Gedanken zu rassistischer Bildersprache anlässlich #CharlieHebdo

Wenn ich im Folgenden neben rassistischer Bildersprache an sich auch zu einem wesentlichen Teil Charlie Hebdos Inhalte kritisiere, meine ich es natürlich jenseits davon, dass irgendetwas daran einen Terroranschlag legitimiert oder gar entschuldigt und das Blutbad als eine erneute Ansage gegen die Werte der Liberalität gewertet werden soll und muss. Und diesen Werten gilt auch meine Solidarität. Und meine authentische Fassungslosigkeit und Trauer und Solidarität gilt allen, die Opfer eines fanatischen und verabscheuungswürdigen Terroranschlags wurden, so auch den ermordeten Redakteuren von Charlie Hebdo.

Mein allererster Impuls war, gemäß der restlichen Gesellschaft, die Empörung und das Entsetzen, dass religiöser Fanatismus schon wieder Menschen heimsucht und niederstreckt, mit dem kontextualen Ziel aufklärerische Werte und eine freie Gesellschaft zu bedrohen, zu schädigen und zu schwächen. Erst mein zweiter, sehr verzögerter Impuls war mich über die Inhalte von Charlie Hebdo zu erschrecken, sowie über die Inhalte anderer Zeichner_innen als Reaktion auf den Anschlag. Und da diese Thematik in den Medien weniger präsent zu sein scheint – vielleicht analog zu meiner eigenen Reihenfolge des Schocks – möchte ich diesen Raum hier nutzen um vor allem darüber zu sprechen, auch wenn das eine nicht wichtiger ist als das andere. Und hier gibt es auch kein „aber“. Das richtige Grausen kommt einem, wenn aus den Ecken einer falsch verstandenen westlichen Selbstgeißelung Stimmen hallen, die davon sprechen, dass Charlie Hebdo den tötlichen Anschlag selbst provoziert hätte und sich nicht im Nachhinein wundern bräuchte. Das ist mit Abstand die falscheste und geschmackloseste Meinung, die mensch nach so einem Ereignis in die Welt rufen kann. Mir geht es in diesem Artikel ausschließlich darum die Inhalte rassistischer Bildersprache allgemein und auch Charlie Hebdos Cartoons und die Reaktionen darauf aus meiner Sicht zu besprechen, als Phänomen eines großen Ganzen und weil es gerade aktuell geworden ist. Mein Artikel ist kein „aber“. Mein Artikel, und das betone ich mit Nachdruck, ist keine Infragestellung der Trauer, des Skandals und der Verabscheuungswürdigkeit des Terroranschlags auf Charlie Hebdo, die Meinungsfreiheit und Demokratie. Soviel Einleitung musste sein, nun zum Kern.

Ich war hinsichtlich der breitgradigen Einigkeit, dass Charlie Hebdo als Flaggschiff der europäischen, aufgeklärten Mündigkeit geeignet ist, verunsichert, ob ich vielleicht zu streng bin, so dass ich jeglichen Humor verloren habe und eine Satire nicht mehr als Satire wahrnehmen kann, sondern die Augen sofort Dunkelrot sehen, sobald es sich um eine Randgruppe handelt, die karikiert wird vor lauter dogmatischer p.c. Ich gehöre eher zu denjenigen, die manchmal heimlich die Augen verdrehen über solche, die mit dem Mikroskop jeden Satz und Witz auf p.c. untersuchen, auch wenn das von mir nicht immer gerechtfertigt ist und ich außerdem gleichzeitig selbst massiv sensibel werden kann, wenn es zum Beispiel um Themen des Antisemitismus geht, der in dieser ganzen Causa übrigens auch einen Beitrag Wert wäre.

Aber ganz ehrlich, bei den teilweise Cartoons von Charlie Hebdo und anderen „satirischen“ Zeichnungen auf den Islam, unter anderem auch als Reaktion auf #CharlieHebdo (vgl. weiter unten), ist kein Mikroskop von Nöten. Hier schreien einen der bildersprachliche Rassismus und die Islamophobie regelrecht an, auch wenn vor allem Charlie Hebdo diese Vorwürfe immer wieder zurückwiesen und ich ihre Argumente, als reiner Denkakt, auch nachvollziehen kann. