Queeres und Feministisches am This Human World 2013- Festival

Das this human world Filmfestival geht heuer in die 6. Runde und findet ab heute bis zum 12. Dezember 2013 in Wien statt. Wie jedes Jahr werden dort Film gezeigt, rund um das Thema Menschenrechte. Ob Arbeitsrealitäten, Bildung oder auch Umweltschutz – der Fächer, der filmisch adaptierten Themen ist weitläufig, genauso wie wie die präsentierten Genres: von Dokumentarfilmen über Spielfilme bis hin zu Animations- und Kurzfilmen ist alles im Programm. In Wirklichkeit ist das gesamte Festival fantastisch kuratiert und sehenswert, dennoch aber hier ein Versuch einige Empfehlungen auszusprechen mit dem Hauptaugenmerk Queer und/oder auf Feminismus, ohne die Filme vorab gesehen zu haben:

Regie: Susanna Helke
Finland/Denmark, 2013 Dokumentarfilm
85 min, OF Englisch

20–40 % der obdachlosen Jugendlichen in den Vereinigten Staaten gehören einer sexuellen Minderheit an. American Vagabond ist ein Dokumentarfilm, der einige Ausreißer auf ihren Wegen durch eine Stadt voller unerfüllter Versprechungen begleitet. Von der Familie nicht akzeptiert, flieht James mit seinem Freund Tyler nach San Francisco – im Gepäck: Die Hoffnung auf ein Leben ohne Ablehnung. Doch schon bald überschattet die bittere Realität aus Geldmangel, Kälte und Prostitution ihre Beziehung. Die Regisseurin Susanna Helke zeigt in ruhigen Bildern eine poetische Coming-of-Age-Geschichte eines schwulen Jugendlichen aus einer amerikanischen Kleinstadt, aber auch seiner Familie, die sich ihrer größten Angst stellen muss.

Regie: Shaun Kadlec, Deb Tullmann
USA, 2013 Dokumentarfilm
82 min, OmeU

Nirgends auf der Welt gibt es mehr Verhaftungen aufgrund von Homosexualität als in Kamerun. Vor diesem Hintergrund begleitet Born This Way junge schwule und lesbische Kameruner_innen und bietet so intime Einblicke in das tägliche Leben eines sich verändernden Landes. Verheerende Homophobie und Anfeindungen zwingen Cedric und Gertrude ein geheimes Leben innerhalb der LGBTI-Community zu führen und sich nach außen dem gesellschaftlichen Druck zu beugen. Die Filmaufnahmen entstanden im Guerilla-Style ohne Erlaubnis der Regierung – das macht Born This Way zu einem einzigartigen filmischen Dokument.

Regie: Beth B
USA, 2013 Dokumentarfilm
77 min, OF Englisch

Exposed lässt die Zuschauer_innen in eine tabuisierte Kunstform eintauchen, die so divers ist wie ihre Darsteller_innen: Burlesque. Die Zuseher_innen werden in Extreme eingeführt, die fesselnd, aber zugleich befreiend sind. Beth B begleitete über mehrere Jahre Underground-Performer_innen, die es verstehen, verschiedenste Unterhaltungsformen und Politik auf der Bühne zu verbinden. Normalität wird in Frage gestellt – traditionelle Vorstellungen von Geschlecht, Körper und Sexualität werden durchbrochen. Die variierenden Körperformen, von Transgender über statuesk bishin zu physisch beeinträchtigt, spiegeln das weite Spektrum der Burlesque wider. Satire und Parodie findet man nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Privatleben der Performer_innen – Beth B ist ein faszinierender Inside-View in die Burlesque-Szene gelungen, der das Publikum lange nicht loslassen wird.

Regie: Shola Lynch
USA/France, 2012 Dokumentarfilm
101 min, OF Englisch

Wie wurde Angela Davis, eine junge schwarze Philosophie-Studentin, in den 1970er-Jahren zur Bürgerrechtsaktivistin und Angeklagten in einem Mord-Prozess? Diese Frage stellt sich die Regisseurin Shola Lynch und lässt 40 Jahre nach dem Gerichtsprozess alle Beteiligten der versuchten Entführung eines Richters, die mit mehreren Toten endete, zu Wort kommen. In Rückblicken auf die Politik der stürmischen 1970er-Jahre werden die Gründe für Davis’ politischen Aktivismus dargelegt, die sie Zeit ihres Lebens als Terroristin brandmarken werden. Angela Davis war u. a. in der Kommunistischen Partei und bei den Black Panthers aktiv, sie studierte bei Theodor W. Adorno, publiziert u. a. zu Black Feminism und ist eine führende Persönlichkeit der Anti-Gefängnis-Bewegung.

