Fremdschämen = Antifeminismus + Junge Alternative

(alle Bilder entstammen folgender Quelle: Gleichberechtigung statt Gleichmacherei)

Die Junge Alternative für Deutschland schreibt sich laut Eigenangaben „Vernunft statt Ideologie“ auf die Fahnen und bewirft uns aber gleichzeitig mit unschlüssigen Tautologien und Plattitüden, die von Logik und Vernunft so weit entfernt sind wie Richard Dawkins von Tarot-Karten legen. Vor kurzer Zeit muteten sie uns eine Aktion ihrerseits über Facebook zu, wo sie sich mit Schildern abfotografierten, die Sätze enthalten wie: „Ich bin keine Feministin, weil jede Frau selbst entscheiden soll, ob sie Hausfrau wird.“ Oder: „Ich bin kein Feminist, weil eine Mutter genauso wertvoll ist, wie eine Vorstandschefin.“

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Es gehört ganz schön viel Mut dazu, eine komplette Fotoreihe stolz auf der eigenen Facebook-Seite zu präsentieren, die öffentlich zur Schau stellt, dass man als politische Jungpartei sein Wissen und seine Haltung ganz offenkundig aus Talkshows bezieht. Hätten die Damen und Herren der Jungen Alternative schon je ein Buch über Feminismus in der Hand gehabt, könnten solche Art Statements nicht entstehen oder wären zumindest ein kleines Stück differenzierter. Ich korrigiere mich, ein ganzes Buch müsste es gar nicht sein, ein flüchtiger Blick auf Wikipedia um Bedeutung und Definition von Feminismus hätte auch gereicht. An den Statements der Jungen Alternative ist schnell erkennbar, dass sie nicht mal auch nur im Ansatz verstehen worüber sie ätzen.

1185537_220658418124700_1118594447_nOder wüssten sie andererseits wenigstens was folgerichtige Argumentation bedeutet, wie es immerhin ihr Slogan „Vernunft statt Ideologie“ verspricht, wären ihnen ihre eigenen Aussagen mehr peinlich als sonst irgendwas. Ihr Programm „Vernunft“ demontieren sie mit Pauken und Trompeten selbst und für jede_n Kenner_in der Materie ersichtlich.

Da schauen Hülsen ins Leere wie „Ich bin keine Feministin, weil `Hausfrau´ sein auch ein Beruf ist“. Interessant. Ich dachte immer, dass etwas dann als Beruf gilt, wenn es entlohnt wird. Aber um die Trägerin der Tafel nicht eventuell falsch zu verstehen und um ihr gleich etwas mit auf den Weg zu geben: Mir ist gänzlich unbekannt, dass der Feminismus je etwas anderes behauptet hat, als dass Hausarbeit auch Arbeit ist. Und gleichzeitig an Frauen geheftet und unbezahlt. Da sind wir uns wohl einig. Diese Geschichte ist sogar eines der Ursprungsthemen des Feminismus überhaupt. Der Satz könnte also ebenso gut heißen „Ich bin Feministin, weil Hausfrau sein auch Arbeit ist“. Darüber, dass es ein Beruf im wörtlichen Sinne ist, lässt sich streiten, oder auch nicht, zur Not hilft der Duden: Beruf = „[erlernte] Arbeit, Tätigkeit, mit der jemand sein Geld verdient; Erwerbstätigkeit“. Und genau hier liegt ja auch das Problem. Mir zumindest ist also unklar, was genau hier kritisiert wird.

