feministische Pop-Hymnen: eine persönliche Retrospektive

Der Internationale Frauen*tag als punktuelles Ereignis ist ja schön und gut. Aber so schnell der Tag da ist, ist er auch schon wieder vorbei. Was bleibt, ist die Frage, wie man sich diese schönen Energien auch den Rest des Jahres beibehalten kann. Mir hilft da immer Musik, denn Musik ist ja bekanntlich der Schlüssel zu Vielem. Dennoch liegt es mir fern euch nun ein Best of Riot Grrrls Songs oder ähnliches zu servieren. Stattdessen folgt hier nun meine ganz persönliche, vollkommen subjektive nach Erscheinungsjahr geordnete Top 10 Auflistung meiner liebsten Pop-Lieder, die ich schon als kleines Mädchen gehört habe, welche mir stets vermittelten „Es ist gut ein Mädchen zu sein!“, „Screw you!“ und „Es passt schon so, wie ich bin!“.

  • Madonna – Express Yourself 1989

Über Madonna’s Bedeutung für die Frauen* der 80er Jahre und danach zu schreiben, erscheint mir überholt. Vielleicht nur so viel: Sie war schon immer für mich der Inbegriff des Feminismus, schon lange bevor ich überhaupt das Wort „Feminismus“ gekannt habe.

„Long stem roses are the way to your heart, But he needs to start with your head Satin sheets are very romantic, What happens when you’re not in bed
You deserve the best in life, So if the time isn’t right then move on
Second best is never enough, You’ll do much better baby on your own“


  • Salt ’n‘ Pepa – None of your business 1993

Das amerikanische Hip-Hop Trio ist wohl vor allem durch die Lieder „Let’s talk about sex“ and „Whatta Man“ bekannt. Und schon diese strotzen vor Selbstbewusstsein. Kein Wunder also, wenn mir hier die Wahl etwas schwer fiel, welches ihrer Lieder ich in die Auflistung aufnehmen sollte. Schlussendlich wurde es „None of your business“ auf Grund des wunderbaren Textes.

„How many rules am I to break before you understand, That your double-standards don’t mean shit to me? I know exactly what you say when I turn and walk away. But that’s OK cause I don’t let it get it to me. Now every move I make somebody’s clockin‘. Don’t ask me nothin‘, will you just leave me alone? Never mind who’s the guy that I took home…to bone“


  • Luci Lectric – Weil ich ein Mädchen bin 1994

Ohh Luci!! Die CD „Weil ich ein Mädchen bin“ war die erste CD, welche ich mir je kaufte. Die Lieder konnte ich schon damals alle auswendig, und als ich die Texte dann irgendwann auch in ihrer voller Tragweite verstand, war ich begeisterter denn je.


  • Alanis Morissette – Hand in my pocket 1995

Über Alanis wurde hier im Blog schon so viel geschrieben, deswegen an dieser Stelle nur ein kleiner Textauszug:

„What it all comes down to Is that everything’s gonna be fine fine fine
‚cause I’ve got one hand in my pocket And the other one is giving a high five“


  • Spice Girls – Wannabe 1996

Die Spice Girls raubten nicht nur meinen Eltern, sondern auch meiner näheren Umgebung wohl den letzten Nerv. Das Album „Spice“ lief zu jeder Tageszeit rauf und runter, ich sang lautstark mit, und natürlich waren die Spice Girls auch mein allererstes Live-Konzert in der Stadthalle, mit meiner Mutter und tausenden anderen jungen Mädchen. Das Video zur Single ist das anarchistischste, was ich damals kannte und ich gestehe, wenn ich mir Spiceworld – the movie noch heute anschaue, freue ich mich immer noch, wie das kleine Mädchen von damals, über die Witze und Anspielungen.


  • Bebe – Ella 2004

Bebe’s Musik habe ich während meiner Zeit in Spanien kennengelernt. Und ich war sofort verzaubert. Die rauchige Stimme, die ernsten Texte mit wunderschönem Inhalt. Auch in „Ella“ („sie“) erzählt Bebe vom Weg einer Frau.

