Ich muss nicht deine Sprache lernen!

PerfektHaben

Sprache ist unsere Alltag. Es ist erwartet, dass wenn man nach ein anderes Land zieht, lernt man auch die Sprache die dort gesprochen wird. Es ist auch Sinnvoll, weil es viele sachen leichter macht (Job finden, Wohnung finden, Freund*innen finden), aber es darf nicht ein Zwang werden. Es ist für jeder mensch selbst zu entscheiden ob sie die Sprache lernen wollen oder nicht. (Natürlich bin ich aber voll dafür, das deutschkurze unterstützt werden soll und zugänglicher.)

Die Intoleranz gegen Menschen die nicht Deutsch sprechen, oder Deutsch fehlerhaft sprechen, mit Akzent oder Grammatikfehler, macht mich wahnsinnig. Es betrifft mich immer persönlich weniger weil ich immer mehr lerne, (aber ich fühle mich noch unsicher, vor allem bei Deutsch schreiben).

Vor drei Jahre bin ich hierher gezogen. Ich bin eine fleissige Studentin und lerne Sprachen ziemlich schnell, doch habe ich immer noch ein paar Lucken in mein Deutsch. Diesmal werde ich nicht diese Artikel korrigieren lassen, wie ich normalerweisse mache wenn ich für sugarbox schreibe.

Wir erwarten uns, das gewisse Sachen immer fehlerfrei geschrieben werden sollen. Eigentlich alles was nicht an Freunde und Familie gesendet werden soll, sollte grammatikalisch korrekt sein und ohne Rechtschreibfehler. So wenn ich für eine meine Organisationen ein Email schreiben will, muss ich es immer korrekturlesen lassen. Wenn ich eine sugarboxstatus auf facebook schreibt und irgendwas nicht passt, wird es gelöscht und wieder hochgeladet von wen anderen. Es ist ganz normal so! Aber warum?

Die Sprache sagt so viel aus über uns. Alter, Herkunft und Ausbildung vor allem. Wenn jemand nicht korrekt schreibt, glaubst du entweder, sie ist sehr jung, sie kommt aus dem Ausland, oder ihre Ausbildung war nicht gut. Und wie behandeln wir solche menschen? Wir nehmen sie nicht ernst. Es ist so fucked up.

Sprachliche Fähigkeiten haben nichts mit anderen Fähigkeiten zu tun.

Wenn jemand ihre Meinungen nicht ernst genommen werden, weil sie nicht korrekt schreibst, verlieren wir wichtige Stimmen.

Und dann ihre Text nicht publizieren zu wollen, ein Text nicht lesen zu wollen weil zu viele fehler drinnen sind, ein Email nicht antworten wollen, es ist einfach Diskriminierung. Und wir wissen ja nicht, ob die Person aus dem Ausland kommt, ob sie Dyslexi hat, oder nicht eine vollständige Ausbildung hat. Egal aus welchem Grund, es darf keine Rolle spielen.

Deutsch ist nicht zugänglig für alle. Ich weiss nicht wie viel Geld ich ausgegeben habe für alle meine Deutschkurse, aber ich kann sagen, es war viel. Um es billiger zu bekommen brauchst du schon Kontakte oder Grundkentnisse in Deutsch um überhaupt dich dafür bewerben zu können. Um Deutsch zu lernen brauchst du viel Zeit die du sonst verwenden könnte um zu Arbeiten, und hast du nicht Geld, ja dann ist es schwer, sich diese Zeit zu nehmen. Und dann hängt es ab von deine Grundkentnisse in Sprachen lernen, ob du überhaupt Erfahrungen von anderen Sprachen hast, wie ähnlich deine Muttersprache Deutsch ist, ob du talentiert bist, ob du Hilfe bekommst, ob du Freund*innen hast mit denen du Deutsch sprechen kannst, ob du überhaupt die Energi da reinstecken will, und so weiter und so weiter.

Wann haben wir eigentlich angefangen, die Sprache zu reglieren? War es immer so einheitlich, wie in den letzten hundert Jahren oder so? Ich denke nicht!

Sollten wir nicht diese vielfalt Umarmen? Die kreativste Wörte höre ich von meine Freund*innen die (so wie ich) nicht richtig Deutsch kann, die einfach manchmal etwas neues Erfinden mussen um ihre Meinung zu sagen. Oder Sprüche und Formulierungen aus ihre Muttersprache einfach übersetzen! Es ist super toll!

Bitte, hör auf Sprachpolizist*innen zu sein. Wenn ich korrigiert werden möchte, sage ich das. Aber es ist sehr abhängig von Person zu Person. Bitte frag immer, ob sie das wollen, bevor ihr es macht! Es kann auch manchmal sehr irritierend und sehr beleidigend sein.

