Wien, wie wär´s mit Frauentaxi?

Du bist fort, in Wien, hast vielleicht ein bisschen zuviel erwischt oder bist tot müde, es ist schon dunkel natürlich und du möchtest mit dem Taxi heim. Anrufen und bestellen ist teurer, deswegen stellst du dich an den Straßenrand und winkst das erst beste Taxi heran. Macht mensch doch so. Ja macht er, der Mensch. Und leider aber ist es nicht so, dass es in solch einer Situation keine Rolle spielt, ob du ein weiblicher oder ein männlicher Mensch bist.

Ich, als leidenschaftliche Taxikundin, weil sehr faul immer und eine schon in der Kindheit vorhandene hohe Affinität zu passiv Autofahren nachts (meine Freundin und Geldbörse leiden manchmal sehr mit mir), kann ein Lied davon singen. Zu oft bin ich schon unangenehm „angegraben“ worden mit teils übereindeutigen Einladungen zu sexuellen Handlungen und zwar unaufgefordert. Einmal sah diese Einladung sogar so aus, dass der werte Herr mir sein bestes Stück präsentierte, worauf hin ich ihn ruhig bat, mich an der nächsten Ecke raus zu lassen, das Geld hin legte und in die nächste U-Bahn stieg.

Leider ist diese Situation harmlos gegenüber dem, was einer Bekannten von mir vor ungefähr 2 oder 3 Wochen passierte, wie ich erfuhr. Diese Bekannte wurde „fast“ von einem Taxifahrer vergewaltigt, die Details erspare ich euch und erkläre aber die Gänsefüßchen des „fast“: Wie so oft und allgemein bekannt ist es schwer die Grenze zu ziehen und ich denke am besten ist es, als Außenstehende_r überhaupt keine Grenze zu ziehen, sondern die Definition der betroffenen Person zu überlassen, die schließlich am besten weiß, ob sie etwas als Vergewaltigung empfunden hat oder eben nicht.

Diese Bekannte spricht von „fast vergewaltigt“, deswegen übernehme ich hier diesen Ausdruck und werde sie meine Beschreibung auch noch mal lesen lassen und etwaige Richtigstellungen entgegen nehmen, bevor ich diesen Artikel veröffentliche.

Zum Glück konnte sie sich nämlich sehr gut wehren, so dass der Taxifahrer seine „Versuche“ nicht fortsetzen konnte und sie mit einem zwar schon sehr schweren Schock natürlich, aber sagen wir mal „glimpflich“ davon kam.

Ich gab ihr im Laufe eines Gesprächs darüber den Tipp in Zukunft Taxis zu bestellen und eine weibliche Lenkerin zu verlangen. Ich sagte ihr, dass das prinzipiell bei fast jedem Taxiunternehmen (so glaube ich) in Wien möglich ist und ich auch ab und zu so mache.

Hier komme ich zum Kernthema: Leider ist das so eine Sache. Wie wir bald herausfanden:

  1. Dauert es manchmal bis zu einer Stunde, bis eine weibliche Lenkerin zur Verfügung steht, die das Unternehmen an den entsprechenden Ort schicken kann. Klar, es gibt ja auch nicht viele Taxifahrerinnen. Des Weiteren hängt man außerdem schon mal bis zu 10 Minuten in der Leitung des Taxiunternehmens, bis eine gefunden wurde.
  2. Sind die Koordinator_innen der Taxis am Telefon meist sehr unerfreut über diesen Wunsch, da aufwendig und je nachdem wen man gerade erwischt, frau auch schon mal angepöbelt wird, warum es denn bitte unbedingt eine weibliche Lenkerin sein muss und man nicht so männerfeindlich sein soll. Dieser Hinweis ist besonders geschmackvoll, wenn man bedenkt, dass es am Kriminalamt eine eigene Kartei für Taxifahrer gibt, die sexuell straffällig geworden sind (dies fand diese Bekannte heraus, als sie Anzeige machen ging).
  3. Frauen zahlen auf diesem Wege wieder mal sehr teuer für ihre Sicherheit. Ein Taxi zu bestellen (und zusätzlich auch noch länger in der Leitung bleiben zu  müssen), ist teurer als eines herbei zu winken. Und ebenso zahlt frau durch die verzögerte Dauer bis das Taxi kommt nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit dafür sicher nach Hause zu kommen. Auf diesem Wege kompensieren Frauen also, die „Verantwortungslosigkeit“, in diesem Falle, mancher Taxifahrer mit ihrem Geld und ihrer Zeit. Das ist in vielen Bereichen so und eben auch hier. Möchte frau Geld und Zeit sparen, riskiert sie damit ein Stück weit ihre Sicherheit. Männer haben dieses Problem nicht.

