Kern*innen Familie

Vor einigen Wochen lief  auf Puls4 eine Diskussionsrunde. Thema war die neue Aufklärungsbroschüre für 6 – 12 Jährige, die von Lehrer*innen im Unterricht verwendet werden KANN! Während dieser Sendung kam es zu mehreren schockierenden Kommentaren aus dem Publikum, die mich sehr aufgewühlt haben.  Sie haben mich dazu veranlasst, einen Beitrag zum Thema „Kern-Familie“ zu schreiben. Vor kurzem habe ich die passende Einleitung dafür gefunden:

Ich war auf Besuch bei einer lieben Freundin und ihrem kleinen N., den ich bereits seit seiner Geburt kenne und liebe! Er ist ein ganz besonderes kleines Wesen, das schon sehr früh  viel Empathie gezeigt hat, der Schlüssel zu  meinem Herzen. Seine Mama, meine liebe Freundin S., war die meiste Zeit  alleinerziehend und berufstätig, ein „Schicksal“, welches sie mit vielen anderen Frauen in diesem Land teilt! Da der Herr Papa, der eigentlich zu einer „Kern-Familie“ gehört, nicht besonders verlässlich war und ich über viel Freizeit verfüge, hatte und habe  ich oft das Vergnügen, dem kleinen N. beim Wachsen zuzusehen! Ich war dabei, als er entdeckt hat, dass Regen Wasser ist, das vom Himmel fällt, ich habe mit ihm in der U-Bahn gesungen, und ihn dazu ermutigt laut zu sein! Ich bin mit ihm bei jeder Blume stehen geblieben und habe jeden Stein getragen, den er mir in die Hand gedrückt hat! Ich habe ihn getröstet, wenn er gefallen ist und bin mit ihm als Räuber durch den Wald, in unserem Schlafzimmer, geschlichen! Ich habe mir sein Vertrauen also verdient, weil ich immer für ihn da war, und er genau weiß, dass sich daran nie etwas ändern wird! Ich möchte hier betonen, dass ich mit meiner lieben Freundin S. nie ein romantisches Verhältnis hatte und nie mit den beiden zusammen gewohnt habe, und trotzdem hat mir dieser kleine N. gestern einmal mehr gezeigt  wie sehr er mich liebt und wie sehr ich ihn liebe.

Wie immer ist er quietschend durch die Wohnung gesprungen, als er mich im Stiegenhaus gehört hat und ist mir dann in die Arme gelaufen. Wie immer hatte er sein T-Shirt verkehrt an, eine Leidenschaft die nahtlos an die „mehrere T-Shirts auf einmal anziehen“-Leidenschaft  gereiht wurde! Wie immer konnte ich nicht anders als herzhaft zu lachen, als dieses kleine Wunder auf mich zugestürmt kam  und wie immer hat er mein Herz im Sturm erobert! Wir haben einen wunderschönen Nachmittag miteinander verbracht und er hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass er mich öfter sehen möchte! Ich bin für ihn nicht irgendeine Freundin seiner Mama S., oder eine Babysitterin, die ab und zu auf ihn aufpasst! Ich bin ein Mensch dem er vertraut und ein Mensch den er liebt und für ihn bin ich Teil seiner Familie, vielleicht sogar ein größerer Teil als sein Herr Papa, der ihm wenig Sicherheit gegeben hat.

In meiner Vergangenheit wurde mir oft bewiesen wie schwach die natürliche Bindung zwischen Eltern und ihren leiblichen Kindern sein kann. Es wurde mir oft verdeutlicht, wie wenig Bezug viele Menschen zu ihrer „Kern-Familie“ haben. Manche  Menschen kennen ihre leiblichen Eltern nicht und glauben ein Leben lang einen Teil in sich zu vermissen. Wenn sie dann doch die Möglichkeit bekommen, diesen „fehlenden Teil“ kennen zu lernen, endet es oft in einer großen Enttäuschung, weil die natürliche Bindung, von der die ganze Welt spricht, einfach nicht vorhanden ist. Dieses Phänomen ist leicht zu erklären: Wie soll mensch Vertrauen in einen anderen  Menschen haben, der nie da war? Wie soll mensch, all die Ereignisse nachholen, die verpasst wurden? Das „an Blumen riechen“ und das „bei Liebeskummer trösten“?

Natürlich gibt es auch unzählige „Kern-Familien“ in denen alle Beteiligten glücklich miteinander leben und ich möchte diese Art der Familienform in keiner Weise schlecht machen oder diskreditieren! Aber es ist mir wichtig zu verdeutlichen, dass es dabei  nicht um biologische Aspekte geht, sondern um Liebe, Vertrauen und Unterstützung!

Wenn meine Frau und ich uns in ein paar Jahren dazu entschließen selbst Kinder zu bekommen, hoffe ich natürlich, dass es einen Mann geben wird, der gerne Papa werden würde und dieses Glück mit uns teilen möchte. Aber ich weiß genau, dass unser Kind unendlich glücklich sein wird, auch wenn die vollständige „Kern-Familie“  eventuell nicht greifbar ist…

Unser Kind wird einen Menschen K. haben, der ihm die Liebe zu Büchern näher bringen und mit ihm die größten Abenteuer erleben wird! Es wird einen Menschen C. geben, der ihm beibringt stark zu sein und Schwäche zu zeigen!  Es wird einen Menschen T. geben, der allerhand Drachen besiegen wird und unserem Kind zeigt, wie man die Welt nicht allzu ernst nimmt! Es wird einen Menschen S. geben, der für alle philosophischen Fragen bereit stehen wird! Es wird die Menschen K. und  P. geben, die spätestens bei seiner Geburt spüren werden, wie wunderbar Kinder sein können! Es wird einen Menschen A. geben, der immer was zum Naschen zu Hause hat und lustige Streiche kennt! Es wird die Menschen W. und M. geben, die für den grünen Daumen und das handwerkliche Geschick zuständig sein werden! Und all diese Menschen werden unser Kind lieben und für unser Kind da sein, ganz egal wie viel DNS sie teilen!

Ich hoffe  darauf, dass alle Regenbogenkinder,  in naher Zukunft,  die rechtliche Absicherung genießen, die ihnen zusteht!

Denn Fakt ist: Es gibt einige von ihnen und ich hoffe, dass es noch um einige mehr werden!

Zelebriert eure Queer(e Ident)ität

One thought on “Kern*innen Familie

  1. du wirst sicher ein sehr guter Teil der „Kern-Familie“ sein! Ich denke auch wie du dass DNS nicht so wichtig ist und alle Kinder gute Menschen-Beispiele werden können wenn sie die geeignete Erziehung und Liebe bekommen. Und ich mag Kinder und ich möchte mit einem Paar von ihnen meine Energie, Kenntnisse und Lebensfreude teile aber nur wenn der richtige Moment kommt, sicher nicht früher. Es gibt viele Beispiele in denen eine Mutter ein Kind zum Leben gebracht hat nicht weil sie vorbereitet war sondern weil für sie viel. zu spät sein könnte um ein Kind zu bekommen…das finde ich falsch… und können einige von diesen Kleinen das ganze Leben lang Schaden spüren nur weil die „Kern-Familie“ unzuverlässig, nachlässig, nicht vorbereitet, zu kindisch waren oder nicht echte Lebensbedingungen hatten… Wichtiger ist das von dir erzogene Kind im Leben nicht wegen dir zu leiden und deine Last nicht zu tragen, als DNS…

...und was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s