Rae Spoon und die richtige Anrede

Manch eine_r_s zeigt sich vielleicht verwundert wenn er_sie_es verschiedene Beiträge von oder über Rae Spoon in die Hände bekommt. Rae verwendet für sich die Anreden „er“ oder „they“ oder eine Pronomenfreiheit an. Was das ist? Naja, wenn mensch für sich selber „nur“ den Namen verwendet und nicht er*, sie, er_sie, hir, etc.  Das habe ich für meine Person auch total gerne, diese Freiheit zu sagen, ich verzichte auf ein geschlechtsanweisendes Pronomen. Ich mag es, meinen Namen oft zu hören und es ist eine Möglichkeit der „sie/er“-Schiene zu entkommen, oder zumindest einen Spielraum zu eröffnen. Gestern habe ich einen meiner mir sehr wichtigen Menschen getroffen, eine Person meiner Wahlfamilie und wir haben uns lange nicht gesehen und stehen uns sehr nahe. Wie haben mal eine sehr intensive Liebesbeziehung miteinander geführt. Eigentlich haben wir mehrere intensive Verbindungen miteinander gehabt, wir waren zwischendrinnen auch getrennt.

Aber gut, gestern haben wir uns wiedergesehen und stundenlang miteinander geredet. Zu späterer Stunde habe ich dann erzählt, dass ich mich entschieden habe, meinen Personenstand zu ändern. Das ist eigentlich ein lustiges Wort, Personenstandsänderung. Also, ich will die Stellung meiner Person ändern. Ich mag die Reaktionen meiner Ex-Freundin. Sie erzählte mir dann, dass sie es schwierig findet, wie mensch sich diese staatliche Anerkennung holen will/muss, im „anderen“ Geschlecht zu leben und dann zu der Gruppe „der Männer“ zählt. Sie hat mich dann gefragt, ob es besser ist, dass dann am Papier „Herr X“ steht, anstatt „Frau X“. Da ist er wieder der Knoten in meinem Kopf, der es mir erschwert diese Frage eindeutig zu beantworten. Ich sagte dann etwas wie, es fühlt sich einfach besser an. Wenn „Frau“ drauf steht mag ich es nicht, wenn „Herr“ zu lesen ist, dann amüsiert es mich und ehrlich gesagt, es ist (mittlerweile) stimmiger. Für mich ist das total revolutionär, mir dieses Recht zu nehmen, es ist sehr bedeutungsvoll. Ich habe dann auch angeschlossen, dass ich mich eigentlich selber frage, wie auch andere Menschen, wie sich denn jetzt eine Frau/ein Mann fühlen.

Und ist dann nicht auch das Fühlen von Geschlecht konstruiert. Vermutlich, ja, ganz sicher. Naja, das ist für die Praxis nur begrenzt hilfreich, finde ich. Das Gespräch mit dem mir wichtigen Menschen hat mich gehörig verwirrt, kurz habe ich mich ziemlich schlecht gefühlt, vielleicht auch wie ein_e Verräter_in der „feministischen Sache“. Die Gruppe der Frauen zu verlassen, das ist dann wohl Thema, für andere und für mich. Und ehrlich gesagt, dass ist schon auch eine unheimliche Sache. Ich möchte ja eigentlich nur ich sein und das bin ich ja auch. Eine anderer wichtiger Mensch in meinem Leben sagte letztens, „ich weiß ja wer du bist, du bist einfach du“, pfeif‘ doch darauf, auf die anderen Menschen und was die sagen. Wenn das immer so einfach wäre, denk ich mir dann manchmal. Und von Zeit zu Zeit ist es das auch, einfach und immer ist es so, dass ich mich, als Mensch fühle, sozusagen geschlechtslos, superwohl in meiner Haut, so sehr, dass sogar die Körperteile „verschwinden“. Ich bin dann einfach nur ich, my incredible self.

Im Übrigen, Rae Spoon kommt im Mai 2014 nach Österreich und auch nach Wien. Mittlerweile ist sein zweites Buch mit dem, wie ich finde, sehr interessanten Titel „gender failure“ erschienen. Ich als großer Fan* sage, das Lesen lohnt sich. Bei der letzten Überarbeitung dieses Artikels habe ich folgendes in meinem Kopf gefunden. Ich bin Fan* von einem Menschen der eine gewisse, oft erhebliche Bedeutung für mich/das Subjekt hat, denn dieser Mensch zeigt mir zum Beispiel „dass es doch geht“, oder, dass die Fragen die mich umtreiben auch noch andere beschäftigen und manchmal ebenfalls zum Verzweifeln bringen. Wenn wir Fan* von jemanden sind, dann ist diese Person ein Vor-bild, eine Realität und damit können wir uns an ihr* orientieren, in der Welt zurecht finden. Diese Menschen sind uns oft fremd im eigentlichen Wortsinne des „Nicht-Kennens“, und doch sind sie Teil unserer „Familie(n)“.

Termine von und mit Rae Spoon in Österreich

Lesung

Di, 13. Mai 2014 im ChickLit, Wien

Konzerte

Do, 15. Mai 2014 / Postgarage, Graz
Fr, 16. Mai 2014 / B72, Wien
Sa, 17. Mai 2014 / Treibhaus, Innsbruck
Do, 22. Mai 2014 / Spielwiese Festival / Feldkirch
Fr, 23. Mai 2014 / Röda, Steyr

Film

29. und 30. März 2014 läuft My Prairie Home bei der Poolinale in Wien

2 thoughts on “Rae Spoon und die richtige Anrede

  1. Spannender Artikel, und du sprichst einen Punkt an, der mir selbst schon lange im Kopf herumgeistert, nämlich eben die Frage, wenn Gender konstruiert ist, was meinen Menschen dann, wenn sie sagen, sie fühlen sich als Mann bzw. als Frau. Die Sache mit dem Knoten im Kopf kann ich sehr gut nachvollziehen. Für mich persönlich bin ich momentan zu dem Schluss gekommen, dass die Gesellschaft ein solches „sich als ein bestimmtes Gender fühlen“ quasi erzwingt, dadurch dass diese Kategorien halt – noch – eine so große Rolle spielen, aber dass sich solche Fragen in einer offeneren Gesellschaft, die kein „genderuntypisches“ Verhalten mehr kennt, vielleicht gar nicht mehr stellen würden und alle Menschen schlicht und einfach ihre, wie du es so schön nennst, incredible selves sein können.

  2. Das ist eine ganz tolle Antwort schokomuffin, wenn Menschen nur immer so respektvoll antworten würden…
    Gut, ja, diese Frage ist eine der zentralen, der Raum zwischen dem Wissen über das eigene Selbst und die Gewissheit und auf der anderen Seite, die Wirkungen der Konstrukte die uns umgeben. Ich wünsche mir, dass wir uns alle mehr und mehr in die Richtung „incredible selves“, unabhängig verschiedener Konstrukte, entwickeln (dürfen/sollen).

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