Warum du niemals zögern solltest, eine feministische Party zu crashen!

Stadtgeschichten über das Single-Dasein

Neulich traf ich mich mit einer Freundin, welche mir offenbarte, dass ihrer Meinung nach die letzte ernstzunehmende Stadtgeschichte viel zu lange her sei. Ich kam nicht umhin und wunderte mich, was sie unter „ernstzunehmend“ verstand. Die Antwort kam flugs: „der Sex, das Flirten, die Frauen!“

So was wollen doch die Leser_innen lesen, war sie überzeugt. Insgeheim gab ich ihr Recht, versuchte mich aber herauszureden, dass mir in letzter Zeit einfach nichts Schreibenswertes passierte und versuchte sie herauszufordern und bat sie um einen Gedankenanstoß. Sie lies sich nicht lange bitten und erzählte mir ein kürzlich stattgefundenes Erlebnis, welches mir so gut gefiel, so dass ich sie bat dieses zu verschriftlichen und veröffentlichen zu dürfen.

Warum du niemals zögern solltest eine feministische Party zu crashen!

Es war der Abend nach der Nationalratswahl und ich habe mich in einer Bar mit einer Freundin getroffen, wo statt die üblichen Fußballspiele, an diesem Tag die Wahlsendung übertragen worden ist. Statt Wein haben wir viel zu süßen Hollundercider getrunken; die letzten Überreste des Sommervorrates, welche noch dazu spottbillig um einen Euro das Glas verkauft worden sind. Nach ein paar Ciders war das Wahlresultat schon ziemlich klar. Enttäuscht sind wir nach Hause gefahren; sie zu ihr, ich zu mir. Alles hatte den Anschein der Routine entsprechend zu verlaufen: schlafen gehen, morgen arbeiten, alles ganz normal.

Aber als ich nicht mal mehr als eine Straße von mir zu Hause entfernt war, sah ich einige rosa und lilane Luftballons bei einem Lokal, welches gegenüber von meinem Haus war. Neugierig geworden, näherte ich mich, denn normalerweise ist das Lokal nur ein ganz klassisches Restaurant, das am Abend auch eine Bar ist. Es sah nach einer großen Feier aus. Nicht weiter interessant, doch dann habe ich etwas gelesen: „Feministische Wahlparty”. Ich fand es lustig, dass gerade hier eine ist, und wollte erst einfach vorbeigehen nach Hause, doch dann meldete sich diese eine kleine innere Stimme: „Es ist noch gar nicht spät, und übrigens ist das Wahlresultat noch nicht klar, und… warum nicht? Ist es schlecht, kann ich immer noch gleich gehen.”

Es war das erste Mal, dass ich alleine auf eine Party gegangen bin, ohne jemanden zu kennen. Nervös habe ich meine Jacke auf einen Stuhl gelegt, und bin gleich zur Bar gegangen, um etwas zu bestellen, um den süßen Nachgeschmack des Sommerciders zu löschen. An der Bar schaute ich mich um, vielleicht würde ich ja jemanden sehen, den ich kenne. Die Stimmung war locker, lustig und nett; wie auf einer gemütlichen Hausparty. Am auffälligsten jedoch war die Altersmischung: die jüngsten Mädchen sind sicher noch in die Schule gegangen und haben nur Säfte getrunken, und bei einem Tisch sind ein paar alte Frauen, mit ganz weißen Haaren, gesessen. Die Atmosphäre war so offen und gemütlich, dass obwohl ich alleine gekommen bin, und niemanden kannte, ich mich gleich super entspannt und wohl gefühlt habe.

Eine Frau, im Alter meiner Mutter, ist zu mir an die Bar gekommen; sie schien eine der Organisatorinnnen zu sein. Sie begrüßte mich und plauderte mit mir, und als sie erfuhr, dass ich niemand kannte, wollte sie mich gleich ein paar Leuten vorstellen. So bin ich irgendwie in einem kleinen Tanzkreis gelandet mit jungen und alten Frauen. Sie haben alle verrückt und lustig getanzt, und ich war gleich dabei. Denn klar, singen und tanzen zu alten Hits ist ja eine meiner Spezialitäten, insbesonders nach der Anzahl an billigen Ciders. Ich fühlte mich so wohl, als wäre ich mit Freundinnen unterwegs, die ich schon ewig kannte. Ab und an warf jemand einen Blick auf den Fernseher mit den Wahlresultaten, und ab und an, wenn eine der kleinen Linkspartein, die nicht im Parlament sind, ein paar Stimmen bekommen haben, freuten sich die Menschen, aber sonst kümmerte sich niemand so wirklich darum, dass es eine Wahlparty ist.