Nimm euch Zeit, jemand zuzuhören, die nicht so schnell sprechen kann, die lange nach Wörte suchen muss, die fünf Sätze braucht um etwas zu sagen, was ihr in einem Satz sagen würde. Unterbrich sie nicht, füll ihre sätze nicht aus, glaub nicht, dass ihr weisst, was sie sagen will. (Manchmal ist aber natürlich Hilfe willkommen. Aber wie gesagt. Wir sagen es euch.) Ob ihr wirklich nicht versteht, frag ob die Person es anders sagen kann.

Mach ein Platz in eure Veranstaltungen. Wenn ihr gefragt werden, ob jemand wirklich ein Vortrag oder ähnliches haben sollen, weil ihre Deutsch nicht gut ist, sag ihnen das es kein Problem ist! Wir müssen zuhören können! Wir müssen die möglichkeit anbieten, gehört zu werden, auch an denen, die nicht Deutsch sprechen!

Sag niemals ”wie soll ich dich ernst nehmen können wenn du nicht mal Deutsch richtig kannst” – du hast keine Ahnung, keine geringste Ahnung, welche Voraussetzung diese Person hast. (Ich habe es so oft gesehen, gerade diese Kommentar. Auch sogar in unserem eigenen Kommentarsfeld auf der sugarbox). Nochmal: Sprache und inhalt sind zwei ganz verschiedenen Sachen.

Und können wir auch die Vorstellung weglassen, dass alles immer so Perfekt sein muss? Warum glauben wir, wir werden nicht ernst genommen, falls in einem Email Schreibfehler ist? „Es ist so unprofessionell!“ Oh mein gott! Ja, weil wir uns Blind auf die Sprache schauen, und nicht Inhalt lesen wollen. Weil steiffe Strukturen sagen, richtig schreiben muss man, um zu zeigen, dass man gebildet ist. Und nur gebildete Leute sind wichtig, oder?

In unsere alternative queere feministische antirassistische offene szene, die wir es so gerne schön beschreiben wollen, dürfen wir nicht personen diskriminieren Aufgrund ihre Deutsche fähigkeiten. Deutsch lernen ist ein Wahl, kein Zwang. Es ist nicht für alle leistbar. Es ist nicht für alle möglich. Es ist nicht für alle überhaupt ein Wunsch, Deutsch zu lernen, obwohl sie hier wohnen, und das ist auch vollkommen ok! Aber wir müssen schauen, dass sich alle willkommen fühlen, und das alle gehört werden, auch wenn sie die Sprache anders verwenden als was der Norm ist.

25 thoughts on “Ich muss nicht deine Sprache lernen!

  1. In einer neu erlernten Sprache ueberhaupt sprechen und schreiben zu koennen ist auf jeden Fall schon mal gebildeter als sich in der eigenen Muttersprache darueber zu beschweren, dass andere diese nicht fehlerfrei beherrschen. Daran sollten alle Muttersprachler_innen vielleicht auch mal denken, bevor sie anderen mangelnde Sprachkenntnisse vorwerfen.

  2. Du hast absolut recht! Gut gesagt! Ich unterrichte Deutsch für Erwachsene, und ganz oft muss ich meinen Schülern erstmal vermitteln, dass sie GUT Deutsch sprechen, dass sie sich TRAUEN dürfen, zu reden, zu reden, zu reden, dass es OKAY ist, kreativ zu sein und Fehler zu machen … bevor sie mitarbeiten können. Ganz viele Leute kommen in einen Sprachkurs auf hohem Niveau und schämen sich dafür, dass sie überhaupt einen Sprachkurs brauchen. Dabei ist das doch ganz normal! Deutsch ist keine einfache Sprache, und ich bin jeden Tag aufs Neue von meinen Schülern beeindruckt, die sie so gut beherrschen, wie ich selbst noch nie eine dermaßen komplexe Fremdsprache gelernt habe.

  3. Grundsätzlich: ja, ich stimme zu. ABER: ‚..es ist nicht der Wunsch von allen, die Sprache zu lernen auch, wenn sie hier wohnen etc…‘ – DAS erachte ich als Respektlosigkeit. Es ist unfair jede(r) gegenüber, die/der z.B. in einem Amt sitzt und sich dann zusammenreimen darf, was die Person von ihr/ihm will (denn in den meisten Fällen ist wohl kein(e) Dolmetscher_in mit). Und dann z.B. auf Englisch auszuweichen und anzunehmen, dass das Gegenüber das Anliegen auch in der Sprache erörtern will, das wäre vermessen und vermutlich auch bei einigen im Amt oder sonstwo vergeblich, weil er/sie die Sprache gar nicht spricht.

