Zuckerstreusel: mein erstes Mal in der Rosa Lila Villa

Nicht ganz ein Monat ist es her, seitdem die Morddrohungen auf der Außenfassade der Rosa Lila Villa zu lesen waren. Auch wir fragten uns Schwule töten! Warum eigentlich?  In diesem Zuckerstreusel wollen wir eine kleine Ode an die Alte Dame, unsere Rosa Lila Villa verfassen. Wir schwelgen in Erinnerungen und resümieren über unser erstes Mal in der Villa.

gummifrosch

Mein erstes Mal in der Rosa Lila Villa. Leute, ich weiß es nicht mehr, es ist vermutlich schon zu lange her. Das liegt unter Umständen an meinem ausgewachsenen Alter, oder einfach nur daran, dass es nicht so berauschend war. Aber lasst euch nicht von meinen Worten täuschen, ich habe sehr berauschende und viele wunderbare Abende und Tage in der Villa verbracht. Dort gelernt, diskutiert, geschlafen, getrunken und geraucht, geweint, gegessen, gestritten und vieles mehr. Sachen, die mensch in einem Community Haus so machen kann. Die Villa ist wie eins meiner zweiten Zuhause, ein Wohnzimmer, ein Lokal, eine Bar, ein Treffpunkt für mich, meine Freund*innen und LGBTIQ-Menschen. Es ist auch für mich ein Ort der Geschichte und wenn ich in der Villa bin, fühle ich mich auch ein ganzes stückweit sicherer, als so manches Mal da draußen. Es ist dann auch ein Zufluchstort für mich, wenn ich gerade nicht so gute Zeiten habe. Im Übrigen, legendär in der Villa sind für mich, der „erste Stock“ im Allgemeinen, der von Efeu behangene wunderschöne Innenhof, die Solischnapsbar der Antinationalenliebe bei Villafesten, die perverse Kuh im ersten Stock, das Geklappere aus den verschiedenen Küchen des Hauses, der Geruch von Espressokaffee aus einer alten Kaffeemaschine …

sapphicshallowsugarshock

Vor gefühlten Unzeiten war ich bei schokomuffin auf einer Home-Party. Die göttinnenspeise hat mich mitgenommen, der punschkrapfen war auch da. Der Plan war bei schokomuffin zu starten und danach irgendwohin zu ziehen, wo die dunklen Arme der Nacht sich nach uns strecken würden. Ich wollte nur beim Anstarten dabei sein, musste ich doch am nächsten Tag irgendwas erledigen. Natürlich blieb es nicht dabei, die Musik und die Getränke taten das ihrige. Punschkrapfen verabschiedete sich irgendwann und die verbleibenden Mädls* beschlossen zur Villa zum Frauen*Fest zu fahren. Dort angekommen begrüßten wir pirategum. Ich war überwältigt von der Wohnzimmeratmosphäre vor Ort. Mein erstes Mal in der Villa: So viele Frauen* auf einem Ort, und alle waren gute gelaunt und standen (auch) auf Frauen*. Ich lernte an diesem Abend A kennen, verliebte mich in weiterer Folge so richtig und vollkommen in sie, und hatte kurz darauf meine erste Beziehung mit einer Frau. Der Rest ist Geschichte.

villa

schokomuffin

Das erste Mal in der Villa, also genauer gesagt im Café Willendort, war ich 2007 mit einer Frau, die ich damals über StudiVZ (ja, das gab’s ja auch irgendwann mal…) kennengelernt hatte und ein paar Wochen datete. Es war auch das erste Mal, dass ich irgendwo richtig queer fort war, sehr spannend also. In Erinnerung geblieben ist mir, dass ich das Essen dort sehr lecker fand und es irgendeinen ziemlich süßen Drink gab, den ich mal probiert habe. Mit Schlagobers und einem Keks oder so, wenn mich nicht alles täuscht. Und dass ich auf dem Weg zur und von der Villa die meiste Zeit das Album „Costello Music“ von den Fratellis gehört habe, das mich immer noch bissl an diese Zeit erinnert.

zimtschnecke

An mein erstes Mal in der Villa kann ich mich nicht erinnern. Aber im Grunde ist das auch recht egal. Die Villa ist für mich ein wundersamer Ort, vor dem ich früher, noch lange bevor ich dann das erste Mal wirklich drinnen war, Angst hatte. Wobei „Angst“ vielleicht ein zu harter Begriff ist. Sagen wir, die Villa war für mich ein Ort der Bedeutung. Würde ich hineingehen, würde man mich sehen beim Hineingehen, dann wüssten alle, dass ich nicht hetero bin. Und dennoch – irgendwann bin ich dann in den Fängen der Villa gelandet und es war und ist wunderbar. Die Villa ist für mich der einzige Ort in Wien, wo alle Szenen zusammentreffen, wo queer nicht nur ein Party-Label ist, sondern auch gelebte Realität. Und das ist wunderbar!

zuckerwatte

Das erste Mal, dass ich in der Villa war, war auf irgendeiner Frauen*- oder Frühlingsparty oder so was in der Art. Ich war erst ein paar Monate in Wien, habe kein Deutsch gesprochen, und kannte niemanden. Ein schwuler Freund von mir hat gemeint, auf dieser Party werde ich wahrscheinlich meine Szene finden, und ist auch mit mir hingegangen. Nach einer Stunde hat er mich alleine gelassen, aber kein Problem! Ich war so begeistert und fühlte mich so wohl.