Regie: Roger Ross Williams
USA, 2013 Dokumentarfilm
83 min, OF Englisch

Die amerikanische Religiöse Rechte hat Uganda längst als Betätigungsfeld entdeckt. Der Regisseur Roger Ross Williams begleitet in seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm eine Gruppe Evangelikaler bei ihrer missionarischen Tätigkeit – bei ihren Versuchen, die Bevölkerung zum biblischen Glauben zu führen, bei ihren Predigten des Evangeliums, die sie mit brennenden Reden für ein geplantes Anti-Homosexuellen-Gesetz verweben. God Loves Uganda liefert verstörende und entlarvende Bilder, die Zeugnis über religiös motivierten Hass auf die LGBTI-Community ablegen.

Regie: Grant Lahood
New Zealand, 2012 Dokumentarfilm
68 min, OF Englisch

Was passiert, wenn der Arzt die Frage nach dem Geschlecht des Neugeborenen nicht beantworten kann? Dieser Frage widmet sich der Dokumentarfilm Intersexion. Mit einfühlsamen Porträts von Betroffenen schafft es der Film, hinter die Maske aus Scham und Geheimniskrämerei zu blicken und zeigt, wie Intersexuelle Kindheit, Pubertät und Beziehungen erleben – mit dem Wissen, nicht in ein binäres Geschlechtsmodell zu passen. Der selbstbewusste Umgang mit dem eigenen Körper steht im Mittelpunkt von Intersexion und zeigt das Thema Intersexualität von einer bisher nie gezeigten Seite – ein herzerwärmender Mix aus Tragik und Komik.

Regie: Jeong-One Park
Great Britain, 2012 Dokumentarfilm
27 min, OmeU

Auf Boxsäcke einschlagende Großmütter sind in Korogocho, einem Slum in Kenia, keine Seltenheit. Seit Jahren werden dort ältere Frauen vermehrt Opfer von sexuellen Übergriffen junger Männer. Angetrieben werden diese Taten von dem Gerücht, dies könne beim Vergewaltiger AIDS heilen. Jeong-One Park folgt in ihrem dokumentarischen Kurzfilm drei „Grandmas“, die sich zur Wehr setzen und eine Selbstverteidigungsgruppe gegründet haben. Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Kung Fu Grandma schafft es, das Publikum an der harten Lebensrealität der kenianischen weiblichen Slumbevölkerung teilhaben zu lassen und entwirft ein berührendes Porträt über Mut und den Willen zum Widerstand.

Regie: Mohsin Abbas
Canada/Pakistan, 2013 Dokumentarfilm
60 min, OF Englisch/OmeU

„Bildung ist ein elementares Recht!“ Dieser Satz stammt von Malala Yousafzai, der jüngsten in der Geschichte für den Friedens-Nobelpreis Nominierten. Die heute 16-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin überlebte 2012 nur knapp ein Attentat der Taliban. Mohsin Abbas beleuchtet das Leben Malalas und ihren unermüdlichen und mutigen Einsatz für das Recht auf Bildung, vor allem für Mädchen im ländlichen Pakistan. Mit bisher nie gesehenen Aufnahmen skizziert Malala: A Girl from Paradise die Situation vor und nach dem Anschlag und lässt Schulfreundinnen, die Familie und andere Wegbegleiter_innen zu Wort kommen. Der Mut dieser jungen Ausnahmepersönlichkeit hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Regie: Can Candan
Türkei, 2013 Dokumentarfilm
82 min, OmeU

Was passiert, wenn sich das eigene Kind outet? Der inspirierende Dokumentarfilm My Child zeigt eine Gruppe von Müttern und Vätern aus der Türkei, deren Kinder lesbisch, schwul, bisexuell oder transident sind. Der Umgang mit dem eigenen Kind in der homo- und transphoben türkischen Gesellschaft wird einer sehr persönlichen Untersuchung unterzogen, voller traumatischer, aber auch schöner Momente der Nähe. Der Regisseur Can Candan zeigt die Arbeit von LISTAG, einer Support-Group für Eltern von LGBTI – Kindern und ihren Kampf gegen Homo- und Transphobie, Diskriminierung und Hassverbrechen. My Child macht Mut.

Regie: Nadia El Fani
Frankreich, 2012 Dokumentarfilm
66 min, OmeU

No Harm Done erzählt die Geschichte der Regisseurin El Fani. Der Dokumentarfilm porträtiert ihren Kampf an zwei Fronten: Einerseits gegen die islamistischen Fundamentalisten in Tunesien und ihrer Wahlheimat Frankreich und andererseits ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit ihrer Krebserkrankung. El Fanis vorangegangener Film, der ihren Atheismus zum Thema machte, bringt ihr laufend Morddrohungen ein. Vor diesem Hintergrund muss sie sich der lebenswichtigen Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie stellen. El Fani gelingt es in ihrem Dokumentarfilm, eine fesselnde Metapher für religiösen Extremismus als Krankheit zu kreieren. No Harm Done ist ein mehrfach preisgekröntes Plädoyer für einen sekularen Staat und Redefreiheit.