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Die Täfelchen der Jungen Alternative sind voll mit ebensolchen sinnbefreiten Plattitüden, die jede Form der Rhetorik  einer Schulzeitung (Schlagzeile „Warum Emanzen doof sind“) kennen und keine Form der logischen Nachvollziehbarkeit oder schlüssigen Argumentation. Auf den schönen Schildchen der Partei „Generation Talkshow macht Politik“ könnte ebenso gut stehen: „Ich bin kein Kreis, weil ich rund bin und kein Ende habe.“ Diese Aussage ist in etwa so verständlich wie manche Statements der Jungen Alternative. Ein weiteres Statement fällt auch in diese Kategorie: „Ich bin keine Feministin, weil ich als Frau auch selbst in der Lage bin über mich zu bestimmen“. Ich übersetze: „Ich bin kein Fisch, weil ich auch selbst schwimmen und unter Wasser atmen kann.“

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Das Problem ist, dass die Junge Alternative schlicht und ergreifend falsche Prämissen benutzt. Was sie kritisieren, ist ein Phantasieprodukt, ein Klischee über Feminist_innen und „Emanzen“, das wie gesagt, vor allem in Talkshows und Klassenzimmern propapagiert wird. Sie operieren ganz offenkundig mit einer Variable von deren Beschaffenheit sie absolut keine Ahnung haben.

Ein einfaches Beispiel: „Ich bin keine Feministin, weil ich durch Leistung meine Ziele erreichen werde und durch keine Quote“. Hier geht die Alternative von mindestens zwei falschen Annahmen aus, denn:

  1. Will die Quote die Bevorzugung einer Frau in einer männerdominierten Branche bei gleicher Leistung. Die Quote ersetzt also nicht die Leistung und außerdem möchte die Quote ebenso, dass Männer bei gleicher Qualifikation in einer von Frauen dominierten Branche vorgezogen werden. Die Quote ist also nicht mal nur ein Feminismus, sondern wenn man so will auch ein Maskulismus.
  2. Nicht alle Feminist_innen sind für die Quote.

 

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Und so weiter. Nichts gegen Kritik am Feminismus, nichts gegen Kritik vor allem an Ideologie. Nichts per se gegen die Annahme, dass Feminismus – so wie jede andere Bewegung und Denkrichtung auch – ideologische Züge annehmen und tragen kann. Was uns aber hier begegnet ist reine Polemik, vielleicht sogar einfach auch nur plumpe Provokation, auf die ich reinfalle und einer Partei, die angibt mit den Mitteln der Vernunft zu arbeiten, nicht besonders würdig.

Zum Stichwort Ideologie noch zwei Schmankerl der Jungen Alternative: „Ich stehe auf Frauen, die den Feminismus ablehnen, weil ich wahre Weiblichkeit wunderschön finde!!!“ Soso, die wahre Weiblichkeit also findet der Anti-Ideologe wunderschön. Die da wäre, Herr (wahrhaft-männlich-wunderschöner) Ideal-Befreiter?

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Des Weiteren tritt die Alternative für Deutschland (also sozusagen ihre „Mutterpartei“) für eine Quote an deutschsprachiger Musik in Deutschlands Radios ein. Ja, dieser heftigen Diskriminierung deutscher Popstars sollte unbedingt mit einer Quote begegnet werden. Und außerdem gehört wieder mehr Musik in der guten, alten deutschen Muttersprache in Deutschlands Radios. Sehr vernünftig. „Ich bin kein junger Alternativer, weil ich durch gute Musik die Charts erklimmen möchte, anstatt durch die Quote.“ Hupps ich meinte ich bin kein Feminist, weil… eh.

Die meisten Statements kann mensch am Ende des Tages ohnehin nicht ernst nehmen und die meisten verlangen zumindest mir nicht mehr als ein müdes Lachen ab. Wo aber mein Humor endgültig sein Ende findet, ist bei der Darstellung des durchgestrichenen Symbols, das das männliche und weibliche Zeichen vereint zeigt. Das ist nicht mehr einfach nur Dummheit, sondern ein echter Angriff gegen alle Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht in „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lassen. Wenn vielleicht auch unterschwellig, ist ab hier echte Feindseligkeit gegenüber Menschen spürbar, die nicht einem männlichen und weiblichen Menschenbild entsprechen und dementsprechend grenzwertig.

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Alles in allem sehr beeindruckend damit zu werben, Ideologie abzulehnen und dabei eine so klar ideologische Linie zu vertreten und zu propagieren, was die Geschlechterdichotomie betrifft, so dass die Partei sogar soweit geht, die Existenz von Menschen zwischen den Polen männlich-weiblich einfach mal zu streichen und damit nicht nur Tatsachen, sondern auch ihre unmittelbaren Mitmenschen.