„Hoy le gusta su sonrisa, no se siente una extraña, hoy sueña lo que quiere, sin preocuparse por nada, hoy es una mujer que se da cuenta de su alma.“ – „Heute gefällt ihr ihr Lächeln, sie fühlt sich nicht wie eine Fremde. Heute träumt sie von dem, was sie möchte, ohne sich um Irgendwas Sorgen zu machen. Heute ist sie genau die Frau, die mit ihrer Seele übereinstimmt.“


  • Grossstadtgeflüster – ich muß gar nichts 2006

Berliner Schnauze trifft Elektropop. Was soll ich hier dazu schreiben außer: ICH MUSS GAR NICHTS!!

  • Amanda Palmer – Map of Tasmania 2010

Amanda Fucking Palmer – ich kenne niemanden, der diese Frau nicht liebt, egal ob männlich, weiblich, trans, straight, queer, a oder whatsoever.
Und eine Hymne auf die weibliche Schambehaarung war sowieso schon längst überfällig.

  • Glee – run the world (Beyonce Cover) 2011

Als Glee-Fan hab ich mich ja hier schon mehr als nur einmal geoutet. Aber dieses Mal hab ich mich ganz bewusst gegen Beyonce und für die Glee-Fassung des Liedes entschieden, da mich der Handlungsrahmen des Liedes irrsinnig an meine Schulzeit erinnert hat. Brittany (ihr erinnert euch vielleicht an die „bisexual fluid unicorn Cheerleaderin“) kandidiert als Schulsprecherin, da die Jungs, ähnlich wie in der Weltpolitik, bisher auf diesem Posten nur ihrer Macht gefrönt haben, anstatt wirklich etwas zu verändern. Als Wahlwerbung stellt sie nun also die Frage „Who run the world?“ und natürlich kommt es dann ganz automatisch über die Lippen: „Girls!“

  • Sookee D.R.A.G 2011

Sookee greift hier auf das bekannte RuPaul Zitat zurück: „You’re born naked and the rest is drag“. Transportiert wird hier ganz klar: Wichtig ist, du fühlst dich wohl!

ich kann tragen was ich will, ich kann fragen was ich will, ich kann sagen was ich will, ich bin meine kultur knall die schubladen zu!



Tja, und nun bleibt nur noch eine Frage offen, welches Lied war/ist dein ganz persönliches „Girl Power“-Lied?

8 thoughts on “feministische Pop-Hymnen: eine persönliche Retrospektive

  1. da sind ja ein paar tolle songs dabei!

    nur eines stößt mir auf: luci lectric. das ist so voll mit heteronormativen und sexistischen kram, dass ich es nicht unter feministisch abfeieren würde…

    liebe grüße,
    magda

    • Ich bin deiner Meinung. „Weil ich ein Mädchen“ bin vor kurzem seit langer Zeit mal wieder gehört und hab mir beim Text des öfteren gedacht WTF?

      Die restlichen Songs finde ich 1A, und weil Alanis eh schon vorkam, kommentiere ich nicht noch einen weiteren Alanis Song, sondern sage „Bitch“ von Meredith Brooks :)

      • auch in persönlichen Gesprächen stoßen sich die meisten Leute bei meiner Auswahl an LuciLectric an – ich frag mich jedesmal, wieso. Natürlich ist es heteronormativ – ist sie doch heterosexuell?! Aber was ist sexistischer (als bei anderen Liedern) daran, wenn sie beschließt, dass ihr der „süße Typ mit dem wundervollen Hintern“ gefällt, und dass sie ihn sich durch ihre Masche so angelt. Auch wenn sie ihn den ersten Schritt machen lässt, ist die Definitionsmacht dennoch stets bei ihr – und dass ist imho eine der Definitionsebenen von feministisch, oder?! ;-)

        Wesentlich spannender finde ich, dass niemand was an Sookee’s Drag und den darin produziertem Lookism auszusetzen hat!

        und ad „Bitch“: ganz großartig, wie konnte ich nur dieses Lied vergessen!!

