Guy Code: Geschlechterstereotypen im TV

Auf VIVA läuft momentan eine Serie namens “Guy Code”, die sich offensichtlich als Ratgeber für die traditionelle Rollenverteilung versteht. Hier erklären sowohl Männer als auch Frauen, wie unterschiedlich aus der Sicht von “Guy Code” die Geschlechter sind, wie unterschiedlich sie sich verhalten, und wie sich so ein “echter Mann” (Zitat aus “Guy Code”) zu verhalten hat. Gleich nach der Einleitung war klar, dass in dieser Serie mit einem Feuerwerk an Stereotypen zu rechnen ist, deshalb habe ich einige Aussagen hier gesammelt, und meine Kommentare dazu gegeben.

Das erste Thema waren Emotionen. Dazu hatte “Guy Code” diese Tipps zu geben:

Über “männliches” Karaoke-Singen: „nichts zu Emotionales” und über das Zeigen von Gefühlen: “Wenn du ein Mädchen kennen lernst, solltest du die ersten drei Monate mal nicht weinen.”
Laut “Guy Code” sollte der “echte Mann” also lernen, Gefühle möglichst jederzeit unterdrücken zu können. Wenn Männer so erzogen werden, müssen wir uns dann wirklich noch wundern, warum beispielsweise die Statistik für Gewaltverbrechen von Männern angeführt wird?

Das “männliche” Facebook-Profil: “10 Bilder. Keine Gedanken, keine Gefühle.”
Da frage ich mich: Wofür überhaupt ein Facebook-Profil, wenn es nicht informativer ist als ein Namensschild an der Tür?

Ein weiteres Thema war “männliches Trinken”:
Trinken wie ein Mann heisst nicht trinken wie ein Erwachsener, sondern nicht trinken wie eine Frau”
Nichts nachtrinken – wenn ein Mädchen fragt, ob du Wasser nachtrinken willst, sagst du: Nein, ich brauch‘ keine Stützräder”
Nichts wo ein I drinnen vorkommt (Martini,…)”
Keine Cocktailkirschen in einem Männerdrink”
Diese Tipps lassen schon erahnen, wie willkürlich und anerzogen die Unterschiede zwischen Geschlechtern sind, wenn das “männliche Trinken” darin bestehen soll, einfach absichtlich anders zu saufen als Frauen.
Der Rest erinnert mich an die peinlichen Versuche pubertierender Kinder, durch Saufwettbewerbe cool und erwachsen zu wirken.

Weiter geht’s mit folgender “Guy Code”-Badewannen-Regel:
Ein Mann darf nur in eine Wanne steigen wenn dort eine Frau auf ihn wartet”
Die Logik hinter dieser Regel erschliesst sich wohl nur denen, die vorher saufen waren.

Bei der Thematisierung der “Friendzone” fällt mir zunächst auf, dass in “Guy Code” grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass Männer nur deshalb in der “Friendzone” landen könnten, wenn sie etwas falsch machen. Dass es vielleicht vorkommt, dass sexuelle Anziehung und romantisches Interesse nicht gegenseitig sondern nur einseitig vorhanden sind, kommt der “Guy Code” Crew anscheinend gar nicht erst in den Sinn. Schließlich gleitet das ganze Thema noch in eine Richtung ab, wo normalerweise rote Lichter vor der Haustür hängen, mit folgendem “Guy Code”-Statement:
…du gibst ihr alles gratis, warum sollte sie noch mit dir ficken?”
Mal angenommen, dass wir nicht von einer Prostituierten sprechen: Vielleicht, weil sie es nicht als Teil gegenseitiger Transaktionen sieht, sondern einfach will?

Was jetzt natürlich zur Abrundung sämtlicher Klischees nicht fehlen darf, ist das Thema Auto. Immerhin findet sich hier die einzige Aussage in ganzen zwei Folgen “Guy Code”, der ich zustimmen kann:
Wenn es so aussieht, als würdest du mit einem riesigen Radiowecker herumfahren, ist das einfach nur Scheisse”
Ja, stimmt, oder besser gesagt, wenn es nicht so aussieht, sondern sich so anhört. Auf diese Art und Weise cool sein zu wollen ist aber ganz geschlechtsneutral peinlich.

Doch kaum freue ich mich über das erste halbwegs brauchbare Statement, fällt “Guy Code” wieder in das alte Schema zurück:
Wenn dein Auto liegen bleibt, tu wenigstens so als könntest du es reparieren, auch wenn du keine Ahnung hast”
An dieser Stelle habe ich abschliessend einen Tipp für alle “Guy Code”-Geschädigten und die “Guy Code” Crew: Wenn du keine Ahnung hast, dann verlier nicht unnötig Zeit, sondern gib es einfach zu. Wenn du Glück hast, hält deine Beifahrerin von stereotypen Rollenbildern genauso wenig wie wir und hat deine Karre in 5 Minuten repariert.

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