Review: Pacific Rim (Achtung Spoilers!)

Seit Tagen schon sind mein Twitter und Tumblr Feed eine einzige Lobeshymne auf den letzte Woche angelaufenen Film Pacific Rim. Den einen oder anderen von euch sind vielleicht die Poster aufgefallen, die derzeit überall zu sehen sind – riesige Roboter sind darauf abgebildet. Sci-Fi Autor William Gibson und Comiczeichnerin und Hawkeye-Initiative-Erfinderin Noelle Stevenson kriegen sich vor Begeisterung kaum mehr ein, also wollte ich nichts mehr als den Film auch endlich zu sehen und ihm ebenfalls komplett zu verfallen. Der Trailer sah ja visuell sehr vielversprechend aus, und immerhin ist der Film von Guilllermo del Toro, dem wir den absolut fantastischen Film Pan’s Labyrinth zu verdanken haben. Ein Actionfilm „der anderen Art“ sollte es angeblich sein, mit ungewöhnlicher Story und progressiver feministischer Position. Meine Erwartungen waren also wirklich sehr sehr hoch…

…und wurden maßlos enttäuscht. Ich wüßte wirklich gerne, was es ist, das all diese Menschen in maßlose Begeisterung versetzt hat, denn irgendwie dürfte ich es verpasst haben. Mein Eindruck von Pacific Rim war folgendermaßen:

Zunächst mal die positiven Dinge, denn ja, die gab es auch.

  • Pacific Rim war einer der wenigen Filme, wo mir 3D mal nicht auf die Nerven ging sondern ich es tatsächlich genossen habe. Ich stehe an sich nicht so auf 3D, 2D genügt mir allemal, aber entweder wird die 3D-Technologie besser (sehr wahrscheinlich) oder sie bekommen es bei manchen Filmen einfach besser hin. Jedenfalls: Kein Kopfweh, kein unklares Bild, sondern 3D das wirklich schön anzuschauen ist. Eine positive Überraschung.
  • Überhaupt war der Film rein von der Optik her ein Vergnügen. Die Kämpfe zwischen den Jaeger und Kaiju gingen voll rein und obwohl sich gegen Ende dann diesbezüglich bei mir doch etwas Übersättigung einstellte, war es mir die meiste Zeit ein großes Vergnügen, den Aliens und Robotern beim gegenseitigen in-die-Fresse-hauen und Städte zerstören zuzusehen.
  • Die Musik. War einfach gut.
  • Das Konzept des „neural handshake“. Dass die Jaeger-Piloten vollständig ihre Gedanken und Erinnerungen, ihr gesamtes mentales Selbst miteinander verschmelzen lassen müssen, finde ich eine wunderschöne Idee. Es entsteht dadurch eine unvergleichlich tiefe Bindung, die weit über die beste Freundschaft hinausgeht, und ich finde das einfach wahnsinnig berührend.

So, und jetzt zu den meiner Meinung nach extrem enttäuschenden Punkten.

  • Der Film versagt in Bezug auf den Bechdel-Test, und zwar sowas von. Im gesamten Film kommen exakt zwei weibliche Figuren vor, und zwar Mako Mori und die weibliche Hälfte des russischen Teams, welche genau einen Satz sagt. Alle anderen halbwegs wichtigen Figuren sind Männer. Das komplette Team um Pentecost herum sind Männer, die Techniker sind Männer, die Wissenschaftler sind Männer. Wie kann es sein, dass bei der Produktion des Films niemandem mal der Gedanke kam „hey, in diesem Film kommen extrem wenig weibliche Figuren vor, das sollten wir ändern“. Wie gibt’s das?!?!
  • Ach ja, Mako Mori und Pentecost. Ich hab das „Frau sucht Bestätigung einer Vaterfigur“ Thema schon so satt. Wie wär’s zur Abwechslung mal mit einem jüngeren Mann der eine ältere Frau als Mentorin hat, und verzweifelt deren Anerkennung sucht? Ein geradezu revolutionärer Gedanke.
  • Überhaupt ist Mako Mori sehr auf die Männer um sie herum angewiesen. Okay, in Kampfkunst ist sie super. Aber sie gefährdet durch ihr Flashback die Mission und braucht ständig Raleighs Hilfe. Als einer der anderen Piloten sie beleidigt, fühlt sich Raleigh nach edler-Ritter-Manier dazu berufen, diesen zu verprügeln und anzuschreien, dass er sich bei ihr entschuldigen soll. Laaaaangweilig. Und natürlich rettet Raleigh am Ende erst Mako und dann die ganze Welt. Kann nicht mal eine Frau den Mann retten? Das wäre mal sehr erfrischend.
  • Und obwohl die große Romanze glücklicherweise ausbleibt, ist von Anfang an klar, dass Mako und Raleigh aufeinander stehen. Auch das ist nicht überraschend und ziemlich langweilig. Wenigstens küssen sie sich nicht, aber wie wär’s mal mit einem Film wo der Mann und die Frau ganz wirklich und tatsächlich nur wahnsinnig gute Freunde sind und sonst nichts?!?!

Es macht mich wirklich traurig, dass dieser Film sich als eine solche Enttäuschung herausgestellt hat, denn er hätte wirklich viel Potential gehabt. Dass Guilllermo del Toro es drauf hat, unkonventionelle Filme mit starken Frauen zu machen, hat er ja schon bewiesen. Daher überrascht es mich ganz besonders, dass Frauen in Pacific Rim derart unterrepräsentiert und hilfsbedürftig sind.

Ein Gutes hatte der Kinoabend allerdings noch: Ich hab den Trailer zu Elysium gesehen. Auch dieser Film sieht sehr vielversprechend aus, und ich bin mal vorsichtig optimistisch, dass er mich vielleicht über die Enttäuschung von Pacific Rim hinwegtrösten wird! (Im schlimmsten Fall kann mensch sich immer noch über Jodi Foster freuen.)

One thought on “Review: Pacific Rim (Achtung Spoilers!)

  1. …und ich fuege noch hinzu: Mich haben die grell-kreischenden Soundeffekte (in tierisch heftiger Lautstaerke) irgendwann so genervt, dass ich mit Ohropax weitergeschaut habe. Ich weiss nicht, wofuer dieses kuenstliche Aufblasen der subjektiv wahrgenommenen Lautstaerke durch Hochton-Gekreische notwendig ist. Die Soundeffekt-Crews sollten sich einfach mal anhoeren, wie grosse herunterfallende Teile und Explosionen wirklich klingen. Das kreischt nicht sekundenlang, das macht einfach mal kurz und heftig PWUMM und dann hallt es leise dumpf nach, das war’s. So wuerde ich das auch gerne im Kino hoeren.

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