Trotz allem bleibt insgesamt vor allem die Dummheit als Gesamtbild hängen und im schlimmsten Fall eine Welle des Fremdschams.

die göttinnenspeise

19 thoughts on “Fremdschämen = Antifeminismus + Junge Alternative

  1. Liebe göttinenspeise, tausend Dank für diesen genial treffend gelungenen Artikel, der mir aus der Seele spricht und so präzise meine Reaktionen auf diese Fotoserie wiedergibt. Fremdschämen trifft den Nagel auf den Kopf.

  2. wow was für ein intelligenter artikel. ihr müsst ja echt angst haben vor der JA wenn ihr es nötig habt sowas zu schreiben *lach* da fühlt sich jemand in seiner nicht vorhandenen integrität angegriffen :-)

    • Bei der Steilvorlage durch die JA bietet es sich doch an, einen Kommentar zu schreiben. Angst sollte da wohl eher die JA haben, naemlich vor der eigenen Argumentation, denn der Kommentar analysiert ja eindeutige Fehler in den Schlussfolgerungen der JA.
      Und ja, natuerlich ist der Artikel intelligent. Die Autorin heisst ja nicht zum Spass Goettinnenspeise. Die schreibt sogar mit 41 Grad Fieber im Vollsuff noch schlauere Artikel als die JA. :)

    • Leute wie du sind mir die liebsten. Unfähig, selbst mit irgendwelchen Argumenten aufzuwarten, bleibt als einzige Möglichkeit, um auch irgendwie mitzureden, die Kritik als unnötig runterzumachen. Extra Loser-Punkte gibt’s für deine peinliche Passiv-Aggresivität. Bravo, ganz große Leistung.

      Und im Übrigen kann ich mich punschkrapfen nur anschließen, so eine Peinlichkeit wie die Aktion der JA bettelt geradezu darum, auseinander genommen zu werden.

  3. „Ich bin keine Feministin, weil `Hausfrau´ sein auch ein Beruf ist.“

    Ich bin noch immer postgender, wobei jede und jeder das Recht hat, als Hausfrau oder Hausmann zu leben, wenn das für sie/ihn und Partner(in) das gewünschte ist.

    Es ist für mich OK, wenn von 2 Lesben eine Hausfrau ist, genauso wie bei einem Heteropaar Hausmann oder Hausfrau.

    Normalerweise erhielt in bürgerlicher Ehe die Hausfrau ein regelmäßiges Wirtschaftsgeld, im Ehegesetz dürfte das sogar en detail gesetzlich geregelt sein. Also von wegen unbezahlt, nur der Staat schneidet keine LohnSt, SV und USt mit!

    • Beim ersten Teil stimme ich dir zu. Hausmann/-frau sein zu wollen ist völlig in Ordnung und nicht besser oder schlechter, als arbeiten gehen zu wollen. Das Problem ist nur, dass Hausarbeit in der Realität immer noch vorwiegend „Frauenarbeit“ ist und keine Anerkennung bekommt. Das wiegt ganz besonders schwer, wenn sie mit Kinder- bzw. Alten-/Krankenbetreuung einhergeht. Und ich glaube das Wirtschaftsgeld bringt nicht viel, wenn die Ehe irgendwann aus ist, und die Hausperson dann alleine da steht. Ist denke ich noch ein gutes Argument für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.

  4. Die Wikiepedia Definition ist hier gar nicht angebracht. Die JA scheint hier den „Real existierenden Feminismus“ zu kritisieren. Und bei einer fixen Qoute die für ARs gefordert wird, wird eben nicht nur die Frau bei gleicher Qualifikation vorgezogen, sondern solange bis die Quote erreicht ist.