    Ich kann nicht verstehen, wie man sich weigern kann oder keine Lust haben kann, die Sprache des Landes, in dem ich immerhin zu wohnen gedenke, nicht zu lernen. Sogar im Urlaub schnappt man doch Sätze und Wörter auf und bemüht sich, irgendwas zu verstehen, nein? Wie also kann es sein, dass die Sprache meiner Umgebung mich nicht interessiert? Es ist respektlos und sagt mir: ich interessiere mich nicht genug für dein Land, es ist mir egal und es ist mir auch egal, dass ich es anderen schwerer mache (z.B. im Krankenhaus oder sonstwo) mit mir zu kommunizieren. Mit welchem Recht nimmt man an oder geht davon aus, dass sich z.B. im Krankenhaus schon jemand finden wird, der/die meine Sprache spricht und der ich dann z.B. meine Krankheitsgeschichte etc.. erzählen kann?

    Was machst du denn, wenn du einen Unfall hast und allergisch auf gewisse Mittel bist? Wie teilst du das denn dann den SanitäterInnen mit?
    In der Schule, bei Elternsprechtagen: wie erfährst du denn von der Lehrerin deines Kindes, wie dein Kind in der Schule ist? Was es vielleicht von daheim an Unterstützung noch benötigen würde etc…? Soll sich die Lehrerin jetzt auch noch um eine(n) DolmetscherIn bemühen oder am besten deine Sprache lernen?

    Wie viele Kinder gibt es, die oftmals nicht zur Schule gehen können weil die Eltern sie beim Arbeitsamt oder sonstwo als ÜbersetzerInnen mißbrauchen? Ein einziges wäre zuviel, denn es kann und soll nicht Aufgabe der Kinder sein die Angelegenheiten ihrer Eltern zu regeln.

    Verstehe mich nicht falsch: es geht mir nicht um KORREKTES Deutsch und es muss auch keineswegs auf B2-Niveau sein etc.., aber sich verständigen, das sollte man schon können wollen. Das Wichtigste mitteilen, dazu sollte man in der Lage sein. Und das wäre doch auch für dich feiner, nicht von anderen abhängig sein zu müssen, oder? Schließlich kannst du dich ja mitteilen. Also war dir das wohl auch wichtig…
    Ich stimme also zu, dass es keineswegs vonnöten ist, grammatikalisch und was-weiß-ich wie richtiges Deutsch zu sprechen oder zu schreiben. Und Deutsch zu lernen ist keine einfache Angelegenheit. Die Basis aber zu lernen, das finde ich wichtig. Und respektvoll.

    • Interessant, dass der Artikel manche dazu bemüßigt (wieder) in den Kategorien „falsch“ und „richtig“ zu agieren, anstatt zuzuhören, oder in diesem Falle zu lesen und darüber nachzudenken, was die Intention der Person sein könnte
      .
      Ich finde deinen Beitrag mitunter paternalistisch, ich-zentriert, nationalistisch (dein/meinLand).

      Und unter Respekt verstehe ich insbesondere die Entscheidung und Wünsche einer PErson anzuerkennen, auch wenn sie (vermeintlich) und unter Umständen meinen gegenüber konträr stehen.

  4. also zuerst mal finde auch ich den artikel super und wichtig und drückt vieles aus woran es in diesem bornierten, selbstverliebten land so hartnäckig mangelt. danke zuckerwatte für den mut und den artikel!

    ich denke auch, dass antonia die intension des artikels an sich vielleicht entweder nicht ganz verstanden hat oder in ihrem kommentar vielleicht einfach nur nicht mit-ausgedrückt hat.

    ich würde das argument ganz anders ausdrücken, nämlich dass es absolut abgesehen von dümmlichen anpassungsforderungen oder sonst was ganz pragmatisch betrachtet natürlich situationsbedingt ein PROBLEM darstellen kann, wenn jemand einfach GARNICHT die gängige sprache spricht. aber ich würde das jetzt nicht pauschal mit respektlosigkeit betiteln und finde diesen ausdruck total vergriffen – so wie zuckerwatte es ja beschreibt – mensch kann sich niemals über die hintergründe und motive sicher sein und sollte hier so vorurteilsfrei wie möglich bleiben.

