Warum Pitch Perfect vielleicht doch nicht zu unterschätzen ist!

Im Sommer krank zu sein ist doof. Im Sommer eine Verkühlung zu haben, die schon fast an eine Grippe grenzt, ist noch viel bescheuerter. Aber da ich ja generell ein optimistischer Mensch bin, hat auch dieser Status seine guten Seiten. Beispielsweise erlaube ich es mir nun noch viel mehr seichte Filme anzuschauen. Da sich der Leser_innenschaft meine Affinität zu musikalischen Filmen und Serien bereits eröffnet hat, ist es nun keine Überraschung, dass ich mir gestern den Film Pitch Perfect zu Gemüte geführt habe. Pitch Perfect ist eine US-amerikanische Musik-Komödie aus dem Jahr 2012.

Der Trailer verrät den Handlungsbogen ziemlich. Mädchen ist neu auf der Uni, möchte eigentlich DJ werden, wird von der Mädchen-a cappella Gruppe The Barden Bellas angeworben und sie gewinnen die Nationals. Bis es soweit ist gibt es natürlich einige Aufgaben/Schwierigkeiten zu bewältigen, lustige Scherze und eine klassische coming of age Story, blablabla. Soweit, so gut.

Warum Pitch Perfect trotzdem nicht zu unterschätzen ist, soll hier nun in klassischer 5-Punkte Manier dargestellt werden.

Relativ am Anfang des Filmes macht die Anführerin der Barden Bellas, Aubrey, klar, dass sie auf der Suche nach „bikini-perfect bodies“ sind. Ihre Kollegin Chloe antwortet darauf gelassen „How about we just get good singers?“ Und so beginnt die neue Ära der Barden Bellas mit Frauen verschiedener Ethnien, „übergewichtigen“ Frauen, „alternativen“ Frauen mit einer Menge Eyeliner, sex-driven Frauen und Frauen, die Frauen lieben.

  • Fat Amy, die verschiedensten Körpertypen und dessen Akzeptanz:

pp_fatamy
Rebel Wilson spielt den Charakter der Fat Amy, und das so gut, dass sie den Hauptcharakteren die Show stiehlt.

Aubrey: What’s your name?
Fat Amy: Fat Amy.
Aubrey: You call yourself Fat Amy?
Fat Amy: Yeah, so twig bitches like you don’t do it behind my back.

Abgesehen vom Gewichtsfokussierten Spitznamen ist Fat Amy’s Gewicht eine absolute Nebensächlichkeit im Film. Im Gegensatz zu anderen Hollywood Filmen, in denen Frauen mit größeren Körpermaßen vorkommen, geht es hier nicht ums Abnehmen oder ums Glücklicherwerden durch Gewichtsverlust. Fat Amy ist eine Frau, die mit beiden Füßen im Leben steht, boyfriends hat und laut eigener Aussage überhaupt keine Probleme mit einem bikini car wash hätte.

Generell lässt sich feststellen, auch wenn die drei Hauptdarstellerinnen (Anna Kendrick, Brittany Snow, Anna Camp) nach wie vor den gängigen Kleidergrößenidealen entsprechen, dass bei den Barden Bellas erfrischenderweise nicht ausschließlich Size Zero vorhanden ist.

Pitch Perfect_Ensemble

  • Sex, Sexualität und Selbstverständlichkeit

In Pitch Perfect wird offen über Sex gesprochen. Der konsensuelle, wie der nicht-konsensuelle Sex. Da gibt es beispielsweise die Aussage über die offizielle „rape whistle“ mit dem Nachsatz „Don’t blow it unless it’s actually happening!“. Viele halten diese Äußerung für unangebracht und geschmacklos. Trotzdem aber schafft es genau dieser Satz mit seinem Überraschungseffekt und Härte selbst in einer „harmlosen“ Komödie mit einem jungen Zielpublikum auch dieses Thema anzusprechen. Dann gibt es aber auch diese Art von Witzen, die einfach Sexualität subversiv für sich selbst einspannen. Bestes Beispiel ist hier wieder einmal Fat Amy und ihre unglaubliche Performance im großen Finale. Mit den Worten von Pitbull singt sie „Excuse me, but I might drink a little more than I should tonight. And I might take you home with me, if I could tonight. And, baby I’m make you feel so good, tonight. Cause we might not get tomorrow.“ und lässt dabei ihren ganzen Körper sprechen.

Rebel Wilson

Weiteres Beispiel ist das Barden Bella Mitglied Stacie. Stacie hat den Stempel „Sexy“ aufgedrückt bekommen. Sie zieht sich sehr figurbetont an, bewegt sich eben so und tanzt auch sehr körperbetont. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie auf Sex steht. Zu ihren ladyparts sagt sie „He’s a hunter“ und nicht nur das Publikum fragt sich „you call it a dude?“

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Und genau in diesem Moment wird den Zuseher_innen ein gewisse Doppelmoral bewusst in der Bezeichnung von Genitalien.

  • Cynthia Rose aka. Ester Dean

Das Multi-Talent Ester Dean (Rapperin, Songwriter, Record Producer und bei weitem die beste Sängerin des Films) spielt die lesbische Cynthia Rose, welche beim Probe-Vorsingen nach einer kleinen Gender-Verwirrung gleich mit „not a dude“ kategorisiert wird.

In dieser Szene beschließt die Gruppe, im Selbsttherapie-Stil, sich ihre tiefen und inneren Geheimnisse zu erzählen, damit sie sich besser kennenlernen und sich gegenseitig vertrauen. Cynthia Rose’s Sexualität wird im Laufe des Filmes nur angedeutet und selbst hier bei den tiefen Geheimnissen macht sie nicht ihr Lesbisch-Sein zum Thema, sondern ihre Spielsucht. Kleine Bemerkung am Rande: Achtet darauf, was das Mädl im rosa Hoodie neben Fat Amy flüstert;-)

  • A cappella Pop und Mash-Up Trash!

„We sing covers of songs, but we do it without any instruments. It’s all from our mouths!“ Ein bisschen musikalischer Geektum muss mir auch gestattet sein. Die Performances in diesem Film sind alle a cappella und hell yeah, darauf steh ich! Das spannende bei folgender Szene ist nicht nur die Referenz auf 8 Mile, sondern auch, dass Ester Dean im Riff Off mit einem Lied startet, bei dem sie mitgeschrieben hat (Rihanna’s S&M).

Mash-Ups werden dann natürlich auch im großen Finale a cappella perfektioniert.

  • Oh du schöner Subtext!

Glücklicherweise sind die Zeiten der mangelnder Alternativen vorbei, in denen das queere Fernsehauge nach Subtext-Geschichten in Filmen und Fernsehen gierte. Dennoch ist in Pitch Perfect die Dynamik zwischen den Figuren Chloe und Beca unübersehbar und so ist das Internet voll mit FanFic, tumblr-Animationen und netten youtube-Videos. Shipper-Name ist übrigens Bechloe. Viel Spaß beim googeln!

  • Bechdel, Masturbation und Mysogynie zusammengewürfelt

Der Film entspricht allen Kriterien des Bechdel-Test und auch sonst nimmt er Wörter in den Mund, die ich nicht auch klassischen seichten Hollywood-Komödien gewöhnt bin.

In der berühmten Bechloe Duschszene erzählt Chloe Beca, dass das Lied Titanium ihr lady jam ist. So what, in Pitch Perfect wird also über weibliche Masturbation gesprochen, nackt, in der Dusche.
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Die wunderbare Elizabeth Banks ist mit John Michael Higgins in der Rolle der Kommentator_innen zu sehen, welche mit zum Teil sehr geistreichen Einzeilern die Wettbewerbs-Performances der a cappella Gruppen kommentieren. Ab und an schlüpft aber nichtsdestotrotz das ein oder andere karikiert sexistische Kommentar durch. Banks in der Rolle der Kommentatorin Gail entschlüpft daraufhin folgendes Zitat „Well, you are a misogynist at heart, so there’s no way you would have bet on these girls to win.“

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Aca-cuse me?! Mysogynist? Und das in einem Film, wie diesem? Vielleicht wird somit diese Begrifflichkeit und vor allem auch die Bedeutungsebene einem weiteren Publikum bekannt. Wünschenswert wäre es allemal.

Und negatives?!

Nicht ganz so enthusiastisches gibt es natürlich auch bei Pitch Perfect zu sehen. Beispielsweise sind die Stereotypen asiatischen Menschen gegenüber ziemlich bedenklich. Während die Filmmacher_innen es immer irgendwie schaffen bei Lilly die Kurve zu kratzen, sind die Begegnungen mit Beca’s Zimmergenossin eher mit einem schalen Beigeschmack zu genießen.

Und dennoch!
Pitch Perfect ist nicht perfekt. Und dennoch spreche ich eine Empfehlung für diesen, auch aus feministisch gesehener Perspektive, hierzulande unterschätzten Film aus.

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