    • und wo entkräftigt das jetzt das argument? „scheint“ den real existierenden feminismus zu kritisieren – welchen? und wo meint die „ja“ diesen feminismus zu sehen? wo ist die deklaration, die bezugnahme, die differenzierung?

      feminist_innen sind sich wie gesagt bei der quotensache nicht besonders einig. da gibt es verschiedene vorstellungen, zielsetzungen, hintergründe. deswegen ist die aussage an sich, kein_e feminist_in zu sein, weil man quote ablehnt einfach zu wenig, unschlüssig, streng genommen einfach falsch.

      und auch die „fixe quote“ meint vice versa männerquote. mit dem unterschied, dass sie in den meisten bereichen nicht nötig ist und deswegen unsichtbar und auch kein aufreger – da eh von männern überhaupt oder ab einer bestimmten position überbesetzt. aber sonst gilt da das gleiche für männer und frauen. wo also der ideologische feminismus?

      erklärt ein prozentsatz von ca 94% spitzenpositionen im beruf auf männerseite, dass frauen weniger leisten? wenn wir von einem 50:50 verhältnis (männer : frauen) ausgehen bringen 94% aller frauen schlichtweg zu wenig leistung und sind deswegen nicht in spitzenpositionen der wirtschaft? zu blöd, zu unqualifiziert, zu viele kinder…. oder warum? erklär mir, bin gespannt. also vorausgesetzt du hast eine erklärung dafür, denn davon hast du in deinem post ja nicht unbedingt geredet und tu ich dir jetzt vielleicht unrecht damit zu kommen.

      dennoch vielleicht keine schlechte frage hingehend warum es die überlegung einer so kritisierten quote überhaupt gibt. wie kommen diese prozente zu stande? an der unterqualifikation von frauen kann es kaum liegen.

  5. Pingback: AfD: Weiter nach rechts | Gegen Abtreibungsverbot und christlichen Fundamentalismus!

  6. „in weiteres Statement fällt auch in diese Kategorie: „Ich bin keine Feministin, weil ich als Frau auch selbst in der Lage bin über mich zu bestimmen“. Ich übersetze: „Ich bin kein Fisch, weil ich auch selbst schwimmen und unter Wasser atmen kann.““

    Das einige feministische Richtungen schon darauf abstellen, dass viele Frauen nicht über sich selbst bestimmen, sondern durch ihre Geschlechterrollen quasi fremdbestimmt sind, kann man aber schon sagen.

    Das läuft dann unter Stichwörtern wie „verinnerlichter Sexismus“ oder umgekehrt eben unter „Wohlwollende Diskriminierung“, bei der ja auch davon ausgegangen wird, dass die Frau insoweit lediglich durch das Rollenbild geleitet ist und nicht bewußt bestimmte Rollen einnimmt um damit Vorteile, die sie für wichtig hält zu erlangen

    • Dass manche, vielleicht sogar viele Richtungen des Feminismus sagen, dass das Verhalten vieler Frauen (bzw. Menschen generell) auf ihre Praegung durch die Gesellschaft zurueckgeht, also auf diese Art zumindest teilweise fremdbestimmt ist, stimmt schon, falls du das meinst. Allerdings ergibt die Schlussfolgerung der JA trotzdem keinen Sinn, denn der Sinn des Feminismus war, eben solche Arten von Fremdbestimmung (z.B. durch gesellschaftliche Normen, geschlechtsspezifische Erziehung, etc.) zu erkennen und diese Strukturen zu durchbrechen.

      Dass es immer noch viele Frauen gibt, die nach traditioneller Rollenverteilung leben, mag schon sein, eben vielleicht deshalb, weil sie eben so gepraegt wurden – sie haben es immer so erlebt und das spaeter nicht in Frage gestellt. Das Gleiche trifft auf viele Maenner zu. Menschen sind Gewohnheitstiere, und sie sind ziemlich dressierbar, vor allem als Kinder. Manche brechen spaeter aus angelernten Mustern aus, viele nicht.
      Und viele Menschen haben auch Angst vor Veraenderung – allen voran logischerweise viele Konservative – und umso mehr, desto weniger sie verstehen, was eigentlich das Ziel der Alternativbewegungen ist.