Auch ich war eher von diesem einem Mädchen mit rasiertem Kopf in meinem Tanzkreis gefangen. Ich ging wieder zur Bar, und sie kam mir nach. Wir kamen ins Gespräch. Sie war schon länger bei diesen feministischen Events dabei. Dass ich dieses Event gar nicht kannte, fand sie nicht komisch, im Gegenteil, sie fand es schön, dass ich ganz spontan alleine reingegangen bin. Ich kam nicht umhin und musste ihr ein Kompliment über ihre Haare bzw. ihre nicht vorhandenen Haare machen. Die Antwort kam flugs:

„Ich habe es gestern spontan gemacht, davor hatte ich Haare bis zu meinen Brüsten. Meine beste Freundin meinte, dass ich ausschaue wie ein lesbischer Sextraum.”

Bevor ich antworten konnte, sind wir von einer Frau um die 60, die zuvor mit uns über der Wahl und Aktivismus in ihre Jugend geredet hatte, unterbrochen worden. Sie erinnerte sich an die U-Bahn und daran, dass es ja Sonntag ist. Sie wusste aber nicht wie genau man von hier zur U-Bahn kommt. So fing ich an es ihr zu erklären, bevor das Mädchen mit dem rasierten Kopf meinte, dass es einfacher sei, wenn wir Frau begleiten würden. Auf dem Weg dorthin erzählte uns die Frau mehr von ihre Jugend bis sie sich schließlich herzlich von uns vorm U-Bahneingang verabschiedete. Wir sind zurückgegangen, aber nicht zur Party. Das Mädchen meinte, es sei schon spät und sie müsste nur ihr Fahrrad holen, das sie beim Lokal gelassen hatte.

So standen wir nun bei ihrem Fahrrad. Ich dachte daran, wie seltsam und unerwartet sich dieser Abend entwickelt hatte, und ich war froh, dass ich mich getraut habe, alleine in das Lokal reinzugehen. Es hat mir Mut gegeben. Ich habe auch gespürt, dass sie sich nicht wirklich verabschieden wollte.

„Eine lesbischer Sextraum also…”

„Findest du?”, sie lachte.

„Ich wohne gleich da oben, wenn du noch ein Bier willst oder so, bevor du fährst.”

„Bier habe ich genug getrunken, aber wenn du Tee hast, würde ich mich freuen.”

Tee? Ja, warum auch nicht. Wir haben Tee gekocht. Meine Wohnung ist klein, und gemütlicher als bei Tisch zu sitzen ist natürlich das Bett, wenn es kein Sofa gibt. Der Tee war heiß und stand am Nachttisch, wir haben über irgendwas geredet. Es war klar, was jetzt passieren würde, trotzdem habe ich mich nicht wirklich getraut, mich ihr zu nähern, und habe einfach weiter geredet. Bis sie mich mitten in einem Satz unterbrach. Ihre Hand an mein Nacken legte, ihr Daumen fuhr über mein Kiefer, sie hat mir einfach tief in die Augen geschaut…

Es war wie ein romantischer Film oder ein kitschiger Roman! Es war unglaublich, es war einer der besten Küsse, die ich jemals bekommen hatte! Wir haben uns weiter geküsst, nicht zu hart, nicht zu sanft, ganz tief und fantastisch. Ich wollte sie ausziehen, aber sie hat einfach meine Hände genommen und „nicht jetzt” in mein Ohr geflüstert. Und hat mich weiter geküsst. Und dann… sind wir einfach schlafen gegangen, ganz nah aneinander; der einzige Weg wie es in einem 90 cm breiten Bett geht, und es war so schön, einmal auch nicht gleich Sex zu haben.

Sie ist sehr früh aufgestanden, um in die Arbeit zu gehen. Hinterlassen hat dieser lesbische Sextraum eine volle Tasse kalten Tee, und ihre Telefonnummer. Ich darf also sagen, ich habe das Wahlresultat sehr gut gefunden.

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