    sprich in der rein hypothetischen situation, die antonia meint, jemand wollte einfach wirklich die sprache nicht lernen OBWOHL er_sie die möglichkeit dazu hätte, würde ich hier zwar nicht von respektlosigkeit sprechen oder ignoranz dem heiligen land gegenüber, sondern von verantwortung sich selbst gegenüber, wenn man situationen heranzieht wie antonia sie beschreibt. ich glaube das ist der bessere ausdruck. wenn ich in ein land ziehe wo eine mir fremde sprache gesprochen wird ist es MEIN interesse mich verständigen zu können, aber hier sind wir ja genau bei dem punkt den zuckerwatte ja in meinen ohren so schön dargestellt hat: es ist MEIN interesse, MEIN problem, MEINE entscheidung, MEINE lösung.

    da habe ich als muttersprachlerin nicht darüber zu urteilen, am ende ist das das problem des betroffenen und nicht meins. jede_r trägt hier die verantwortung selbst, und wenn ich eine lehrerin bin und kann mich weder auf deutsch noch auf englisch mit den eltern verständigen, liegt es ebenso in meiner macht und verantwortung höflich zu sagen: tut mir leid, ich kann kein gespräch mit ihnen führen und habe auch keinen dolmetscher, wir müssen das hier an dieser stelle leider abbrechen“ oder halt zu signalisieren oder so. und dann muss jede_r halt schaun wo er_sie bleibt. woher nehme ich das recht zu sagen „sprich gefälligst meine sprache!“? da genügt: aha du sprichst keine mir bekannte sprache und die konsequenz is halt, dass ich mich mit dir nicht unterhalten kann, und? und dann müssen die eltern dem kind erklären warum es kein feedback von der lehrerin für es gibt und nicht ich. wenn mensch jetzt einfach mal voraussetzt, dass im schulsystem die deutsche sprache als hauptinstrument verankert ist. und wie ich persönlich das FINDE, ob ich das als verantwortungslos von den eltern empfinde oder was auch immer, kann ich mir natürlich denken und da darf ich eine meinung dazu haben, aber kein politikum draus machen. denn am ende geht es mich einfach nix an.

    am ende also alles dinge wo ich kein urteil fällen muss, das bin ich und das bist du und jede_r ist selbst dafür verantwortlich und kann sich entscheiden dazu wie und warum er_sie so lebt, lernt oder eben auch nicht.

    und weil du, antonia, auch krankenhäuser ansprichst: OJA, da ist es oder wäre es SEHR wohl die aufgabe und pflicht des krankenhauses dolmetscher_innen oder sonst was parat zu haben, weil es natürlich immer passieren kann, dass mensch mit notfällen konfrontiert wird, die der deutschen sprache aus was auch immer für gründen nicht mächtig sind!! zu kurzer aufenthalt, keine kohle für deutschkurs, WHATEVER. das ist ein grundrecht zu medizinischer versorgung zu kommen SCHEIß EGAL vor welchen hintergründen ich mich bewege und es ist die pflicht des systems dieses grundrecht für jede_n sicher zu stellen.

  5. vorab – ich beziehe mich nur auf den artikel.

    Ich habe immer den eindruck gehabt, dass wenn man nur die sprache gut genug kann, dass dann auch der rassismus aufhört.
    also das war sozusagen mein frommer wunsch.

    ich mochte mich dem thema rassismus auch nie so wirklich nähern, da ich selbst (ich sag das jetzt mal von mir) ideologisch so weit weg davon bin. gerade mit einem ordentlichen anteil an ausländerfeindlichen familienmenschen ist das auch eher unangenehm…

    und ich dachte: „aaach, die leute, die mit ausländerInnen ein problem haben, die sind sicher viel empfänglicher, wenn „die ausländer“ die sprache beherrschen.“

    mir fallen fehler in der sprache immer auf. egal wer sie macht. ich lege auch wert auf richtiges deutsch. also zumindest grammatikalisch. solche fehler tun mir ein bisschen „weh“.
    ich neige hier zum snobismus, ja.

    und ja, ich finde es schade, wenn menschen aufgrund ihres schlechten deutsches unterschätzt werden und weniger chancen am arbeitsmarkt haben.

    So weit, so ungut….

    schon bevor zuckerwatte diesen artikel geschrieben hat, habe ich viel über dieses thema nachgedacht.

    stellenwert der sprache:
    für mich bis vor kurzem noch sehr festzementiert am siegertreppchen.
    ohne zu hinterfragen bin ich davon ausgegangen, dass es in jedem land sehr wichtig ist, die landessprache zu beherrschen.