      Diesen Eindruck habe ich bei den abgebildeten JA-Frauen auch. Vermutlich sind sie konservativ erzogen; vermutlich haben sie eine Vorstellung vom Feminismus, die auf sie unangenehm wirkt. Sie bejammern beispielsweise „Gleichmacherei“ und beziehen sich damit auf queer theory, obwohl das Ziel der queer theory eigentlich das genau Gegenteil ist, naemlich nicht der Zwang, alle Menschen an ein Normverhalten an den Tag zu legen haben, sondern die Freiheit von Menschen, ihr Verhalten voellig frei zu waehlen, ohne dass ihnen deshalb wegen ihres Geschlechts Vorgaben gemacht werden. Wie soll also etwas, was ohne Normen auskommt, normierend wirken?
      Letztendlich ist diese antifeministische Haltung meines Erachtens also einfach nur das Resultat einer Angst vor der eigenen Fehlinterpretation diverser alternativer Bewegungen und Ideen.

      • „Wie soll also etwas, was ohne Normen auskommt, normierend wirken?“

        Es wirkt dann normierend, wenn es einem vorschreibt, Normen abzulehnen. Davon gibt es echt viele Beispiele. Ein einfaches wäre „pinkstinks“, ein anderes die Ablehnung von verhalten, welches Geschlechterrollen reproduziert.
        Wenn normgerechte verhalten stets gebrochen werden muss ist das natürlich eine Beschränkung und eine Vorschrift.

        Ich habe gerade zwei Artikel dazu, die genau dieses Problem behandeln

        http://allesevolution.wordpress.com/2014/02/10/geschlechterrollen-haufungen-wird-es-immer-geben-dies-darf-aber-keinen-konformitatszwang-erzeugen/

        http://allesevolution.wordpress.com/2014/03/26/aufbrechen-von-geschlechterrollen-freiheit-vs-zwang-in-andere-richtung/

        Die queertheorie mag insoweit persönliche Freiheit als Ziel haben, das mittel, um diese für die Gesellschaft zu erreichen, sieht aber über das aufbrechen von rollen und die Auffassung, dass hierfür eine Reproduktion vermieden werden muss zumindest in dieser Übergangsphase Abwertungen normgerechten Verhaltens vor. Aus meiner Sicht wird man aus dieser Übergangsphase nie herauskommen.

        Ich bezweifele auch, das dort die Theorien gut verstanden worden sind, aber die Wirkung haben sie durchaus erfasst.

        Interessant Funde ich aber deine Aussage, dass Menschen Gewohnheitstiere sind. Sie sind noch im weit aus größeren Maße Tiere, gerade auch im Geschlechterbereich. Dieses tierhafte wird denke ich von der Queertheorie zu wenig berücksichtigt. Insbesondere blendet sie sexuelle Selektion, eines der wesentlichen Prinzipien der Evolutionstheorie vollständig aus. Habe ich auch mal was zu geschrieben
        http://allesevolution.wordpress.com/2010/07/11/queer-theorie-evolution-und-attraktiviat/

      • Das mit dem Vorscheiben des Ablehnens gegen Normen ist in queer-feministischen Kreisen teilweise tatsächlich ein Problem, aber auch hier gibt es verschiedene Strömungen und Standpunkte.

        Einerseits: Ja, es gibt Feministinnen, die alles „stereotyp feminine“ kritisieren und ablehnen, und Freundinnen mussten sich schon anhören, warum sie sich bitteschön schminken, tiefer ausgeschnittere Tops anziehen etc. Zusätzlich gibt’s auch die Fraktion „tomboyartiger“ Frauen, die sich betont „männlich“ geben und ebenfalls für sich selbst von allem „femininen“ abgrenzen, und damit aber wieder nur die Hierarchie „männlich = gut, weiblich = schlecht“ reproduzieren. Die gibt’s und beides ist ein Problem und in meinen Augen eigentlich anti-feministisch.

