vor-gelesen: „DAS machen?“ von Lilly Axster und Christine Aebi

Wir wollen euch Kinder- und Jugendbücher vorstellen, welche Geschlechterkonstruktionen hinterfragen und auch einen sogenannten pädagogischen Mehrwert haben. Als erstes Buch in dieser Serie freut es uns „DAS machen?“, erschienen im de’A-Verlag, von Lilly Axster und Christine Aebi zu präsentieren.

Ich gehe in die Volksschule, Klasse 4c. Die letzten fünf Tage waren anders als sonst. Wir hatten keine normalen Stunden, sondern Projektunterricht: Sexualerziehung.

„DAS machen? Projektwoche Sexualerziehung in der Klasse 4c“ ist bereits die vierte Zusammenarbeit von Lilly Axster und Christine Aebi. Die Bücher „Wenn ich groß bin, will ich fraulenzen“, „Jenny, 7“ und „Alles gut“ wurden jeweils mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis sowie mit dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Doch auch „DAS machen?“ braucht sich nicht zu verstecken. Ein sogenanntes Aufklärungsbuch, welches doch ganz anders ist als all jene, die unter die gleiche Sparte fallen. Laut den Autorinnen werden vordergründig Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis elf angesprochen. Doch auch Menschen, die nicht dieser Altersrange entsprechen, finden hier neue Anregungen und Blickwinkel. Aus dem Blickwinkel der 10-jährigen Ich-Erzählerin wird die Projektwoche Sexualerziehung erzählt und spannende Gesprächsräume aufgezeigt, auf welche ich als „Erwachsene“ beispielsweise nie gekommen wäre.

dasmachen

Das großformatige Buch sticht sofort mit seinen liebevollen Illustrationen ins Auge, die jedes Mal scheinbar Neues ans Tageslicht bringen. Hier werden visuelle und sprachliche Mittel verwendet um über Sexualität im weitesten Sinne zu sprechen, zu erzählen und zu hinterfragen. Mit einem humorvollen Ton, der dennoch stets von genau der richtigen Priese Ernsthaftigkeit begleitet wird, wird schnell klar, dass Sexualität auch immer etwas mit Identität zu tun hat und viel mehr ist und zu bieten hat als nur das Technische und Biologische.

Über den Inhalt an sich möchte ich gar keine Worte verlieren, sondern lieber das Buch selbst für sich sprechen lassen.
http://vimeo.com/50206725

Das Tolle an „DAS machen?“
Hier werden den Leser_innen keine normativen Praktiken aufgelegt oder aufgezwungen, es werden keine Fragen beantwortet. Stattdessen werden Fragen gestellt und Ideen und Gedanken in den Raum gestellt.

Aus der Sicht einer angehenden Volksschullehrerin
Sexualerziehung betrifft jede_n Schüler_in in Österreich. Sie ist ein Teil der sogenannten Persönlichkeitserziehung mit dem Ziel einer gemeinsamen Erfüllung und Befriedigung in einem wesentlichen Persönlichkeitsbereich. Im Lehrplan, der mehr oder weniger das Drehbuch des Unterrichts ist, heißt es, dass elementares Wissen vermittelt und eine positive Einstellung zur menschlichen Sexualität angebahnt werden soll.

Ganzheitliche Sexualität ist ein existentielles Grundbedürfnis des Menschen, zentraler Bestandteil der jeweiligen Identität und Persönlichkeit. Sie entfaltet sich vorgeburtlich und entwickelt sich kontinuierlich weiter, immer eingebettet in die Mitwelt mit unterschiedlichen Werten und Normen. Sexualerziehung liegt primär im Aufgabenbereich der Eltern, die Schule ergänzt und begleitet diese Erziehungsarbeit. Als Richtlinie hat das damalige Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur den Grundsatzerlass „Sexualerziehung in den Schulen“ erstmals im Februar 1970 herausgegeben. Auf Grund geänderter Lehrplanbestimmungen wurde dieser 1990 aktualisiert und ist in dieser Fassung bis heute gültig.

So viel zum offiziellen Quaqua. Eine Aufzählung mit Internetadressen (zusammengestellt vom bmbf), welche Unterrichtsmaterialien bereitstellen gibt es ebenso zuhauf. „Lustigerweise“ befindet sich dort auch der Link zu Aufklärungsstunde, wo dem_der aufmerksamen Leser_in doch gleich schnell klar wird, dass es sich hier um eine Werbeeinschaltung von Johnson & Johnson GmbH, die bekanntlich „Hygieneprodukte“ wie o.b. produzieren, handelt. Aber ich schweife ab, zurück zur Sexualerziehung in der Volksschule! „DAS machen?“ verzaubert! Wie schon zuvor von zimtschnecke angesprochen besticht das Buch sofort auf den ersten Blick mit den wunderbaren Bildern, auf die auch Kinder total stehen. Es ist ein Buch, welches sich ganz und gar nicht eignet im Klassenverband gemeinsam zu lesen. Aber darum geht es auch nicht. Als Lehrer_in kann man das Buch anbieten, den Kindern zur Verfügung stellen oder aber es als Ideenfabrik ansehen. Auch die dazugehörige Homepage bietet vielfältige Materialien und Anregungen angefangen vom Klassenwörterbuch, über Mandos Kleiderkasten bis hin zum sensiblen Thema Jonas‘ Wollhaut. Doch auch Renis erste Regel und Ronnies Auskunft finden hier Platz und zeigen das Queerness auch in österreichischen Schulen Platz hat.

Keine Frage also, dass es von uns eine absolute und 100prozentige Kaufempfehlung für dieses tolle Buch gibt. Das Buch „DAS machen? Projektwoche Sexualerziehung in der Klasse 4c“ von Lilly Axster und Christine Aebi ist direkt beim de’A Verlag erhältlich oder in unserem Lieblingsbuchladen ChickLit.

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