Also: Liebes Wien, wie wär´s mit einem Frauentaxi? Wäre doch eine gute Idee, ein Taxiunternehmen von Frauen für Frauen. Natürlich ist es ein Risiko (wie bei jeder neuen Idee), ob mensch auch genug Abnehmerinnen findet, aber grundsätzlich denke ich schon, dass Bedarf herrscht. An jeder Ecke mindestens eine Geschichte über grenzwertige und unangenehme Erlebnisse mit einem Taxifahrer als weibliche Kundin.

Wieder eine andere Freundin von mir studierte eine Zeit lang in Ottawa. Dort gibt es ein sozusagen „ehrenamtliches“, freiwilliges „Begleitservice“ ein paar junger, männlicher Studenten, die bei Bedarf angerufen werden können und frau zu Fuß von A nach B begleiten in der Nacht. Und dies wird dort durchaus in Anspruch genommen.

Ist natürlich was anderes, kostenlos, freiwillig, sehr einfach organisierbar. Es zeigt aber auch, dass die dort in Übersee viel besser integriert haben Sicherheit anzubieten, weil sie anerkennen, dass es hier leider immer noch Unterschiede macht ob mensch im Außen eine Frau oder ein Mann ist.

Und es ist natürlich umgekehrt ein Symbol dafür, dass wir hier nicht integriert und anerkannt haben, dass es ein Problem für Frauen gibt, wenn es trotz eigener Kriminalakte und tausender schlimmer Erlebnisse im Taxi, kein Angebot in dieser Hinsicht gibt.

Also liebe Jungunternehmer_innen! Überlegt euch das! Eine win-win-Geschichte, wieder mehr Arbeitsplätze und gleichzeitig mehr Sicherheit für Frauen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze einen Markt hätte. Ich bin mir sogar sehr sicher. Zum Beispiel ich wäre euer Markt!

Deswegen liket und teilt meinen Artikel, vielleicht erwischt ihn ja jemand mit Startkapital und Gewerbeschein!

die göttinnenspeise

12 thoughts on “Wien, wie wär´s mit Frauentaxi?

  1. wie wärs aber mit härteren strafen bei übergriffen? sofortiger rausschmiss und saftige geldstrafen sind doch wohl ein muss. ich find das prinzip nicht schlecht, aber eigentlich wäre es besser, an der quelle dessen zu arbeiten – sprich zu verhindern, dass man schmierige, zu gewalttaten neigende männer ans steuer vom taxi lässt. die unternehmen sollten da ein besseres auge auf ihre mitarbeiter haben, dann ist sowas wie ein frauentaxi auch nicht „notwendig“.

  2. Sehr gute Idee. Laut einen Freund von mir gibt es sowas bereits, hab aber leider noch keine Nummer oder sonstiges gefunden. Er meinte nur mal seine Freundin ist immer mit den Frauentaxi heimgefahren, wenn es nicht anders möglich war. Werde ihm aber nochmals fragen, wenn ich genaueres weiß, gebe ich euch bescheid.

  3. Pingback: Mythen über Mythen. Was das Heimwegtelefon mit rape culture zu tun hat | Identitätskritik

  4. Ich hoffe, die betroffene Person und auch alle anderen Betroffenen zeigen erstens, den jeweiligen Gewalttäter an und zweitens, verlangen von dem Unternehmen Konsequenzen wie, fristlose Kündigung und Stellungnahme des Unternehmens!!!
    Sonst bleibt mir nur zu sagen, Frauen*, Lesben*, Trans*, Queers* und Menschen wehrt euch (weiterhin), greift ein, helft einander.

...und was sagst du dazu?

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