Von un_passenden Kindern und Erwachsenen

Heute habe ich mit meiner Freundin gesprochen. Ich habe ihr erzählt, dass ich in letzter Zeit viel über meine Brüste nachdenke. Gerade fasse ich sie öfter bewusst an, und sie kommen mir sehr schön vor. Ich sagte zu ihr „es wäre schön, wenn ich meine Brüste verschenken könnte, also für 34 Jahre sind sie auch sehr passabel. Aber, die Brustwarzen behalte ich.“

Da frag‘ ich mich, wie das möglich ist, keinen Knoten im eigenen Kopf zu bekommen, bei solchen Gedanken. Ich imaginiere mich häufig mit einer Brust, also einer oft so genannten “männlichen“ Brust, mit oder ohne Narben, je nachdem was möglich ist. Und dann finde ich meine Brüste schön. Wobei, ich kann sie vor allem auch schön finden, separiert von meinem Körper. Wie käme ich sonst auch auf die Idee, sie zu verschenken. Das mit dem Körper ist eine spannende, manchmal anstrengende Sache. Ich bin glücklich über meine Auseinandersetzung, sie gibt mir auch Kraft, Möglichkeiten mich auszudrücken. Schwierig wird es meistens, wenn eine tatsächliche oder vermeintliche Beurteilung von einem Außen dazu kommt. Eine Einschätzung (traditionell falsch) über mein Geschlecht (meine Identität) kann einem_* schon den Tag vermiesen.

Einer meiner Freundinnen* meinte letztens zu mir, warum ich meinen Körper (operativ/hormonell) verändern lassen will, sie* sieht ja und ich sehe ja, wer ich bin. Ich bin einfach ich, habe sozusagen das Geschlecht, welches ich haben möchte. Ich mag ihre offenen Worte, ich schätze ihre Kritik, die meine trifft, weil mir OPs und Hormone, der Gedanke, dass das mit meinem Körper kombiniert wird, Angst machen. Ich sehe das als einen großen Eingriff in (meinen) Körper und dennoch, trotz der andauernden, meines Erachtens tiefgehenden Auseinandersetzung, wird der Wunsch größer. Es ist eine Vorstellung die mir große Befriedigung schafft, die mir gedankliche Ruhe schenkt. Gewissermaßen geht es um eine Zusammenführung der Hülle und des Herzens.

Im Übrigen fällt mir gerade auf, dass diese Versuche zu „passen“, schon lange auf meiner Tagesordnung stehen. Soweit ich mich erinnere, war das bereits als Kind Thema. Ich habe versucht ich zu sein, ein kleiner der Mensch, der mit Haut und Haaren die Welt erkunden möchte. Für mich passte das wunderbar. Meine Umwelt war weniger begeistert von meinen Ambitionen, wobei meine Eltern soweit es für mich zu erinnern ist, ganz cool mit mir umgingen. Andere Erwachsene wiederum fühlten sich bemüht, mir meinen Platz als Mädchen* klar zu machen, beziehungsweise mir mit Kommentaren meinen Platz anzuzeigen. Gut, dass ich mich öfter geweigert habe, diesen einzunehmen. So kann ich also festhalten, dass ein „passing“ in der einen oder anderen Form notwendig ist, weil deine Umwelt, die Menschen in deinem Umfeld dermaßen „Mann/Frau-gegendert“ sind, dass sie bei jeglicher Irritation zum_zur  selbsternannten Ordnungswächter_in dieser Welt werden, die mir vermitteln (wollen) wie ich, mein ich, leben soll.

By the way, ich dachte gestern das erste Mal super konkret über eine Personenstandsänderung nach, das heißt umgangssprachlich zum Beispiel Geschlechtswechsel oder Geschlechtsangleichung. Leider sind die Möglichkeiten diesbezüglich beschränkt, es gibt formal rechtlich nämlich nur zwei Geschlechter. Aber was soll’s, von dem einen bin ich sozusagen müde geworden und dem anderen fühle ich mich näher. Und ich bin drauf gekommen, ich probiere Sachen gerne aus, damit ich sie anspüren kann. Ich gebe zu, in diesem Fall ist das keine Kleinigkeit, gewissermaßen, aber ein Schritt in eine Richtung die mir gefällt, also mache ich es einfach.

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