Geschlechtergerechte Sprache wird in Österreich abgeschafft

… wenn es nach den Vorstellungen des Austrian Standards Instituts geht.

Deshalb ruft der Verein österreichischer Juristinnen auf Stellung zu beziehen.

Das österreichische Normungsinstitut schlägt in einem aktuellen Entwurf zur ÖNORM A 1080 vor, auf weibliche Formen zu verzichten und stattdessen mittels Generalklauseln klarzustellen, dass Frauen in der männlichen Form mitgemeint seien. Aber das ist noch nicht alles: Auch das Binnen-I sowie die weibliche Form akademischer Titel (Magistra/Mag.a oder Doktorin/Dr.in) werden im Normenverschlag als sprachlich nicht korrekt abgelehnt. Auf weibliche Formen könne in schriftlichen Texten verzichtet werden, denn männliche Formen würden für beide Geschlechter gelten, so die Empfehlung.

Eine geschlechtergerechte Sprache ist neben zahlreichen anderen notwendigen Maßnahmen ein wesentliches Instrument zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Der im Entwurf an mehreren Stellen erfolgte Vorschlag, die männliche Formulierung für die Bezeichnung aller Geschlechter als „allgemeingültige Form“ zu verwenden, ist klar abzulehnen. Die dadurch erfolgte – nicht neue, aber definitiv mit der modernen Realität nicht mehr konforme – Konstruktion von „männlich“ als Norm (und damit Gleichsetzung von Mann = Mensch) macht die Notwendigkeit einer tatsächlich geschlechtergerechten Sprache einmal mehr deutlich.

Dass es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten gibt, Texte und gesprochene Sprache geschlechtsneutral und für alle inklusiv zu gestalten, haben wir auch schon in unserem Blogeintrag Generisches Femininum: WTF?!  gezeigt.

Der Verein österreischischer Juristinnen geht in einer ausführlichen Stellungnahme im Detail auf alle relevanten Punkte des Entwurfes zur ÖNORM A 1080 ein und macht deutlich, dass der Entwurf der Geschlechtergerechtigkeit sowie den modernen Gleichstellungskonzepten widerspricht und die Staatszielbestimmung des Art. 7 Abs 2 B-VG, wonach sich Bund, Länder und Gemeinden zur tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau bekennen, konterkariert.

Noch bis 31. März 2014 ist es möglich, zum Normen-Entwurf Stellung zu nehmen. Dazu müssen allerdings einige Hürden genommen werden: Nur wer sich auf www.austrian-standards.at (kostenfrei) registriert, kann den Normen-Entwurf überhaupt einsehen. Stellungnahmen können in der Folge über eine unübersichtliche Maske eingegeben werden oder – der einfachere Weg – an die zuständige Komitee-Vorsitzende DI.in Dagmar Schermann, d.schermann@austrian-standards.at geschickt werden.

Wir von der sugarbox schließen uns dem Verein österreichischer Juristinnen an und rufen dazu auf, zahlreiche Stellungnahmen an das Austrian Standards Instituts zu senden. Eine Vorlage wird hier zur Verfügung gestellt, welche so übernommen oder im Sinne dieser Initiative ergänzt/abgeändert werden kann.

Lesetipp: Luise F. Pusch

9 thoughts on “Geschlechtergerechte Sprache wird in Österreich abgeschafft

  1. Muss eine Sprache einheitlich andere Formen ausschließend „normiert“ sein?
    Ich würde
    Binnen-I {BürgerInnen}
    _innen {Bürger_innen}
    (innen) {Bürger(innen)}
    (-innen) {Bürger(-innen)}
    masculinum mit weiblichen Artikel {DIE Bürger}
    plurar f+m {Bürgerinnen und Bürger}
    plurar m+f {Bürger und Bürgerinnen}

    zulassen!

