Queer Cinema: die Top 10 der letzten zwei Jahrzehnte

Es schneit, und das ist schön. Weil ich den Winter mag. Und weil Kälte ein guter Grund für Filmabende ist. Dachte ich mir also, nach den Top 10 der feministischen Pophymnen, Schokomuffins liebsten Webcomics und Wiens besten Date-Locations ist es Zeit für ein Best of Queer Cinema, das uns durch die letzten kalten Tage begleitet. Hier meine persönliche queere Lieblingsfilmliste. Wie sieht eure aus?

1. Angels in America (2003, USA),

eine Tony-Kushner-Verfilmung, ist einer der besten Filme (bzw. HBO-Mini-Serien), die ich überhaupt je gesehen habe: brilliante Dialoge und magischer Realismus vorm Hintergrund der Reagan-Ära und der Aids Debatte. Al Pacino. Maryl Streep. Überlänge. Was will mensch mehr?

„Respect the delicate ecology of your delusions.“

2. Joe & Belle (2011, Israel)

hab ich erst kürzlich und dann vor lauter Begeisterung gleich zweimal hintereinander gesehen: schwarzhumorige Handlung, ein wunderschöner Sountrack und ein politischer Hintergrund, der nie direkt kommentiert wird, aber immer präsent ist. Während es in Sderot (Südisrael) Bomben regnet, findet Drogendealerin Joe in Tel Aviv eine Fremde in ihrer Badewanne …

3. Better than Chocolate (1999, Kanada)

ist ein Feel-Good-Movie mit einer Body-Painting-Szene, die zum Nachmachen einlädt, und der Namensgeber meines Autos Karyn. Kann mensch diesen Film zu oft gesehen haben? Nein, kann mensch nicht.

4. Spider Lilies (2007, Taiwan)

Anders als andre Filme. Langsam erzählt, doch nie zu langsam, spielt Spider Lilies in einer fremden Welt, und dann auch wieder nicht, taucht ein in dunkle Vergangenheiten, in die Tattoo-Kunst, die Web-Kamera-Prostitution, um uns dann wieder in die Gegenwart zurückzuholen.

(Der Film ist viel besser als dieser Trailer.)

5. Fresa y Chocolate (Strawberry and Chocolate; 1994, Kuba)

Ein Porträt des kommunistischen Kuba, Politik, Mut, Freundschaft, Kunst und Erdbeereis. Zum ersten Mal hab ich diesen Film während meinem Auslandsjahr in Wellesley gesehen, als ein exilkubanischer Professor und leidenschaftlicher Kubakritier einen Film- und Kuba-Diskussionsabend organisiert hat. Und seither immer wieder; immer dann, wenn ich die spanische Sprache zu hören vermisse oder mich in die USA zurücksehne. Und er ist auch dann sehenswert, wenn mensch nicht in den USA war oder Spanisch nicht vermisst.

6. My Summer of Love (2004, England)

Packend, abgründig und yorkshireenglisch. Vielleicht Teil meiner DVD-Sammlung, weil ich zu der Zeit, als ich ihn gesehen habe, selbst gerade unglücklich verliebt war? Ein Film für Pessimist*innen, aber nicht nur.

7. The Dreamers (2003, Frankreich)

Eine Liebeserklärung an Paris und das Kino, die Geschichte der seltsam in den Hintergrund tretenden 68-er Revolution und einer Ménage à trois. Immer wieder sehenswert, packend, schön und kontrovers.

8. Saving Face (2004, USA)

Chinesisch-amerikanische Kultur, familiäre Erwartungshaltungen und Entscheidungen für’s eigene Leben. Humor, sympathische und glaubwürdige Charaktere, Tiefgang (doch nicht zu tief), Happy End!

9. High Art (1998, USA)

Ein Film über Fotografie, Drogen, Lebensentwürfe und Verführungen, mit einer großartig spielenden Patricia Clarkson. Intensiv, leise, eindringlich und nichts für schwache Nerven.

10. Love and Other Disasters (2006, England)

schafft es wohl nur deshalb in meine Liste, weil ich ihn mit einem guten Freund an einem ebenso kalten Abend wie dem heutigen gesehen habe, kirschteetrinkend auf der gemütlichsten Couch der Welt. Verwirrungen und Verwechslungen, lustig und nach dem Rom-Com-Grundrezept, bis am Ende alle glücklich und zufrieden noch heute leben, wenn sie nicht gestorben sind.

PS: Nach nochmaligem Durchsehen meiner Filmliste finde ich sie dann doch fast zu lesbisch-schwul, fast schon heteronormativ. Darum hier noch einen 11. Film außer Konkurrenz, der zwar nicht zu meinen 10 liebsten zählt, aber doch kurz dahinter kommt und eine wunder-traurig-schöne, Don-Partridge-betitelte Coming-of-Age-Geschichte erzählt:

11. Breakfast on Pluto (2005, USA)

6 thoughts on “Queer Cinema: die Top 10 der letzten zwei Jahrzehnte

  1. Schöne Auswahl! Breakfast on Pluto fand ich auch gut, und My Summer of Love ist ein herrlicher Film, der darf auf soner Liste auch keineswegs fehlen =)

    Soldier’s Girl müßte auf meine Liste. Wohl auch Velvet Goldmine. XXY ist auch gur.

  2. Pingback: Bedingungsloses Grundeinkommen, Treue und Grrrl Spirit « Reality Rags

  3. ich liebe the dreamers!!! die Bananen-Szene ist für mich an Erotik fast nicht mehr zu übertreffen, oder die Szene in der Badewanne oder Eva Green als Venus de Milo :-)
    Was auch ein fantastischer Film ist: „El niño pez“ – sehr empfehlenswert!!

  4. danke für die neuen anregungen!! da ist einiges dabei, das ich noch nicht kenne…mir fallen spontan noch „fucking amal“ und „mein leben in rosarot“ ein

...und was sagst du dazu?

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