    Im deutschsprachigen raum wird sprache dazu benutzt, sich abzugrenzen.
    von den ungebildeten, den prolos, den möchtegerns…etc etc etc

    Und danke dir zuckerwatte, ich habe mich richtig geschämt. der satz da hat mich richtig getroffen: „Und nur gebildete Leute sind wichtig, oder?“

    das finde ich grundsätzlich gar nicht. aber der in mir existierende kleingeist sucht mich dennoch ab und zu heim.

    und dass deutsch lernen auch ein Privileg sein kann, weil sich das zeitlich und/oder finanziell nicht ausgeht, dass war mir früher auch nicht so bewusst. aber ja, ist total nachvollziehbar.

    was mir noch ein anliegen ist zu sagen:
    1.)
    Alle menschen, die in ein anderes land ziehen und sich dort durchschlagen haben – zumindest – meine hochachtung.

    2.)
    keiner muss sich dafür schämen, etwas neu zu lernen. für erwachsene ist das manchmal schwer zu akzeptieren, wenn sie nicht sofort perfekt sind….
    selbst wir „native speaker“ haben mindestens! 9 jahre deutsch gelernt, nicht vergessen. ;)

    3.)
    ich mache immer wieder die beobachtung, dass leuten die chance nicht gegeben wird, überhaupt deutsch zu sprechen. englisch, englisch, englisch, überall englisch…

    4.)
    ….okay, keiner muss deutsch lernen, aber naja, ich fände es erschreckend, wenn ich die sprache des landes in dem ich wohne nicht kann.
    und manchmal erlebe ich es, dass menschen die sprache gar nicht können und auch nichts verstehen und ich empfinde das ehrlich gesagt als befremdlich. anders kann ichs nicht sagen.

    danke für diesen artikel. der hat mich richtig abgeholt.

    • hallo!

      erst als ich bei den punkten 3. und 4. angekommen bin dachte ich mir fail. davor fand ich den text spannend und wertschätzend.

      und ich stelle wieder die frage in den raum, woher das starke bedürfnis kommt, zu paternalisieren und zu sprechen, als säßen sie auf einem thron und sprächen auf andere herab?!?!?

      by the way, in einem land in dem ich wohne, werden viele sprachen und dialekte gesprochen, teilweise von ein und den selben menschen. dies nicht zu sehen, erkennen, und als ausgangspunkt zu nehmen, finde ich erschreckend!

    • Danke für deinen Kommentar, in dem du auch deine eigene Entwicklung zu diesem Thema beschreibst. Ich war selbst bis vor noch nicht allzu langer Zeit ein ziemlicher Grammatiksnob und fand es voll wichtig, Grammatik richtig zu können. Klassisches sich abgrenzen und besser fühlen wollen. Mittlerweile bin ich soooo froh, dass ich diesen Scheißdreck hinter mir gelassen habe und habe ganz von einer normativen Grammatikposition („so ist richtig und so nicht“) zu einer deskriptiven („alles was Menschen sprechen ist richtig“) gewechselt. Mein einziger Wunsch ist, dass Menschen mit Sprache ihr Inneres ausdrücken und kommunizieren können, aber in welcher und wie sie das tun ist mir schnurzegal.

      Frage zu deinem Punkt 3: Meinst du damit, dass Menschen dazu tendieren, mit anderen Menschen, die zB versuchen Deutsch zu lernen, dann trotzdem oft auf Englisch antworten bzw. es schwierig sein kann, Deutsch zu üben, weil eh viele Englisch sprechen? Wenn du das so meinst, dann geb ich dir Recht. Am einfachsten lernt sich eine Sprache wohl in einer Umgebung, wo mensch nicht viel auf andere Sprachen ausweichen kann.

      Zu Nummer 4: Ich persönlich kann mir auch kaum vorstellen, in einem anderen Land zu wohnen und die Sprache nicht lernen zu wollen, aber dabei gehe ich viel zu sehr von meiner eigenen Motivation aus, die in meiner Vorstellung eine freiwillige wäre (weil ich so privilegiert bin, noch nie Verfolgung erfahren zu haben, und meine Vorstellungen von Auslandsaufenthalten positiv sind). Darum „kaum“. Über die Beweggründe, warum ein Mensch in einem bestimmten Land lebt, kann ich nichts wissen, und wenn diese Beweggründe nicht freiwillig und mit Gewalt verbunden waren, dann kann ich mir schon denken, dass dieser Mensch vielleicht die Sprache nicht lernen will. Oder was auch immer für andere Gründe. Und das ist absolut in Ordnung, da gibt es meiner Meinung nach nichts daran auszusetzen oder zu kritisieren. Vielleicht möchtest du ja nochmal drüber nachdenken, warum genau du die Vorstellung so befremdlich findest und was genau dir daran Angst macht.