        Andererseits gibt es aber eben genau gegen solche Positionen auch laute Gegenstimmen, die betonen, dass das Ziel des Feminismus ist, dass alle Menschen alles machen können sollen was sie wollen, ohne in irgendeine Richtung gedrängt zu werden. Sprich, vereinfacht gesagt: Mit Puppen spielen wollen ist okay, nicht mit Puppen spielen wollen ist okay. Nicht das „feminine Ding“ an sich ist das Problem, denn das ist genauso gut wie alles andere, und soll und darf nicht abgewertet werden, das Problem ist der Zwang auf Frauen und Mädchen (und im Übrigen auch auf Buben und Männer) sich „geschlechtstypisch“ zu verhalten.

        Und ich glaube genau in diese Kerbe schlagen Aktionen wie das von dir erwähnte „pinkstinks“. Zugegeben, der Name läßt vermuten, dass eine grundlegende Ablehnung alles „Pinken“ gegeben ist, aber ich habe eher den Eindruck, dass das Feinbild nicht „Pink an sich“ sondern vielmehr der Trend der „Pinkifizierung“ ist – also Mädchen von klein auf mit Pink und Prinzessinnen etc. zu bombardieren und ihnen als „ihres“ anzudrehen. Siehe auch den Slogan von pinkstinks: „There’s more than one way to be a girl.“ Dass diese Pinkifizierung tatsächlich passiert, dafür reicht ein Abstecher in die Mädchenabteilung eines Spielwarengeschäfts (und dazu gleich die Frage: Warum muss es überhaupt eine Buben- und eine Mädchenabteilung geben?) und kuriosierweise nimmt sie eher zu als ab (das absurde „gendern“ von Produkten will derzeit gar nicht abreißen, von Stiften bis Klebesticks bis Bier und wasweißich für Alltagsgegenstände muss es plötzlich alles auch extra „für Frauen“ geben. What. The. Actual. Fuck????)

        Kurzum: Dass diese penetrante, nicht abnehmenwollende Pinkifizierung radikal bekämpft wird ist gut und notwendig, damit Kinder von klein auf nicht sofort in pinke und blaue Boxen gesteckt werden, sondern sehen, dass sie alles alles alles machen/spielen/sein können, was sie wollen (wann kommt endlich mal eine Puppenwerbung mit Buben? Wann eine Lego-Piraten-Werbung mit Mädchen?). Aber: Dabei soll es nicht darum gehen, „Mädchenspielsachen“ abzuwerten, denn wie gesagt ist eine Puppe genauso gut wie Lego-Piraten.

        Bezüglich Queer Theory und Biologie, Evolution etc. Mir persönlich erscheint es nicht sinnvoll, biologische Forschung völlig auszuklammern und Genderfragen alleine aus philosophischen Perspektiven zu betrachten. Allerdings vermisse ich bei biologistischen Positionen oftmals die Anerkenntnis, dass die Gegenwart eben nicht mehr (Hausnummer) 100.000 v. Chr. ist und sich das menschliche Leben und auch die Umstände des Überlebens krass verändert haben und weiter verändern. Fähigkeiten, die früher überlebenswichtig waren, sind es heute oft nicht mehr, dafür werden andere Fähigkeiten wichtig und damit wohl auch attraktiver. Mir scheinen Verfechter biologisch-essentialistischer Positionen oft zu sehr „prähistorisch verhaftet“ und klingen so, als wäre immer noch Jagen und Sammeln an der Tagesordnung. Man braucht sich ja nur ansehen, wie vor Hundert Jahren über Geschlechterrollen gedacht und geschrieben wurde. Heute lachen wir darüber. Daher halte ich es nicht für weit hergeholt, dass sich Geschlechterrollen auch weiterhin noch radikal ändern werden.

  7. „Ich stehe auf Frauen, die den Feminismus ablehnen, weil ich wahre Weiblichkeit wunderschön finde!!!“

    „Multiple exclamation marks are a sure sign of a diseased mind.“
    (Terry Pratchett)

    Wunderschönes Beispiel dafür.

  8. [EDIT: Hier wurde kommentarlos vom Original-Poster ein Link veroeffentlicht, der auf eine Seite verweist, die unsachliche Behauptungen (wie z.B., dass die Einrichtung des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ eine Veruntreuung von Steuergeldern darstelle) als Studie getarnt zu verbreiten versucht. Der Link wurde deshalb entfernt. – sugarbox team]

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