    In der Programmierersprache C alleine gibt es viele verschiedene Sprachstile, die alle nebeneinander zulässig sind! C-Derivate, Erweiterungen von C, C-Clone und auf C basierenden Programmiersprachen (C++, D, Java, C#, objektive c) enthalten noch viel mehr unterschiedliche Stilrichtungen, die als syntaktisch und grammatikalisch richtig gewertet und ohne Fehlermeldungen von Compilern in Maschinencode übersetzt werden, siehe:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Indent_style

    Die menschliche Sprache ist doch viel komplexer und ausdrucksstärker als einen von Compiler-Compilern zu übersetzende kontextfreie in BNF-Grammatik definierte formale Sprache;

    dass natürliche Sprache daher stärker genormt werden muss und weniger Sprachstile zulassen darf als eine von einem Computerprozess übersetzte formale Sprache, wirkt ziemlich bedenklich und befremdlich.

    • Wenn ich mehrheitlich Männer ansprechen will, weil auch Männer mehrheitlich betroffen sind, werde ich „Soldaten und Soldatinnen“ verwenden, obwohl ich sonst die höfliche Gentleman-Form „Bürgerinnen und Bürger“ häufiger gebrauche!
      In einem von Frauen dominierten Beruf rede ich von „LehrerInnen oder Lehrer_innen“, spreche aber von „der Lehrergewerkschaft“, da dort als Vertreter der LehrerInnen nur alte Männer hocken.
      Dagegen sind „Schwermetaller“ ein ziemlich männlich dominiertes Berufsfeld, weshalb ich dort eher keinen Bedarf zum Gendern sehe.

      • Aber ist nicht genau das, das du kein Bedarf zum Gendern in so ein berufsfeld sieht, genau das problem und der zweck von gendern? Das genau solche stereotypen bleiben und die frauen die dort arbeiten („weil die anteil eh so gering is“) unsichtbar sind, und dass man durch die sprache diese vorstellung bleiben lässt?

    • Die Sprachvergleiche mit Programmiersprachen finde ich immer etwas schraeg und interessant gleichzeitig.
      Schraeg deshalb, weil menschliche Sprachen und Programmiersprachen so vollkommen unterschiedlich interpretiert werden, dass ich mich frage, ob so ein Vergleich ueberhaupt sinnvoll ist.
      Interessant deshalb, weil trotzdem beide Arten von Sprachen von Menschen geschaffen wurden. An den Programmiersprachen zeigt sich auch, dass es grundsaetzlich schon moeglich ist, Sprachen zu entwickeln, mit denen sich abstrakte Ausdruecke formulieren lassen, die dann auf verschiedene konkrete Strukturen anwendbar sind. Also auf menschliche Sprachen angewendet liesse sich beispielsweise formulieren, dass es voellig egal ist, welche sonstigen Eigenschaften ein Subjekt hat, das ein Fahrzeug lenkt, solange es die noetige Funktionalitaet zum Fahren hat – also quasi die vollkommen queere Version von „Busfahrer_in“; bzw. sogar noch freier, denn Roboter oder Alien, die vielleicht erst zehn Jahre spaeter definiert werden, wuerden dann immer noch auf die selbe Formulierung passen.
      Allerdings bleibt dabei ein paar Probleme, naemlich dass einerseits unklar ist, wie diese Faehigkeiten von Programmiersprachen auf menschliche Sprachen so uebertragbar waeren, dass sie sich zur effizienten Kommunikation eignen, und andererseits, dass Menschen sich mit eben dieser starken Abstraktion in Programmiersprachen ziemlich schwer tun.

      Naeher an den menschlichen Sprachen als Programmiersprachen finde ich da eine andere Erfindung aus der IT-Ecke, die zumindest auf geschriebenen Text in menschlichen Sprachen direkt anwendbar ist, naemlich Regular Expressions – eigentlich nicht mehr als ein formal definiertes Text-Matching.
      Damit lassen sich Muster definieren, die dann auf verschiedene Woerter passen, beispielsweise „Chef(s|in(nen)?)?“, das auf „Chef“, „Chefs“, „Chefin“, und „Chefinnen“ matcht, aber nicht auf falsche Kombinationen wie z.B. „Chefsnen“ oder „Chefsin“.

      Aergerlich finde ich allerdings, dass ausgerechnet in den diversen IT-Szenen oft eine ziemlich sexistische Stimmung herrscht. Da loest bei manchen der Beissreflex gegen gegenderte Schreibweisen aus, mit dem Argument, das sei „unlesbar“.
      Na mal ehrlich, wie glaubwuerdig ist das denn, wenn die selben Leute darum wetteifern, wer die komplexeren Codezeilen richtig schreiben und lesen kann?

  2. hier meine VORLAGE (da euer link zur vorlage nicht geht)
    ==============================================

    Sehr geehrter Herr DI Schermann,
    (Schaun Sie das kann dann passieren! Und das ist noch das geringste!)

    Sind Sie von allen guten Geistern verlassen?

    – Das Binnen-I darf nicht abgeschafft werden!
    – Nein zu der geplanten sexistischen Generalklausel!

    Das Binnen-I sollte erweitert werden um * oder _ beispielsweise Diplomingenieur_innen oder Diplomingenieur*innen, die Menschen mitdenken und mitmeinen, die sich nicht in Frau oder Mann einteilen wollen oder können. (Stichwort Intersexualität, Transidentitäten)

    Ich plädiere dafür, dass Sie in sich gehen und versuchen die irren Geister umzustimmen, die anscheinend zu Ihnen sprechen, sodass die guten Geister wiederkehren mögen!

    mit freundlichem jedoch leicht erbostem Gruß,

  3. Ich komme noch einmal auf die gender-gerechte Schrift zurück,
    Die gender-gerechte sprache ist nämlich keine gender gerechte Sprache, sondern eine gender-gerechte Schrift.
    Wieso?
    Das Binnen-I oder _i ist nur in geschriebener Sprache präsent, sprachlich wird es nicht anders ausgesprochen oder betont als das Feminium.
    In der Volksschule werden nach wie vor Diktate zum Erlernen der Verbindung von Sprache zu Schrift verwendet.
    Bei einem Diktat mit Binnen-I werden viele das Femininum einfach mit kleinem i hinschreiben, da kein gesprochenes Binnen-I existiert.
    (Erst war die Sprache, dann die Schrift, meistens kommt es auch zuerst zu Veränderungen in der Sprache und dann zieht die Schrift nach.)

    • das Binnen-I erzeugt eine nicht mehr eindeutige Zuordnung von Sprache zu Schrift
      FEMINISTINNEN [gesprochen] nicht eindeutig
      manche werden das gesprochene mit Binnen-I FeministInnen niederschreiben,
      weil Männer auch damit gemeint sein können,
      andere werden es rein auf Frauen beziehen und Feministinnen hin schreiben.

      Eigentlich wurde damit die Verwirrung nur noch größer, weil so wie rein bei der männlichen Form, weiß dann niemand mehr, wer gemeint ist, nur jetzt kann das gesprochene Wort auf 2 verschiedene Arten auch niedergeschrieben werden.

      1.
      Damit wird die Sprache der Sprechers ganz von der Interpretation des Schreibers abhängig.

      2.
      a.)
      Damit wird die Sprache der kleinen Sprecherin rein von der Interpretation der kleinen Schreiberin abhängig.

      b.)
      Damit wird die Sprache der großen SprecherInnen rein von der Interpretation der kleinen Schreiberinnnen abhängig.

      c.)
      Damit wird die Sprache der kleinen Sprecherin rein von der Interpretation der großen SchreiberIn abhängig.

      d.)
      Damit wird die Sprache der großen SprecherInnen rein von der Interpretation der großen SchreiberInnen abhängig.

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