Faking it – oder warum es eine gute Idee sein kann so zu tun, als ob du lesbisch wärst

Jetzt kann man von MTV halten, was man möchte: ein Grund jedoch, diesem Sender, der sich normalerweise darauf beschränkt abgedroschene Geschlechter- und Körperstereotypen zu reproduzieren, eine neue Chance zu geben, ist das Machwerk: Faking it!

Die erste Staffel von Faking it hatte ihre Premiere im April dieses Jahres und wurde, wie kürzlich bekannt gegeben, für eine zweite Staffel verlängert, welche ab September 2014 über die Bildschirme läuft.

Die Story ist recht einfach gestrickt!

Karma und Amy, beste Freundinnen seit Ewigkeiten, gehen in die Hester High School im texanischen(!) Austin. Karma würde alles dafür tun, beliebt zu sein und in der Schulrangordnung nach oben zu steigen. Nachdem in dieser Schule die Rechnung mit „being different = popular“ aufgeht, ist Karma mehr als glücklich fälschlicherweise als Lesbe geoutet zu werden. Amy fühlt sich dabei mehr als unwohl, denn sie ist ja ganz eindeutig nicht lesbisch, spielt dennoch aus Loyalität und Freundschaft zu Karma mit. Nun steigert sich ihre Bekanntheit deutlich und sie werden sogar, als erstes lesbisches Paar ihrer Schule, zu Ballköniginnen nominiert.

Hier der Trailer zur ersten Staffel, welche im Prinzip die Handlung der ersten Folge wiedergibt.

Als der Trailer herauskam ging eine erboste Welle durch die queere online community (autostraddle.com, afterellen.com), denn ja! Wie beschissen hört sich die Prämisse der Show an: um Popularität zu gewinnen, gibt man sich als lesbisch aus?! WHAT? Noch nie was vom echten Leben mitbekommen?

Aber dennoch:

die Show konnte eben jene Kritiker_innen schnell vom Gegenteil überzeugen.

 

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Hier also in klassischer 5 Punkte Manier, wieso es sich auszahlt Faking it! anzuschauen!

  • Humor

Die Serie ist witzig. Schlicht und ergreifend. Sie spielt subversiv mit Stereotypen und sozialen Hierarchien und schifft dennoch gekonnt um Fettnäpfchen herum. Anspielungen zur Popkultur gibt es zuhauf und erfreuen wohl nicht nur mich!

breaking her heart

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  • Freundschaft und Liebe

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Karma und Amy sind bester Freundinnen, seit Ewigkeiten. Ihre Stimmen sind schwer zu unterscheiden, sie beenden gegenseitig ihre Sätze und sehen sich selbst als Amy Poehler und Tina Fey, oder Rihanna und Katy Perry. Keine Frage also, das lesbische Liebhaberinnen spielen fällt ihnen einfach. Besonders Karma, die ja eigentlich auf Liam steht. „He’s severely allergic to commitment,“ mein Karma einmal. „I’m a lesbian with a girlfriend, which makes me hypoallergenic.” Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt.

  • Amys Werdegang (SPOILER VORAUS!)

Schon vorab der Ausstrahlung der Serie wurde gerätselt, wer von den beiden Hauptcharakteren nun die queere Rolle einnehmen wird. Schnell einigte man sich auf Amy, allein auf Grund der Art und Weise wie sie eingekleidet wurde: Westen, Lederarmband, Donut-Shirts – Stereotypen hallo!

Doch bereits in der ersten Episode wird schnell klar, dass die Spekulant_innen Recht behalten sollten und *der* Kuss eindeutig bei Amy etwas auslöste.

  • Queere und andere Repräsentationen

Die Schauspieler_innen sind „schön“. Zumindest sind sie „unseren“ westlichen Standards gemäß alle dem Lookism verschrieben, denn klar, trotz des ganzen Lobes darf nicht vergessen werden, dass es sich hier um eine MTV-Produktion handelt.

Und dennoch schaffen sie es zu überraschen; beispielsweise mit der Rolle der Vashti Nadira, Tumblr-Reporterin der Hester High School, die zwar nur in einer Folge vorkommt, aber eine Hijab trägt.fakingit7.6

Dies wird nicht weiter thematisiert und ist somit eine der ersten nicht stereotypen muslimischen Darstellungen, die mir auf die Schnelle innerhalb der jüngsten Popkultur einfällt.

Das wirklich wunderbare aber an Faking it ist genau die viel kritisierte Prämisse der Show. Es geht nicht nicht darum als die „anderen“ porträtiert zu werden, sondern eben als „ganz normal“! Es geht nicht um die Akzeptanz der queeren Menschen sondern um Respekt! FakingIt

Kurz vor dem ersten Kuss zwischen Amy und Karma meint Lauren: „I know that you all think you’re being all open-minded by electing these two homecoming queens, but I think you all should know, they are not really lesbians! Nope! They’re just pretending to be so that all of you will like them! I heard them talking about it in the locker room this morning! They are mocking the gay rights movement!“ Hier entblößt sich die Show das erste Mal. Nicht nur der Vorwurf innerhalb der Show, dass die beiden die LGBTIQ*-Bewegung verarschen, sondern dass auch die Show selbst dies macht. Dies wird aber erneut gekonnt umschifft: denn nach dem Kuss ist ganz klar, dass Amy niemanden verarscht, sondern sie genau eben jene LGBTIQ*-Erfahrung erlebt.

  • The Gay Women Channel

Im Artikel Lustige Lesben: der Gay Women Channel habe ich eben jenen Channel bereits hochleben lassen. Nun haben sich die beiden Hauptverantwortlichen Adrianna und Sarah dazu entschieden Faking it im Rahmen des #FakingItFriday zu recappen. Und es ist hilarious!

Bleibt nur noch offen: Wer von euch hat sich Faking it schon zu Gemüte geführt, und was hältst du davon? Für Kommentare ist es nicht notwendig sich anzumelden: eine Fake-E-Mailadresse genügt;-)

One thought on “Faking it – oder warum es eine gute Idee sein kann so zu tun, als ob du lesbisch wärst

  1. Wie ich zuerst von der Serie erfahren hab, dachte ich mir: Das ist sicher so ein TaTu-Mist (russische fake-Lesben) und wollts mir nicht anschaun. Aber ich bin oft auf Afterellen.com und hab mir dort mal einen Artikel darüber durchgelesen. Tja das hat mich überzeugt und ich hab alle Folgen regelrecht verschlungen, an einem Fr nachmittag/Abend. Jetzt bin ich überzeugte Fan-Person und freue mich schon auf den 23.9, wenn die neue Staffel beginnt.
    Besonder großartig finde ich an dieser Show, dass an dieser High-School anscheinend alle gängigen Beliebtheitsfaktoren out sind, sondern eher Personen, die alternativ sind besonders angesehen sind. Ich mag auch, dass sich im Laufe der ersten Staffel die Persönlichkeiten der meisten Protagonisten vertiefen und es keine platte Teenager Komödie bleibt.
    Mehr davon!!

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