Die Banalität des Alltags bewältigen und das Leben genießen

Ich könnte wieder einen Roman über die Toilettenfrage schreiben. Linke Türe, oder rechte Türe. Frauen* oder Männer*?! Ja. Entschuldigung, woher soll ICH das denn wissen?! Nachdem ich einige Stunden in dem wunderbaren (ernst gemeint!) Etablissement verweilen werde, möchte ich genauer wissen, was Frauen* und Männer* Toilette in diesem Fall bedeutet. Ich entscheide mich diesmal dafür, einmal die eine und später die andere zu benutzen. Am liebsten sind mir Klos indem jeweils eine Klomuschel ist, also keine Piss-Kiste. Wieso? Weil es die Absurdität von geschlechtlichen WC’s sichtbar macht. Hallo?! Ich vertrete die Ansicht Klos benötigen kein Geschlecht. Ja. Ich muss wissen was ich dort tun kann. In meinem Fall interessiert mich primär, kann ich sitzend oder stehend alles erledigen und mag ich sie aus hygienischer Sicht überhaupt benutzen. Ich kann diese Klofrage einfach nicht auslassen. Ich schaffe es nicht. Vermutlich, weil sie für mich von großer Bedeutung ist. Ich gehe nicht einfach auf die Toilette sondern es stresst mich, mich entscheiden zu müssen und Angst zu haben, da oder dort blöd angemacht zu werden.

Aber gut, jetzt möchte ich mit dem Schönen weitermachen. Eigentlich möchte ich über einen sehr schönen Abend schreiben. Ich war in einem vegan-vegetarischen Lokal in Wien 1150 mit einem wunderschönen Gastgarten, der mit grünen Zweigen verhangen ist. Ich hatte ein Date mit einer Person die gerade mein Herz erobert. Und meinen Körper, eigentlich alles in und an mir. Ich habe sie gefragt ob sie mit mir essen gehen möchte, so als Geburtstagsessen und zwar ein bisschen schick. Schließlich habe ich die Hollerei ausgewählt weil sie ein bisschen nobler erschien als das eine und ein wenig günstiger als das andere Lokal, welche zur Auswahl standen.

Ich denke die Wahl war genau richtig. Wir haben uns einen Wein gegönnt, weiß, gleich eine ganze Flasche. Ich habe natürlich, ganz gentleboi, meinen Mitmenschen entscheiden lassen, ob der Wein „gut genug“ für uns ist. Ja, so läuft das in einem so schicken Lokal. Und glaubt mir Leute, bei dem Geruch war schon klar, dass der Wein der helle Wahnsinn ist, er ist geschmeidig die Kehle runter geronnen und sein Geschmack hat sich ausgebreitet und in meinem Körper ganz wohlige warme Gefühle verursacht. Unter Umständen war auch die Kombination mit diesem speziellen Menschen und einem unglaublich guten Wein beteiligt an diesem Ergebnis.

Ich gebe zu, das hat schon was. Es ist total dekadent und es ist ganz toll. Bis das Essen auf unserem Tisch stand war mir noch nicht ganz klar, ob es ein gelungener Abend wird, oder ob mein Mitmensch es doch noch furchtbar finden könnte. Warum ich so viel wert darauf lege, ob es meiner Begleitung gefällt? Das ist eine gute Frage. Ich denke es legt daran, dass ich sie sehr mag, es mir wichtig ist, dass sie Erlebnisse mit mir toll findet. Da ist manchmal eine komische Angst, dass ich „versagen“ könnte, in so banalen Dingen, wie das richtige Lokal auszusuchen, ein guter Liebhaber zu sein, oder meine Arbeit gut zu erledigen. Woher das kommt bin ich mir nicht ganz sicher. Eigentlich ist es auch irrelevant, ich arbeite daran, mir sicherer darin zu werden „gut genug“ für meine Mitmenschen, mich und die Welt zu sein, das kann nämlich sehr entlastend sein.

Zurück zur eigentlichen Geschichte. Das Abendessen. Wobei das nicht angemessen dafür klingt wie toll es war. Ein ausgesprochen romantisches (heißes) Dinner trifft es da wohl eher.

