Das beste Fernsehen diesen Sommer: Orange is the New Black

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Wie soll mensch anfangen, diese wunderbare tolle fantastische Serie zu beschreiben? Wenn ihr sie selbst noch nicht geschaut habt, habt ihr wahrscheinlich schon davon gehört, denn das ganze Internet schwärmt derzeit davon. Eine lustige, dramatische, traurige, fesselnde Serie, mit dem vielfältigsten Frauencasting, das im Fernsehen zu sehen ist. Die Serie ist von Netflix produziert, einem Internetdienst, den es leider in Österreich noch nicht gibt (schreib ihnen eine Nachricht, und lass sie wissen, dass wir es hier auch haben wollen!). Die zweite Staffel ist für nächstes Jahr geplant.

Hauptfigur der Serie ist Piper Chapman, die in ihrer Vergangenheit in Drogengeschäfte mit ihre Exfreundin involviert war und nun dafür eine vierzehnmonatige Haftstrafe absitzen muß. Diese Wahl der Protagonistin hat der Serie Kritik von einigen Zuseher*innen eingebracht, die es typisch fanden, dass trotz vielfältiger Figuren die Hauptprotagonistin wieder mal weiß, privilegiert und konventionell atraktiv sein muß. Produzentin Jenji Kohan äußert sich zu diesem Thema in einem Interview mit NPR folgendermaßen:

“In a lot of ways Piper was my Trojan Horse. You’re not going to go into a network and sell a show on really fascinating tales of black women, and Latina women, and old women and criminals. But if you take this white girl, this sort of fish out of water, and you follow her in, you can then expand your world and tell all of those other stories. But it’s a hard sell to just go in and try to sell those stories initially. The girl next door, the cool blonde, is a very easy access point, and it’s relatable for a lot of audiences and a lot of networks looking for a certain demographic. It’s useful.”

Sie weiss also, dass das System krank ist, und es ärgerlich ist, dass eine Figur wie Piper notwendig ist, um all den spannenden Geschichten der anderen Charaktere eine Bühne zu geben.

Jenji Kohan mit fan-favoriten Suzanne, Poussey und Taystee, die nächste stafel zum Regulars werden!

Jenji Kohan mit Fan-Favoriten Suzanne, Poussey und Taystee, die nächste Staffel mehr in den Mittelpunkt rücken!

Und was für faszinierende Geschichten das sind! Das interessante an dieser Serie ist, dass die Handlung auf zwei Ebenen abläuft: Die Gegenwart im Gefängnis wird immer wieder von Flashbacks unterbrochen, die die Hintergrundgeschichten der verschiedenen Figuren erzählen. Eine meinen Lieblingsfolgen ist jene, in der die Vergangenheit der Transsexuellen Sophia (gespielt von Laverne Cox, die selbst transsexuell ist) gezeigt wird.

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Die anderen Charaktere sind oftmals viel tiefer und komplexer als Piper selbst und es ist spannend, wie diese anderen Figuren in zwei Etappen vorgestellt werden. Zunächst lernt man sie durch Pipers Augen kennen und sieht sie im Licht ihrer Vorurteile und stereotypen Wahrnehmung. Aber dann bekommen die Zuseher deren Hintergrundgeschichten zu sehen und plötzlich werden diese Figuren zu ganz anderen, echten Menschen. Am deutlichsten ist das an Suzanne zu sehen, welche zu Beginn immer nur ”Crazy Eyes” genannt wird. Als Zuseher lacht man über sie und findet sie genauso verrückt wie Piper, die diesen Namen prägt. Doch dann gewinnt die Figur zunehmend an Tiefe, man lernt die ganze Person kennen und fühlt sich plötzlich schlecht darüber, dass man sie anfangs nur als komische Verrückte wahrgenommen hat.

Die Serie macht wirklich eine gute Arbeit dabei, alle Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen symphatisch zu machen (mit ein paar Ausnahmen, die man einfach nur hassen kann). Und auch Piper lernt, ihre Situation anders wahrzunehmen und ein Bewusstsein für ihre privilegierte Stellung zu bekommen, die sie ihrer Hautfarbe und Ausbildung verdankt.

Und noch etwas großartiges: Lesbische Figuren sind sehr, sehr präsent in OITNB! Wohoo!! Und zwar nicht nur als Nebenfiguren. Die größte romantische Storyline ist zwischen Piper und ihrer Exfreundin Alex, die sie in ihrer Jugend zum Geldschmuggeln gebracht hat, und die Serie fängt gleich mal mit dieser Szene an:

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Es gibt viele lesbische Charaktere in dieser Serie. Unter anderem Nichols, die uns schon aus dem Film ”But I’m a Cheerleader” bekannt ist: tumblr_static_tumblr_mqkdo6t5ry1s6ezs3o1_250

OITNB ist eine wunderbare Serie über vielseitige, vielfältige Frauen und deren Beziehungen. Sie hat eine starke komödiantische Seite, adressiert dabei aber auch schwierige Themen wie Kriminalität, Armut und Rassismus und stellt die Frage, welche Möglichkeiten Frauen haben, um von diesem System wegzukommen.

Wenn euch all das nicht überzeugt, sofort mit dieser Serie anzufangen, dann weiß ich auch nicht!

Und wenn ihr alles schon geschaut habt, dann lest die fantastischen (und sehr lustigen) Recaps auf Autostraddle!

Und zuguterletzt muß ich euch auch noch diesen Artikel empfehlen, für alle die sich fragen, wie authentisch OITNB den realen Gefängnisalltag widerspiegelt.

Habt ihr die Serie schon gesehen? Wie hat sie euch gefallen? Bitte warnt wenn ihr Spoilers in die Kommentare schreibt!

7 thoughts on “Das beste Fernsehen diesen Sommer: Orange is the New Black

  1. nun, nachdem mich OITNB_World auf Twitter drauf aufmerksam gemacht hat, habe ich mir einige Episoden heruntergeladen,v.a. wegen Kate Mulgrew (zugegeben ;-))!
    Ich weiss nicht, wie authentisch die Geschichte von Piper Kerman übernommen wurde, aber die Serie hat mich in den Bann geschlagen und nicht nur wegen Kate :-)
    Als (hetero-) Mann bin ich zwar tolerant gegenüber Lesben und Schwulen, würde aber jetzt nicht „wohoo“ rufen, sondern nehme die Menschen so wie sie sind und hoffe, dass man(n)/Frau auch mich nimmt, wie ich bin. :-)
    Aber generell Themen wie gleichgeschlechtliche Beziehungen, Kriminalität und „Knastalltag“ offener anzusprechen ist grundsätzlich sehr gut und die Handlung der Serie spannend.
    Also ich bin nach der 5. Episode der 1.Staffel „heiss“ auf mehr! :-)

    • Als Homofrau rufe ich jedesmal „wohoo“ wenn ich Lesben im Fernsehen sehe, denn sie sind noch wesentlich seltener als zB Hetero-Männer und daher für mich immer was besonderes ;) Aber ich nehme alle Menschen wie sie sind, hab auch nix gegen (Hetero-)Männer (außer, wenn sie machomäßig drauf sind, aber das sind natürlich nicht alle, und es gibt auch unsympathische Menschen jeglicher anderen Sparten…)

      Viel Spass noch beim Schauen :D

      • danke Euch beiden! werde ich haben, obwohl der Faktor „Comedy-Drama“ jetzt sehr auf die Drama-Seite gewechselt ist, seit dem Tod von Tricia pfuu, das geht an die Nieren… Vielleicht ist es einfach etwas „fremd“ für mich in Richtung homo, aber ich sehe absolut keinen Grund, etwas schlechtes oder gar eine „Krankheit“ darin zu sehen, wie die kath. Kirche.
        Ich versuche es, so normal zu nehmen wie möglich und habe ein schwules Pärchen als Nachbarn, die die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit in person sind und wo ich auch keine „Berührungsängste“ habe! ;-)
        Tja, und idioten gibt es in jeder Volksgruppe, jeden Geschlechts, jeder Auffassung… gegen diese Diskriminierung war ich schon immer!
        Da gebe ich Euch Recht!!

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