For today I am a boy

Auf der Rückseite der neuesten Ausgabe der Xtra! las ich heute den Veranstaltungstitel „Angst und Diskriminierung“. Das ist eine Veranstaltung der Grünen bei der auch Ulrike einen Beitrag leistet. Aber gut, eigentlich wollte ich heute über Angst schreiben, und das auf der Mikroebene sozusagen. Da fällt mir gerade ein, ich habe mich vor nicht all zu langer Zeit auf eine Stelle bei den Grünen beworben, das war eine Ausschreibung als Referent_in für LGBT Angelegenheiten. Dann kam das erste Antwortschreiben, in dem sie mich als „Frau soundso“ angeschrieben haben. Spätestens in solchen Zusammenhängen, bin ich dann dezent verärgert über die Ignoranz gegenüber Trans*. Eigentlich ist das ja auch eine Frage des Wissens, also ob ein Mensch sich über ein Thema weitreichend informiert hat, ich würde sagen, ob er_sie_es Selbstreflexion betreibt und wenn bekannt ist, dass es da etwas anzupassen gäbe, dies auch tut. Aber gut, das gehört in eine eigene Geschichte.

Eigentlich war ich bei dem Thema Angst, es sind ja eigentlich Ängste, weil eine allein ist nicht genug.

Ich habe da jemensch kennengelernt und da scheint sich irgendwas anzubahnen, um ehrlich zu sein und umgangssprachlich formuliert, „läuft da was“ zwischen uns. Und da ist dann schon die erste Angst, die von der gewohnten Sorte. Du triffst eine Person, die du einfach hinreißend findest und es tut sich alles mögliche in dir, die Welt steht ein wenig Kopf (eigentlich bist es du), und dann erwidert dein Gegenüber auch noch etwas und dann, ANGST.

Vielleicht trifft es mich auch so, weil es so unerwartet kam, ich wollte eigentlich weiterhin durch die Welt spazieren und mich mit dem beschäftigen was eh‘ schon ausreicht, heißt, ich bin sozusagen ausgelastet an Herausforderungen. Aber gut, ich zähle zu den Menschen die (behaupten) gerne ihren Gefühlen zu folgen und deshalb kann ich gar nicht anders, als nachspüren zu wollen, was das denn jetzt ist. Es ist auch einfach viel zu schön und dafür spüre ich mich viel zu gerne, als das ich jetzt nein sagen möchte.

Aber gut, die Konsequenz daraus ist, ich lasse mich darauf ein und habe Angst verletzt zu werden und ja, das stresst mich auch.

Doch das alleine reicht eben nicht aus, deshalb vermischt sich dieses Gefühl damit, dass ich Schiss habe, dass mein Trans* sein, mich als Transgender Person zu verstehen und vor allem, damit einhergehende körperliche Veränderungen, für mein(e) Gegenüber abstoßend wirken (können). Nicht, dass ich diese Gedanken nicht auch schon vor meiner „neuen“ Begegnung hatte, aber jetzt wird es sozusagen wieder praktisch und unmittelbar relevant und ich muss feststellen, das macht was aus.

Während ich das niederschreibe, frage ich mich gerade ob ich diskriminierend bin, weil ich davon ausgehe, dass einige von mir als lesbisch gelesene, oder sich als lesbisch definierende Personen, mir gegenüber ablehnend sein werden. Naja, im Mindesten ist es eben eine heftige Vorstellung, respektive führt diese Idee dazu, dass ich mich schlecht fühle. Auch ich möchte begehrenswert sein, und das auch bleiben, und zwar und vielleicht auch verständlich, für die Menschen die ich anziehend finde. Und die Vorstellung in einer Verbindung mit einem mir (sehr) lieben Menschen zu sein, in der auch Sexualität gelebt und geteilt wird, und ich entzaubere mich für mein(e)(n) Liebmensch(en), das ist ehrlich gesagt, ein furchtbare, sehr schmerzvolle Vorstellung.

Interessanterweise beeinflussen meine Gedanken zu meiner optional verändernden Attraktivität meine Überlegungen zur Testosteron-Einnahme, da war ich mir ja eigentlich schon ganz sicher. Ok, sicher ist jetzt vielleicht übertrieben, aber, es gab diese ansteigende Annäherung an den Moment die sogenannte „Hormontherapie“ zu starten. Und jetzt? Verwirrung und Unsicherheit! Wiedermal.

Eigentlich stellt sich die Frage, wie sich die verschiedenen Bedürfnisse verknüpfen lassen und derzeit, habe ich nicht DIE Antwort darauf. Vielleicht verlange ich (von mir) auch zu viel und es gibt eben nicht DIE Antwort, sondern es gibt eine Praxis und ein Ausprobieren und es braucht dann auch Menschen auf unseren Wegen, die dich begleiten und da sind, auch wenn du „auf einmal“ anders aussiehst, dich anders anspürst und vielleicht sogar anders riechst. Falls sich die eine* oder der andere* Leser_in heimlich oder laut fragt, ob ich selbst nicht von diesen Veränderungen irritiert sein könnte, natürlich! Und wie! Auch darüber denke ich nach, auch das ist einer meiner Ängste, was bedeutet das für mich ganz persönlich und wie werde ich damit klar kommen?!

Im Übrigen, ein kurzer Nachtrag zu meinem letzten Beitrag. Die PÄ (Personenstandsänderung) ist immer noch nicht erledigt, da war ich wohl zu optimistisch. Und zwar muss ich das in einem anderen Bundesland erledigen als in Wien, was erhebliche Hürden bedeutet. Denn dort in dem anderen Bundesland wollen sie ganz viel von mir. Sie wollen feststellen, dass ich wirklich und aufrichtig Trans* bin. Da könnte mensch sagen, das ist ja nur anstrengend und wenn ich jetzt so drüber nachdenke, hat es mir zumindest Zeit gebracht. Zeit in der ich darüber nachdachte ob ich das wirklich möchte, nochmal alle Konsequenzen und möglicherweise unerwünschten Nebenwirkungen durchkauen konnte und jetzt?!

Es ist immer noch so, dass ich zweifle, weil es Konsequenzen haben kann, die ich nicht abschätzen kann, und weil es sich immer noch mal schräg anfühlt sich wie ein_e Abtrünnige_r zu fühlen, ein Mensch der eine Gruppe verlässt und nicht mehr zurückkommen kann und darf. Und, gleichzeitig, denke ich mir, ich will! Ich möchte mein Geschlecht förmlich ändern (lassen). Und ich werde es mir erkämpfen!

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