  6. @gummifrosch

    okay. ich bin halt auch nur ein mensch. und die „failen“ halt.
    aber ich bin ja lernfähig. ;)

    „….und ich stelle wieder die frage in den raum, woher das starke bedürfnis kommt, zu paternalisieren und zu sprechen, als säßen sie auf einem thron und sprächen auf andere herab?!?!?…“

    Das versuche ich ja eigentlich nicht zu tun.
    Inwiefern emfpindest du meine äußerungen so? ich denke nicht, dass ich mehr recht habe, hier zu leben, nur weil mein deutsch besser ist als das von person b. …nur um das klarzustellen.

    ich weiß nicht, inwiefern ich von oben herab gesprochen habe.

    „by the way, in einem land in dem ich wohne, werden viele sprachen und dialekte gesprochen, teilweise von ein und den selben menschen. dies nicht zu sehen, erkennen, und als ausgangspunkt zu nehmen, finde ich erschreckend!“

    ………your point exactly? ich kann dir da eigentlich nur zustimmen. somit stellt sich für mich die frage, wie du darauf kommst, dass ich gänzlich konträr zu dieser aussage stehe.

    @gummifrosch u. @schokomuffin

    zu punkt 3.)
    ich meine das so, wie schokomuffin das so schön beschrieben hat.
    dsa habe ich schon ein paar mal von leuten gehört, deren muttersprache halt nicht deutsch ist…. und ist mir seit dem auch immer wieder aufgefallen. da geht es nicht darum, dass ich mit menschen deutsch sprechen will, weil sie es „gefälligst lernen sollen“ , sondern darum, dass die geduld und bereitschaft mit anfängerInnen (oder so ähnlich) deutsch zu sprechen oft nicht da ist.
    meine beobachtung halt…

    zu punkt 4.)
    ja, darüber habe ich mir auch schon gedanken gemacht.
    werde ich auch weiterhin tun. ich glaube, dass mich diese art von sprachlosigkeit dann einfach überfordert. angst macht es mir nicht, es kappt halt (meine) erste wahl der kommunikation. macht mich in den ersten momenten ja auch sprachlos.

    ich kritisiere das nicht, ich habe mir erlaubt, meine unmittelbare reaktion auf solche situationen zu beschreiben. und ich persönlich stelle mir das schrecklich vor, in einem fremden land die (wenns denn nur eine ist) landessprache nicht mal in ansätzen zu können.
    aber ja, jeder mensch hat seine geschichte und verschiedene lebensumstände und beweggründe.

    @schokomuffin
    danke für die erzählung deiner entwicklung. also ich mag eigentlich auch kein grammatik snob mehr sein. kleinlich ist das, und beschneidend.

    ich bin z.b. unfähig, beistriche an die richtigen stellen zu setzen – ich erwarte mir auch, dass ich nicht anhand dieser fähigkeit gemessen werde.

    ich bin mir meiner vorurteile/klischees sehr wohl bewusst. ist ein prozess, diese abzubauen. deshalb habe ich mich sehr über diesen artikel gefreut, weil er eben genau an diesen rüttelt.

  7. zu punkt 4.)
    also ich wollte noch sagen, dass ich damit menschen meine, deren sprache ich gar nicht spreche, und die keine „mieiner“ sprachen sprechen. wo mensch dann nur auf „händ und füß“ ausweichen kann. funktioniert auch irgendwie, manchmal sind wir dann aber alle ein bisschen hilflos dabei.

  8. Leider irrt die Verfasserin töricht, trotz ihrer Chutzpe. In ihrem Feuilletonismus ergötzt sie sich am eigenen Lernprozeß, verliert die zu Grunde liegende Sprachwelt beharrlich aus dem Sinn. Das Beherrschen der Landessprache ist für Menschen jeglichen Formates unabdingbar. Die Sprache ist eine Waffe. Sie ist dem Ausdruck verpflichtet, ihre Worte schneiden chirurgisch präzise durch den Verstand. Sie hat eine lebhafte Melodie. Unersetzlich wild. Wunderschön.

    Zwar scheitern auch meine eigenen Bemühungen die Sprache der chinesischen Revanchisten adäquat zu erlernen zwischen Fremd- und Muttersprache. Ich werde niemals die Termini geschickt genug bedienen können, um einen ebenbürtigen Einfluß – außerhalb von Subkulturen – auszuüben.

    Doch im Gegensatz zu China haben wir unsere Belle Époque sogar bereits hinter uns gelassen. Ersteinmal werden Stimmen selbst auch dann wahrgenommen, wenn sie nicht in einwandfreiem Deutsch vorgetragen werden. Zusätzlich sank die Signifikanz des Sprachniveaus bereits während der letzten Dekaden erheblich. Sprache wurde ausgemergelt, Unbewegtes, mit knochigen Gerüsten, Zerfetztes; Schritt um Schritt unendlich leerer.

