Trans* schön tolerant?! Rae Spoon und die Wirklichkeit

Eigentlich wollte ich ja keinen Beitrag zu Rae’s Tournee und Lesung schreiben. Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde Rae großartig, es ist zu erkennen, dass ich ein großer Fan seiner* Arbeit bin. Nein, eigentlich dachte ich mir, es gibt doch schon genug Aufsehen gerade, rund um das Thema Trans* zum Beispiel, braucht es da noch einen Artikel?! Außerdem ist Dank Conchita, beziehungsweise der Vermarktung ihrer* Person, es gelungen, Trans* in den Mainstream zu überführen. Da ist nun die Frage, ob es möglich ist, dies in wenigen Tagen zu vollziehen.

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Sehen wir uns mal folgenden Begriff an, Toleranz. Wie ich dieses Wort (gerade-zu) verabscheue, TOLER(tr)ANZ, meine Güte, das ist für mich eine Worthülle sondergleichen, so sicher wie eine Aktie an der Börse und vor allem in fluktuativer Verwendung. Aber gut, wenn mensch gerade IN bleiben möchte, ist es wichtig den Begriff zu verwenden. Aber eigentlich Leute, pfeife ich auf eure großzügige T(r)oleranz. Was ich mir erwarte ist Respekt, und zwar nicht nur in Zeiten der Conchita Wurst. Ich habe schon verstanden, dass dieser Songcontest Gewinn einige stolze (national(istisch)e) Herzen Österreichs getroffen hat, im Kollektiv ist dies durch den „Wir-Brei“ ersichtlich geworden. Doch da liegt ja auch das Problem aus meiner Sicht, denn, es ist mir doch wurst woher jemensch kommt und bei einem Singwettbewerb zählt dann für mich eigentlich die künstlerische Leistung. Außerdem, verwehre ich mich gegen jegliche Diskriminierung und Menschenverachtung und finde es höchst bedenklich Stolz auf eine Nation zu sein, (die mehr oder weniger tagtäglich Menschen in den Tod abschiebt, was im Fachjargon und für die nationalen Seelen der Österreicher_innen auch gerne „Heimkehrhilfe“ genannt wird,) und so weiter und so fort. Für die Menschen die sich fragen von welchem „fernen“ Land ich spreche, ich rede hier von Österreich. Und Leute, „nur“ weil mir und anderen hier nicht die Todesstrafe droht, weil alles leichter, freier und einfacher ist, bin ich nicht zufrieden. Ich strebe grundsätzlich nach dem ganzen Paket, für mich geht nicht die eine Sache ohne die Andere. Ich möchte nicht eines, ich möchte immer alles. Respekt vor Menschen und Anerknennung zeigt sich auf horizontaler und vertikaler Ebener ist themenvielfältig und überschneidend.

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Um nochmal auf den Songcontest zurückzukommen, was hier passiert (ist), ist jedoch die Umkehrung einer künstlerischen Top-Darstellung in eine Representation Österreichs als offenes, diskriminierungsfreies Land. Zumindest klingt das punktuell so und es verschleiert insbesondere bestehende Ausschlusspoltiken. Ich werde mich nun ein wenig runterkühlen damit es zu keiner sprachlichen Entgleisung meinerseits kommt. Aber gut Leute, ich mag gar nicht so viel über die Freizeit-Toleranten und Hasser_innen schreiben, viel lieber über die Gutmenschen, die „Betroffenen“, die „Unberühmten“, oder nicht so oder gerade nicht bekannten (queeren) Menschen auf diesem Planeten.

Die Sugarbox war bei der Lesung von Rae im Chicklit dabei und es gab die Idee, wir stellen dann ein paar Fotos online und fertig. Gut, manchmal kommt es anders, als gedacht. Jetzt habe ich mich dafür entschieden, etwas zu schreiben und einen Teil dazu beizutragen, „Liebe zu verstreuen“, Mut zu machen, und Kraft zu geben. Es ist ja nicht immer so einfach. Findet ihr das jetzt total Eso?! Auch damit kann ich leben, und außerdem, aus meiner Sicht brauchen wir genau das mehr. Über das sprechen, was uns bewegt und zwar auf eine sehr gefühlsbetonte Art und Weise und gerne auf eine kritische, mit Respekt halt. Wenn ich Rae Spoon zuhöre zum Beispiel, wenn er besingt, was sein Leben ausmacht, dann steigt mir manchmal die Gänsehaut auf. Erstens weil ich seine* Stimme großartig finde und zweitens, weil mich der Inhalt seiner Lieder anspricht. Beides berührt mich förmlich. Ich kann das was er* macht in meinem Körper spüren. Das berührt mich und ich mag Dinge, Menschen in meinem Leben haben, die mich berühren. Rae sagt in dem ORF Interview so etwas wie, die Leute haben mich immer angestarrt und dann habe ich angefangen mir zu denken, sie finden mich dermaßen schön, sodass sie nicht weg sehen können. und ja, das finde ich berührend, und ermutigend und sehr aussagekräftig, in verschiedenen Richtungen.

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Leider berührt mich ja auch, dieser ganze Hass, von dem ich und wir umgeben sind. Dagegen ist für mich das beste Mittel beispielsweise Gutmensch zu sein, oder Rae Spoon zu hören und zu erleben, darüber zu lachen was er* erzählt und zu merken, dass mir seine* Worte gleichzeitig die Kehle zuschnüren können, weil sie auf eine bestimmte Verletzlichkeit hindeuten. Sie machen aber auch Mut, schenken Kraft und bieten praktische Hinweise dafür, wie mensch durch dieses Leben kommen kann, wie es leichter ist und, sie können in dir das Gefühl hinterlassen, dass da eine Gruppe von Menschen ist, beispielsweise eine queer-feministische Crew, die sich darum bemüht, dass wir nicht alleine sind, oder uns fühlen, sondern, dass wir Teil eines Ganzen sind, schön, liebenswert, begehrenswert, einzig- und nicht abartig (außer wir wollen das).

Der ORF hat sich wohl auch aufgrund des Conchita Hypes dem Thema Geschlecht gleich zweimal angenommen und in seinem zweiten Beitrag dazu nochmal über Rae Spoon und „das dritte Geschlecht“ respektive Transgender Personen im Allgemeinen berichtet (der erste Bericht ist nicht mehr verfügbar und war unter dem Titel „Schicksale“ [!] im WWW). TransX kommt in diesem Beitrag schönerweise auch vor. Diesen Beitrag findet ihr noch ein paar Tage im Internet.

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