  2. @ zimtschnecke,

    wie bitte? ist deine antwort ernst gemeint?

    ich zitiere gerne mal direkt aus dem songtext:

    “und ich lache ihm zu, oh prima
    den nehme ich nach hause mit
    und dann lehn ich mich zurück
    und lass dem mann den ersten schritt”

    ich habe lange genug hetero gelebt, um das auch aus einer hetero-perspektive kritikwürdig zu finden. an diesem song ist so viel zu kritisieren, dass mir echt die spucke wegbleibt, dass du das als feministisch labelst.

    noch ein zitat:

    “und der hintern kauft mir wunderschöne sachen
    und dann lädt er mich zum essen ein
    klar lass ich mich auch ganz ohne kohle küssen,
    doch wenn der meint das muss so sein
    sag ich nicht nein”

    sorry, bitte verkaufe mir diese zeilen nicht, als wären sie im luftleeren raum entstanden. das lied quillt über vor heteronormativität, sexismus, rollenerwartungen, androzentrismus…

    ich fände es schön, wenn dies auf einem _queer!feministischen!_ blog auch kritischer betrachtet wird.

    ps: im übrigen ist es insbesondere deine aufgabe als autorin eines solchen textes, lookismus, sexismus, heteronormativität etc. anzusprechen und meine kritik nicht wegzuwischen mit dem verweis: „spannender ist doch, dass du den lookismus nicht gesehen hast.“

    • Das Schöne am Feminismus ist doch, dass auch hier die Definitionsmenge von Mensch zu Mensch verschieden ist. Natürlich geht es in erster Linie darum, dass Feminismus ein Bekenntnis zur politischen, ökonomischen und sozialen Gleichheit der Geschlechter* ist. Und nach wie vor, auch wenn immer mehr Leute mir ziemlich interessanten Input (ich gestehe: an welchen ich nie gedacht hätte) dieses Lied betreffend bringen, bleib ich dabei, dass dieses Lied für mich damals supertoll und eben auch feministisch war, weil die Hauptperson einfach das gemacht hat, wonach ihr der Sinn stand – und wie gesagt: dies ist eine der vielen Definitionsmengen des Feminismus für mich.

      Eine weitere tolle Sache an unserem _queer!feministischen!_ blog ist auch, dass wir uns gemäß unserer Philosophie erlauben Bestandaufnahmen unserer eigenen (und somit nicht unbedingt subjektiven) Meinung kundzutun und ich schätze, dass ich mit der Beifügung im Titel „eine persönliche Retrospektive“ klar gemacht habe, dass es hier um meine ganz persönliche Bestandaufnahme geht, und zB durch schokomuffins Kommentare auch klargemacht wurde, dass auch intern nicht alle meiner Meinung sind bzw deinen Kritikpunkt mit aufgreifen.

      Danke übrigens für deine „Wegwischkritik“ – ist mir nämlich gar bewusst aufgefallen.

  3. Pingback: Queer Cinema: die Top 10 der letzten zwei Jahrzehnte | sugarbox

  4. Hey, coole Sammlung. <3

    Ne, LuciLetric finde ich jetzt auch nicht so prickelnd, Gründe wurden genannt und verstehste ja auch ;).

    Ich finde aber es auf der anderen Seite aber auch bemrkenswert, dass dir irgendwelche vermeintlichen Elite-Kommentatorinnen meinen vorschreiben zu dürfen (können), was du in deiner Positiion als Artikelschreibende hier zu tu hast. Hallo?!?!

    Hey Magda, wie wärs mal mit den bisschen Intersektionalität bei euch? (Ach so, zur Erklärung, es gibt auch Klassismus, Ableismus, Adultismus, Ageismus und so.)

  5. Pingback: Zuckerstreusel: Dein liebster (Pride) Power Song | sugarbox

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