Regenbogenflaggen hissen

Am Samstag ist die Regenbogenparade und ich freue mich schon sehr darauf! Erstens wird es eine tolle Feier, und zweitens gibt es auch heute noch einige Gründe, wieso es gilt, sich für LGBTIQA-Rechte einzusetzen. Meine ganz persönliche Auswahl findet ihr hier.

Wenn ich mich beschreibe, geht das so: Ich bin weiß, weiblich, braunhaarig und lesbisch. Das sind ein paar meiner Eigenschaften. Der letzte der aufgezählten Aspekte, der eigentlich eine Eigenschaft ist wie jede andere auch, wird mir manchmal vorgehalten. In meinem Freundeskreis bin ich manchmal immer noch die Exotin – ich werde zwar nicht anders behandelt, aber doch oft erstmal neugierig beschnüffelt: „Oh, toll, du bist eine Frau und stehst auf Frauen; du kannst mir bestimmt sagen, was ich in meiner Beziehung falsch mache!“ Oder – zum Glück nicht oft passiert: „Die da drüben steht auch auf Frauen. Jetzt könnt ihr rummachen!“
Wenn andere Menschen bemerken, dass ich lesbisch bin, werden manche zögerlich, verhalten, misstrauisch. Ihre Stimmen bekommen dann so einen komischen Unterton. „Hast du dir das auch überlegt?“, in diese Richtung gehen dann die Fragen. Nur: Was genau soll ich mir da überlegt haben? Dass ich gerne rechtlich benachteiligt wäre? Bekommt ein Leben denn erst dadurch mehr Pepp?! Und vor allem: Wann genau soll ich mir das überlegt haben? Damals, im Bauch meiner Mutter? Nun, da war ich eher damit beschäftigt, Nährstoffe zu sammeln und lebenswichtige Organe zu entwickeln, als Entscheidungen über meine sexuelle Orientierung zu treffen. Meine Mutter war froh, dass ich als gesundes Baby auf die Welt gekommen bin – ich auch. Ich habe damals nicht geplant, mir braune Haare wachsen zu lassen oder mich zu Frauen hingezogen zu fühlen.
Ich kann mich auch nicht daran erinnern, mir während der Volkschulzeit überlegt zu haben: „Meine Verwandten reden abschätzig über diese Frau und ihre Freundin. Ich wünschte, von mir würde später auf die gleiche Art und Weise erzählt werden!“
Nein, so etwas ist meinem kleinen Ich bestimmt nicht eingefallen.

Bei der Diskussion um Gleichbehandlung geht es nicht darum, mit wem ich schlafe – das ist meine eigene, sehr private Sache. Da geht es um einzelne Personen und gegenseitige Zuneigung und viele andere Dinge, die ich nicht beschreiben muss, weil sie vermutlich alle Menschen der Welt beschäftigen.
Es geht eher darum, wie ich die Welt wahrnehme:

Die jungen, gut aussehenden Männer*, die mir meine Oma so begeistert vorstellt, interessieren mich eben nicht so sehr, wie sie sich das vielleicht denkt. Im Gegenzug werde ich im Gespräch mit hübschen und klugen und liebevollen Frauen* manchmal echt nervös.

In der Arbeit ist der Platz hinter der Theke eng und Körperkontakt mit den Kolleginnen* unvermeidbar. Meiner neuen Arbeitskollegin weiche ich bei der Frage nach meinem Freund anfangs lieber aus. Ich zögere, mich bei ihr zu outen, um meine Arbeitstage nicht zum Seiltanztraining verkommen zu lassen.

Wer nicht queer ist, hat einen ganz anderen, weniger intensiven Zugang zu dem Thema – eh’ klar! Deswegen treffe ich neben meinen heterosexuellen Freund*innen und meiner Familie gerne andere queere Menschen, um mich über Themen auszutauschen, die meine Familie oder meine heterosexuellen Freund*innen nicht mit der gleichen Intensität interessieren.

Ich gehe auf Demonstrationen, um die gleichen Rechte und den gleichen Respekt zu bekommen wie alle anderen auch. Zum Beispiel wird auf fast jedem österreichischen Formular nach dem Personenstand gefragt. Zur Auswahl stehen zuerst ein paar kurze, einfache Optionen: ledig, verheiratet, geschieden oder verwitwet. Und dann gibt es diese endlos scheinenden Formulierungen, die nach langem Hin und Her mit der Buchstabensuppe „eingetragene Partnerschaft“ enden, aufgegossen mit einem Suppenwürfel aus gesellschaftlicher Diskriminierung, judikärer Ungleichbehandlung und einer Prise der Gewürzmischung „Out am Amt“.

Das alles ist zum Glück nicht lebensgefährlich. Ich kann mich in Wien outen, ohne Angst haben zu müssen (wie es in anderen Ländern der Welt durchaus noch immer der Fall ist). Darüber bin ich natürlich sehr froh! Doch die Gleichbehandlung bezieht sich nicht nur auf sexuelle Orientierung, sondern (im Alltag vielleicht noch viel mehr) auf die Geschlechtsidentität. Als genderqueerer oder Transgender-Mensch ist man noch immer viel zu oft Diskriminierung ausgesetzt! Die Regenbogenparade ist also wichtig, um ein politisches Zeichen zu setzen und die gesamte queere Community aus aller Menschen Länder willkommen zu heißen!

Fallen euch noch weitere Situationen ein? Teilt sie uns doch in den Kommentaren mit!

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