale und kulturelle Grenzen und formen eine Art Schwesternschaft, die so bis dato nicht denkbar gewesen wäre.

  • Subtext, der keiner ist

Dies ist nun IMHO der schönste und zugleich auch erzähltechnisch spannendste Grund, wieso du dir Bomb Girls anschauen solltest. Die Sache ist nur die, eigentlich darf ich gar nichts dazu schreiben, da sonst zuviel gespoilert wird. Deshalb hier nur zwei Bilder, die für sich selbst sprechen.
Folgendes ist aus der ersten Folge und kann noch recht freundschaftlich im Sinne des Subtextes interpretiert werden:

Das nächste Bild aus der sechsten Folge porträtiert allerdings diesen Handkuss, der vermutlich nicht nur mich an die wunderschöne Fingersmith-Szene erinnert:

Und nun gibt es aber wahrlich keine Ausreden mehr! Viel Spaß beim Schauen!

17 thoughts on “5 Gründe, wieso du dir „Bomb Girls“ anschauen solltest

      • Gute Frage! Und arg, dass mir als Serienjunkie adhoc nichts einfällt. Generell sind zu dem Thema „Frauensolidarität+süße Liebesgeschichte“ wohl alle Filme von Nadine Labaki zu empfehlen (allen voran „Caramel“). Was an aktuellen Serien imho wohl am ehesten noch zum Thema Frauensolidarität passen würde, ist „2 broke girls“. Ist zwar ganz ein anderes Genre und auch ohne Liebesgeschichte (wobei es hier auch einige subtext-Fans gibt), aber auch gut gemacht, wenn du auf comedy-Geschichten stehst.

  1. und ich halte Solidarität für sehr wichtig. Uns Frauen haben sie aus verschiedenen Gründe nicht sehr viel ausgeübt. Hingegen, „das andere Team“ hat sehr brav gelernt wie vorteilhaft ist zusammenzuhalten…

  2. Wow, ich hab jetzt die ersten drei Episoden gesehen und bin total begeistert!! Echt eine tolle Serie, hoffentlich werden noch viele neue Folgen gedreht!!! Danke für den super Tipp!

    • Staffel 1 hat 6 Folgen, Staffel 2 hat 12 – beide sind schon abgedreht. Aber hoffentlich passen die Zuseher_innenzahlen und die Staffel 3 lässt dann nicht all zu lang auf sich warten;-)

  3. Wir haben die Serie erst am Wochenende entdeckt und waren schon nach Folge 1 der 1 Staffel schwerst hingerissen (inzwischen bei Folge 3). Ein sehr genauer Blick auf die Zeit, nicht nur bezüglich der weiblichen Lebenswelten, sondern auch mit Blick auf den Rassismus der damaligen Zeit (sowie der Haltung zu EinwandererInnen). Lornas (Megs) Wandlung in der Auseinandersetzung mit Marco ist bemerkenswert mitzuverfolgen und streift auch aktuelle Themen.
    Auch das mit der Schwesternschaft ist eine spannende Dynamik, die sich auch erst (u.a. durch die beiden Neuen Kate & Gladys) zu verstärken beginnt.

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