FFU13 Teil 1: Porno, Klitoris und Prostitution

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Da wir leider am Donnerstag noch nicht anreisen konnten, begab es sich, dass sich drei noch sehr müde Mitglieder der Sugarbox Freitag in aller Früh auf dem Weg zur Frauen*FrühlingsUni auf der Burg Schlaining im Burgenland befanden, um auf jeden Fall den ersten Vortrag des Tages – „Porno zwischen Kunst, Sex und Revolution: Eine Einführung in die feministische Pornographie“ – von Miriam Kollmann zu erwischen. Was uns auch gelang – mit nur 15 Minuten Verspätung fanden wir uns im Seminarraum ein und lauschten aufmerksam den Ausführungen zu feministischer Pornographie ergänzt mit einigen Filmausschnitten.

Nach einer Einführung in die verschiedenen feministischen Positionen zu diesem Thema, die von totaler Ablehnung von Pornos (radikalfeministische Position) zu einer positiven aber sehr kritischen Einstellung reichen (beispielsweise Beatriz Preciados „Kontrasexuelles Manifest“ oder der feministische „PorYes“ Filmpreis) wurden die Zuhörerinnen eingeladen, ihre eigenen Vorstellungen eines feministischen Pornos zu definieren. Neben dem Wunsch nach qualitativ hochwertigeren Produktionen (die wichtige Rolle von gutem Licht und passender Musik wurde besonders betont) wurde vor allem mehr Vielfalt in jeder Hinsicht (Körpertypen, Geschlechterrollen und -identitäten) sowie eine stärkere Einbindung von Frauen in den Produktionsbereich gefordert (zum Beispiel als Kamerafrauen und Autorinnen). Kurzum: Pornos sollen ansprechender produziert sein, mehr Frauen in starken Positionen präsentieren (sowohl vor als auch hinter der Kamera) und dabei auch aus den altbekannten dichotomen Kategorien ausbrechen. Als Filmbeispiele gab es unter anderem Ausschnitte aus „Fruitcake“ aus den Dirty Diaries von Mia Engberg, „Life – Love – Lust“ von Erika Lust und „One Night Stand“ von Émilie Jouvet zu sehen.

Nach diesem sehr anregenden Vormittag gab es beim Mittagessen die Gelegenheit, die anderen Teilnehmerinnen etwas näher kennenzulernen, bevor es am Nachmittag mit dem Vortrag „Lob der Klitoris“ von Leni Kastl weiterging. Den Anfang machte hier eine sehr spannende Einführung in die biologischen Aspekte dieses Themas, die so zu sehen ich bisher noch nicht die Freude gehabt hatte. Darstellungen der weiblichen Geschlechtsorgane in Schulbüchern und bei Gynäkolog*innen konzentrieren sich fast ausschließlich auf die fortpflanzungsrelevanten Aspekte und lassen dabei einiges außer Acht. Bei diesem Vortrag bekam ich nun als willkommene Abwechslung eine detaillierte Darstellung der Klitoris zu sehen und erfuhr außerdem, dass eine Gebärmutter in normalem Zustand nicht annähernd so groß ist wie auf Grafiken gerne suggeriert wird. Bald mündete der Vortrag in eine angeregte Diskussion, in der ganz besonders die Notwendigkeit eines moderneren Sexualunterrichts sowie die Relevanz der Worte und Bezeichnungen betont wurde.

Dass Kinder in der Schule über Sex fast nur in Hinblick auf Fortpflanzung und Geschlechtskrankheiten lernen ist nicht nur realitätsfern (wie oft hat mensch denn Sex um Kinder zu bekommen?) sondern auch schädlich. Wichtig wäre, hier auch den Freude-Aspekt einzubinden und zu lehren, was mensch wie am besten tut, um möglichst viel Genuß an der ganzen Sache zu haben. Dann wäre es auch nicht notwendig, auf Pornos als zweifelhafte Informationsquelle zurückzugreifen und erst recht wieder völlig unrealistische Vorstellungen von Sex zu bekommen. Und dann ist da auch noch die Sache mit den Namen. „Buben haben einen Penis, Mädchen eine Scheide“ wird einem in der Schule oft gesagt. Aber leider fokussiert dies erst wieder nur auf jenen Teil, der für die Fortpflanzung zuständig ist und ignoriert völlig die fantastische nur-für-Genuß-gemachte Klitoris, und legt zweitens die Definition als „Ding wo etwas reingesteckt werden soll“ sehr begrenzt fest (auch das Wort Vagina hat übrigens diese Bedeutung). „Vulva“ und „Yoni“ erfreuten sich in der Vortragsgruppe großer Beliebtheit und können meiner Meinung nach nicht schnell genug Berühmtheit erlangen.

Nach diesem Vortrag besuchte ich die Open-Space Session, die sich bald in eine weitere Diskussion über feministische Pornographie entwickelte, bevor ein wohlverdientes Abendessen serviert wurde.

Als letzten Vortrag des Tages besuchte ich im Anschluß „Was ist Prostitition?“ von Almuth Waldenberger. Hatte ich davor schon einen recht differenzierten Blick auf dieses Thema, so wurde dieser durch diesen hervorragenden Vortrag nochmals weiter geschärft. Neben der Problematik, Prostitution eindeutig zu definieren, wurden auch viele andere relevante Aspekte angeschnitten, etwa der Rolle von Prostitution innerhalb des globalen ökonomischen Systems sowie der regulierenden Funktion, die Prostitution auf das Verhalten von Frauen ausübt, denn: Während „Freier“ nicht nur weniger schambehaftet ist als „Hure“, ist Ersteres auch keine bleibende Identität. Eine Hure ist frau allerdings für immer und funktioniert somit als kontrollierende Abschreckung für „anständige Frauen“, um nur ja nicht in irgendeiner Weise in den Verdacht der Unanständigkeit zu geraten. Auch in diesem Vortrag entsponn sich bald eine rege Diskussion über die Definition und den moralischen und legalen Status von Prostitution, deren Fazit vor allem die Erkenntnis war, wie schwer hier absolute Antworten zu finden sind.

Mental angenehm erschöpft von diesem sehr informativen und anregenden Programm genehmigte ich mir noch ein kleines Bier, bevor mich eine Welle der Müdigkeit überrollte und ich mich für meinen wohlverdienten Schlaf zu Bett begab. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich auf der FFU13 bereits pudelwohl und freute mich auf einen weiteren Tag voll spannender Vorträge und interessanter Diskussionen mit großartigen, lieben und reflektierten Menschen.

2 thoughts on “FFU13 Teil 1: Porno, Klitoris und Prostitution

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