    Sie hat zwar Recht, die Sprache lernen muss sie nicht. Sie ist ein freier Mensch. Auch Willkommen, mag sie sein und geliebt; Ernst genommen und unmissverstanden. Doch ein Anspruch aus diesem Rechte, auf das man unsereiner Sprache knechte, erwächst noch längst nicht.

    Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

  9. Laura Palmer aus welchem Jahrhundert hast du dich denn hierher gebeamt? Chuzpe musste ich erst mal nachschlagen, ich dachte dann aber gleich mal: hmm, wohl so oder so ähnlich liest sich Deiniges… ich hätt aber ein anderes einfacheres wort dafür parat: arrogant.

    „Seelig jene, die die ekelhafte Arroganz von Sprache hinter sich lassen und um Verständnis, Niederschwelligkeit und emotionstragenden Sprachgebrauch bemüht sind der Inklusionn willens.“ Ego Einfachkeit, Wien, 2014

    Möge dieses m.E. wichtige Zitat Eingang finden in jede wissenschaftliche Arbeit.

  10. Ich werde zu gegebener Zeit den Artikel kommentieren, ich möchte noch ein bisschen nachdenken, aber mir fällt sehr befremdlich auf, dass all jene, die nicht Im Einklang mit dem Artikel sind, verbal ein wenig niederknüppelt werden respektive in ein radikales Meinungseck.
    Auch ich sehe nämlich die freie Entscheidung eine Sprache zu lernen in jenem Land in dem ich auf Dauer lebe, arbeite, existiere, mich einbringe, Freunde finde, profitiere….. und und und .. etwas differenziert. Aber dies zu gegebener Zeit…

    • Hi Pipa, bin gespannt, was du dazu schreibst :) Zufälligerweise ging auch mir in den letzten Tagen das Thema Sprache wieder mal durch den Kopf und so füge auch ich, etwas nachträglich, diesem Thread noch etwas hinzu.

      Zunächstmal finde ich es spannend, dass es sich in den Kommentaren größtenteils um die Frage, ob Einwander*innen die Sprache eines Landes lernen sollen, drehte, obwohl das glaube ich nicht das zentrale Anliegen des Artikels war. Sondern es ging glaub ich eher darum, die problematische Tendenz aufzuzeigen, dass Menschen, die eine Sprache nicht gut beherrschen und Fehler machen, nicht ernstgenommen werden, und gerne in Diskussionen schlechte Sprachkenntnisse als Argument bzw. Angriffspunkt verwendet werden, um die „gegnerische“ Person runterzumachen. Das ist zum Kotzen, wobei ich leider (wie schon oben erwähnt) zugeben muss, dass ich das auch oft so betrieben habe und wie gesagt mir auch lange gerne einiges auf meine guten Sprachkenntnisse eingebildet habe.

      Außerdem wollte der Artikel, so denke ich, auch mal aufzeigen, wie schwer es ist, eine Fremdsprache zu lernen, geschweige denn ein Level zu erreichen, in dem mensch diskussionsgewandt ist.

      Soviel mal dazu.

      Die Frage, ob von Einwander*innen erwartet werden darf, die Sprache des Landes, in welche sie ziehen, zu lernen, geisterte mir aber weiterhin im Kopf herum, und ich würde sie mittlerweile mit „Ja“ beantworten, und zwar jedenfalls dann, wenn sie vorhaben, länger als nur ein paar Jahre zu bleiben. Wenn mensch sich nur den einzelnen, individuellen Menschen ansieht, liegt es nahe sich zu denken „naja, wenn der/die die Sprache halt nicht lernen will und es dann dadurch schwerer hat – selbst schuld“. Dieser Gedankengang hat schon was für sich, und natürlich gibt’s spezielle Fälle, wo den Leuten erstmal kein Sprachenlernen zuzumuten ist.

      Aber das Ding ist, es bleibt ja nicht bei der einen Person, sondern es kommen ja viele Einwander*innen und wenn’s dann nicht mehr ein einzelner Mensch ist, der die Sprache nicht kann, geht’s auch nicht mehr um das eine Leben, das halt dadurch bissl schwieriger wird, sondern um das Zusammenleben der Gesellschaft als ganzes. Und wenn es für die Gesellschaft eines Landes nicht möglich ist, sich untereinander zu verständigen, wie soll dann gemeinsam Politik gemacht, wie das gemeinsame Leben gestaltet werden? Das hat für mich jetzt weniger mit „Respekt“ zu tun als ganz einfach mit Pragmatismus. Idealerweise interessieren und beteiligen sich alle Mitglieder einer Gesellschaft am gemeinsamen politischen Leben, aber das geht eben nur, wenn Verständigung möglich ist. Und bis es soweit ist, dass alle Menschen auf der ganzen Welt zum Beispiel Englisch so gut sprechen können, dass sich alle immer und überall damit super verständigen können, ist das halt am besten mal die jeweilige Landessprache.