  • Pussy Riot: A Punk Prayer
  • Regie: Mike Lerner, Maxim Pozdorovkin
    Russland/Großbritannien, 2013 Dokumentarfilm
    88 min, OmeU

    The women of the Pussy Riot band dared to provoke and offend Vladimir Putin and the Russian-orthodox church. The consequences of the performance by the three members of the art collective that brought about so much media attention are depicted in the documentary Pussy Riot – A Punk Prayer. Based on reviews of trial process undertaken against them – from the planning of the performance to their detention to the court decision, the directors Maxim Pozdorovkin and Mike Lerner document the case. Even those already familiar with Pussy Riot story will be shocked by the arbitrary decisions made by the Russian court. Lean back, put your balaclava on and plan the next revolution.

    Regie: Noga Ashkenazi
    USA, 2012 Dokumentarfilm
    65 min, OF Englisch

    Das einzige Hochsicherheitsgefängnis für Frauen in Iowa ist Schauplatz der Dokumentarfilm The Grey Area. Wie funktioniert feministische Bildung hinter Gittern? Welche inneren Kämpfe tragen Frauen aus, die einen Großteil ihres Daseins eingesperrt verbringen werden? Anhand eines feministischen Workshops für eine kleine Gruppe der Insassinnen erhält man Einblick in das Seelenleben von Frauen, deren Vergangenheit aus Mord, Drogenkonsum und sexuellem Missbrauch bestanden hat. Der prämierte Dokumentarfilm von Noga Ashkenazi erforscht den Graubereich aus Sexualität, Geschlecht, Klasse und Ethnie und setzt ihn in Kontext zu einem Leben hinter Gefängnismauern.

    Regie: Marlo Poras
    USA/China, 2012 Dokumentarfilm
    80 min, OmeU

    The Mosuo Sisters begleitet die jungen Schwestern Juma und Latso, die einer der letzten Ethnien mit matriarchaler Struktur angehören – jener der Mosuo im Südwesten Chinas. Juma und Latso verlieren ihren Job als Sängerinnen in Peking. Nun muss eine der beiden ihren Traum vom Studium aufgeben und zur traditionellen Lebensweise zurückkehren, um die Familie am Land zu unterstützen. Im Mittelpunkt des Films steht die enge Beziehung der Schwestern, die geprägt ist vom Hin- und Hergerissensein zwischen zwei konträren Welten im gesellschaftlichen Wandel der Zeit. Unerwartete und schicksalhafte Wendungen im Leben der beiden Schwestern führen dazu, dass sie trotz ihrer ambitionierten Ziele doch ganz andere Wege einschlagen.

    Regie: Sao Sopheak
    Kambodscha, 2012 Dokumentarfilm
    11 min, OmeU

    Der dokumentarische Kurzfilm von Sao Sopheak ist die erste in Kambodscha entstandene Produktion, die Mitgliedern der LGBTI-Community eine Stimme gibt, genauer einem lesbischen Pärchen, das sich während der Terrorherrschaft der Roten Khmer kennenlernte und seit dieser Zeit zusammenlebt. Ihr Kampf gegen moralische Maßstäbe der Dorfbevölkerung und die Stigmatisierung durch die Familie, aber auch die Hoffnung, bald heiraten zu können, tragen Soth Yun und Sem Eang durch ihr Leben. Two Girls against the Rain bietet nie gezeigte Einblicke in eine Welt, die hin- und hergerissen scheint zwischen Anerkennung und Ablehnung Homosexueller. Ein herausragender, mehrfach Award-gekrönter Kurzfilm.

    Regie: Ivana Todovorić
    Serbia, 2013 Dokumentarfilm
    30 min, OmeU

    Ivana Todovorić begibt sich auf eine einfühlsame filmische Reise nach Belgrad. Dort lebt Goca, eine transsexuelle Frau, die trotz des ihr feindlich gesinnten Umfelds ihren Stolz bewahrt und versucht, ein normales Familienleben zu führen. Wie eine Tochter lebt ihre Nichte bei ihr, die sie von den Einnahmen als Sexarbeiterin mitversorgt. Zu ihrem 39. Geburtstag entscheidet sie sich, ihr Coming-out auf der Bühne vor Publikum zu feiern. Die Regisseurin zeigt in dem mehrfach prämierten Kurzfilm When I Was a Boy, I Was a Girl die Protagonistin Goca und ihre nicht ungefährliche Arbeit – ohne Klischees und moralisch erhobenen Zeigefinger.

    ThisHumanWorld

    3 thoughts on “Queeres und Feministisches am This Human World 2013- Festival

    1. habe intersexion geschaut und war bei der anschließenden diskussion dabei… kann nur empfehlen, die doku am donnerstag anzusehen. da ist sie glaub ich nochmal im schikaneder

    ...und was sagst du dazu?

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

    Google+ Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

    Verbinde mit %s