Ich war noch nie auf einer ähnlichen Party! Die Frauen*(lesben)parties die ich bisher besucht hatte, waren sehr wenige, und alle haben in irgendwelchen Clubs stattgefunden, schick aber mainstream und ungemütlich. Aber auf der Villaparty schien es mir so, als ob es eigentlich eine größere Hausparty wäre, es gab dieses Gefühl von Community und das alle irgendwie einander kannten, aber trotzdem fühlte ich mich komischerweise nicht wie ein Outsider. Eher umgekehrt: eingeladen! Menschen, die ich zum ersten Mal getroffen habe, haben mich in ihre Gespräche eingeladen und auf Englisch umgestellt, damit ich alles verstehen konnte. Und so viele alternative, linke, queere, lesbische Frauen hatte ich noch nie irgendwo gesehen. Ich habe begeistert auf meinem damaligen Blog geschrieben, dass „der Butchanteil der Lesben in dieser Stadt scheint sehr hoch zu sein“. Und „…alle kennen einander. Was für ein Inzestfest“.

In dem Moment wo ich all dies aufgeschrieben habe, bin draufgekommen, dass es gar nicht stimmt! Das war nicht mein erstes Mal. (Und weil ich es liebe, Geschichten zu erzählen, lasse ich es stehen und schreibe noch eine auf). Mein erstes Mal war ich alleine unterwegs. Ich hatte kein zuverlässliges Internet und keine Deutschkenntnisse, also habe ich im Gay Guide Vienna nachgeschaut. Villa dürfte Lesbendicht sein, laut dem Gay Guide. Ok. Ich bin hingegangen, zu Fuß die ganze Wienzeile entlang im Nieselfebruarregen (weil ich wusste ja nicht, wo genau auf der Wienzeile), und habe mir ein Bier gekauft in einem Lokal, das fast leer war, abgesehen von zwei Tischen, wo zwei verschiedene Freundinnen-Gruppen saßen. Wäre es mir nicht so kalt gewesen, wäre ich wahrscheinlich an der Tür schon umgedreht.

Nach dem Bier fühlte ich mich etwas mutiger und begann die zwei Tische anzuschauen. Ich wollte herrausfinden, welche Gruppe am nettesten ausschaute. Ich entschied mich für eine, und ging hin! Ganz cool von außen und ganz nervös innerlich, und fragte (natürlich) nach Feuer. Ich habe gehofft, dass sie sehen würden, dass ich alleine und verloren da war und mich deshalb zu ihnen einladen würden, wenn ich nur den ersten Schritt machte. Haben sie aber nicht gemacht. Na gut. Ich dachte, ich habe nichts zu verlieren, und so fragte ich ganz einfach, ob ich mich zu ihnen setzen dürfte. Vielleicht fanden sie mich total aufdringlich oder vielleicht auch nett, ich weiß es nicht. Mit einer von ihnen habe ich dann auch Nummern ausgetauscht und wir haben uns ein paar mal getroffen. Also es hat was gebracht, mich zu trauen.

Danke an die Bewohner_innen der Rosa-Lila Villa, an die vielen ehrenamtlichen Gruppen- und Beratungsbetreuer_innen und an die Mitarbeiter_innen des Cafe Willendorf, die es immer wieder schaffen so eine tolle Atmosphäre entstehen zu lassen. Daher schließen wir uns folgendem Aufruf auch jetzt noch an:

:::Werdet zu Unterstützer_innen der autonomen LGBTIQ-Flüchtlingswohnung der Rosa-Lila Villa!:::

Nationalistische, rechte Hass-Sprache ist leider ein Problem der Mitte der Gesellschaft. Wir, als Rosa Lila Villa sehen es auch als unsere Aufgabe gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Faschismus – neben Homo- und Transphobie – aufzutreten und dabei auch selbstkritisch zu sein.

Schatzi, her mit der Marie!

In den letzten Stunden haben wir viel Unterstützung und Zuspruch erfahren und manche wollten Geld für die Übermalung der Fassade spenden. Wir wollen aber nicht einfach nur an der Oberfläche des Problems kratzen, sondern bitten euch mit einer Spende Wohnraum für LGBTIQ-Flüchtlinge zu unterstützen.

Denn trotz Aufrufen zu homophober Gewalt und tatsächliche gewaltsamen Übergriffe auf lesbische, schwule, trans* und intersex Menschen, ist Österreich ein vergleichsweise sicheres Land für LGBTIQ-Personen. Viele müssen aus ihrer Heimat fliehen und kommen nach Österreich in ein Land, das ihnen als Flüchtlinge schon von vorne herein feindlich begegnet. In Flüchtlingsunterkünften oder Privatunterkünften sind sie oft wiederum diskriminierenden (und in Privatunterkünften auch oft ausbeuterischen) Bedingungen ausgesetzt – Bedingungen, die durch Hassbotschaften wie die auf der Villa verschärft und gefährlicher werden!

Die Rosa Lila Villa hat deshalb in Eigeninitiative ein autonomes Wohnprojekt zur Unterbringung von LGBTIQ-Aylsuchenden/Flüchtlingen gestartet. Zu diesem Zweck wurde eine Wohnung angemietet.

Für dieses Projekt ist es sehr wichtig, engagierte Unterstützer_innen zu finden, die uns bei den regelmäßigen Mietkosten helfen. Es handelt sich dabei pro Monat um insgesamt 300-350 Euro Gesamtkosten (da die Villa und die BewohnerInnen der WG nur bedingt die Miete und Strom/Gaskosten aufbringen können).

Dem LGBTIQ-Flüchtlingswohnprojekt ist am besten mit einem Dauerauftrag (von 3, 5, 10 oder gar 20 Euro pro Monat) geholfen, der aktiv zum Erhalt der Wohngemeinschaft beiträgt!

Konto lautend auf : Rosa-Lila Wohnverein
IBAN: AT12 1400 0030 1095 6675
BIC: BAWAATWW

Vielen Dank!

...und was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s