      Noch etwas: Vor einiger Zeit habe ich von einem angehenden Lehrer aus meinem Umfeld mal erfahren, dass es tatsächlich Schulklassen gibt, wo die meisten bis alle Kinder kaum bis gar nicht Deutsch können. Ich hielt das bis dato für übertriebene Horrorgeschichten aus FPÖ-Propaganda, aber siehe da, es stimmt wohl wirklich und ist laut ihm eine Katastrophe, weil unterrichten unter diesen Umständen nicht möglich ist, sondern bestenfalls, wie er es ausgedrückt hat, Schadensbegrenzung. Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen geht, wem das bewusst ist und wem nicht. Aber ich finde schade, dass es hier offensichtlich ein großes Problem gibt und die einzige Partei, die dies (meinem Bewusstsein nach) anspricht, jene ist, die am schlechtesten für Problemlösung geeignet ist.

  11. Mir fiel vor kurzem im Zuge eines Gesprächs zu diesem Thema dieser Artikel hier wieder ein und auch meine Kommentare dazu. Und auch wenn dieser Artikel nun schon längst nicht mehr aktuell ist, ist es mir ein Anliegen, hier noch einen Kommentar zu hinterlassen, da sich meine Ansichten dazu in den letzten zwei Jahren geändert haben.

    War ich damals hinsichtlich der Frage, ob von einwandernden Menschen verlangt werden darf, die Sprache des Ziellandes zu lernen, zunächst ein Nein und dann ein eher zögerliches Ja, würde ich die Frage mittlerweile ganz eindeutig mit Ja beantworten.

    Um eine Sprache zu lernen, müssen natürlich auch Möglichkeiten dazu angeboten werden. Und natürlich muss anerkannt werden, dass eine Sprache zu lernen schwer ist und dass auch Menschen, die eine Sprache nur rudimentär beherrschen, etwas zu sagen haben. Sprich: Ich bin klar gegen einen Sprachelitismus, wo bewusst Menschen mit geringeren Sprachkenntnissen ausgeschlossen werden sollen.

    Aber: Die Bereitschaft und den Willen, die Sprache zu lernen, dass darf und muss erwartet werden und es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, dies nicht zu tun. Warum hier Personen aus dem linken Spektrum immer wieder so herumeiern ist mir schleierhaft. Warum es immer wieder als die größte Zumutung dargestellt wird, wenn von Einwandernden verlangt wird, die Landessprache zu lernen, verstehe ich nicht. Sprache ist Verständigung und damit notwendig für ein gemeinsames Leben und die gemeinsame Gestaltung der Gesellschaft. Immigrierende Menschen müssen die Sprache nicht perfekt lernen müssen, aber sie zumindest in Ansätzen lernen zu wollen, das darf erwartet werden.

  12. hey schokomuffin,

    sehe das ähnlich… finde auch deine selbstkritik super…. sich veränderde meinungen bekanntzugeben seh ich als stärke…

    bei mir hat sich auch einiges getan im letzten jahr… finde es gut im linken spektrum auf den boden der realität zu landen, wo auch dazugehört, theoretische bilder zu korrigieren, die sich in der praxis nicht bewähren (zB sich gegen linke werte/menschenrechte wenden) und nicht weiter im wunschtraum zu leben. dies macht die linke glaubwürdiger und eventuell wieder wählbarer, wenn endlich tacheles geredet wird und abgedriftete ne andere wahlmöglichkeit bekommen…

    • Hi krawuzi!

      Danke für deine Rückmeldung. Ja in den letzten Jahren und Monaten haben sich meine Ansichten zu einigen Themen ziemlich verändert… Wobei ich nicht weiß, ob sich wirklich meine Ansichten geändert haben, oder ob ich mich jetzt einfach mehr traue, auch in der „Linken“ (ganz verallgemeinernd gesprochen) unpopuläre Ansichten zu vertreten. Teils teils, denke ich. Es gibt hier meiner Meinung nach hier schon einen sehr starken Gruppenzwang, wo mit sehr harschen Reaktionen zu rechnen ist, wenn man dagegen verstößt. Eine meines Erachtens nach fatale Schwäche, denn wie du auch schreibst macht es linke Bewegungen unglaubwürdig, wenn dort Denk- und Sprechverbote herrschen.

...und was sagst du dazu?

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