Habe ich schon erwähnt, dass ich gutes Essen, Trinken und guten Sex liebe. Nicht?! Dann tue ich das jetzt. Ich bin ein Genussmensch, was mir in meinem Leben durchaus schon Probleme machte. Jede Eigenschaft hat halt verschiedene Seiten. Jedenfalls, ich genieße sehr gerne und es muss dabei auch nicht immer viel Geld kosten. Ich entschuldige mich jetzt nicht, ich wollte das nur erwähnt wissen. . .

Dann kam die Vorspeise, verteilt auf zwei Tellern und alleine der Anblick war atemberaubend. Von meinem Mitmenschen? Ja, der auch, einfach umwerfend. Manchmal befinde ich mich in Situationen die ich am liebsten malen möchte, weil sie perfekt sind und ich möchte nicht aus diesem Moment raus, in dem alles einfach gut ist und sich gut anfühlt. Leider kann ich gar nicht malen und selbst wenn, wäre es dann ein unter Umständen schönes Bild, aber das Gefühl, dass ich damit verbinde, macht es eigentlich erst vollständig. Das fasziniert mich übrigens auch an Fotografien oder Gemälden, wenn es möglich ist, dass diese Bilder ein Gefühl in dir erzeugen. Ich mag diese Kraft, die dabei entstehen kann.

Das Essen. Dieser Abend konnte nur scheinbar nicht noch besser werden oder gut bleiben. Langsam stellte sich dann doch das Gefühl bei mir ein, dass die Wahl gut war und der Abend für uns beide sehr zufriedenstellend verlaufen wird. Ich finde es großartig, wenn du Essen in den Mund nimmst, und das Gefühl hast, es ist so lecker, du weißt gar nicht, was du als Erstes schmecken sollst. Mensch nennt das im Allgemeinen glaube ich Geschmacksexplosion. So hat sich das auch angefühlt, und den ganzen Abend nicht mehr geendet. Kennt ihr das, wenn etwas so gut und so lange gut ist, dass es kaum auszuhalten ist. Es ist auf eine faszinierende Art und Weise „zu gut“. Das kann es ja eigentlich nicht sein, aber es ist dann so einnehmend, dass ein Kontrollverlust bevorsteht. Ich gebe zu, ich bin nicht so gut darin, die Kontrolle zu verlieren. Wenigstens kann ich mir das mittlerweile eingestehen und abgesehen davon, bemühe ich mich, meine Gefühle mitzuteilen. Das ist ein Anfang, finde ich.

Das mit dem guten Essen hat nicht aufgehört, wir hatten dann noch Reisnudeln mit Gemüse. Klingt banal? Ha. Muss es nicht sein, auch das ist im Mund geschmolzen. Manche werden es jetzt schon vermuten, aber das ging so fantastisch weiter. Zwischen dem vierten (?) und fünften Gläschen Wein wurde noch eine Schokoladecreme bestellt, die wir dann zu zweit gelöffelt haben und ja, ich wiederhole mich, aber auch das ist in meinem Mund geschmolzen. Es war einfach ein wahrer Genuss. Und verbunden mit diesem schönen, grün verhangenen Gäst_innengarten und meiner mich sehr beeindruckenden und berührenden Begleitperson, war das ein Erlebnis, dass mir in Erinnerung bleiben wird.

By the way, ich habe geplant euch bezüglich meiner Trans*reise auf dem Laufenden zu halten. Ich habe mit T* begonnen. Jetzt schmiere ich mir täglich so ein glitschiges Gel auf den Körper und bin extrem gespannt, ob, wann und was sich tut. Es ist eine sehr aufregende Angelegenheit, nicht nur für mich. Meine nahen Menschen sind zum Teil auch schon gespannt und ich freue mich, dass sie das ausdrücken, das lässt mich weniger alleine damit sein. Ich merke, ich freue mich besonders auf meine tiefere Stimme. Ich habe das Gefühl, ich spüre, dass mein Körper da jetzt was anderes bekommt und es fühlt sich gut an. Angst habe ich immer noch, manchmal mehr, manchmal weniger. Alles in allem bin ich froh, dass ich das ausprobieren kann. Jetzt frage ich mich des Öfteren woher wohl meine Stimmungen kommen und ob ich das „davor“ auch schon an mir kannte. Heute hatte ich den Gedanken, vielleicht stößt mein Körper das Testo* ab, weil noch nichts passiert ist. Ok, ich habe vor 18 Tagen angefangen und unter Umständen könnte ich ein wenig mehr Geduld an den Tag legen…

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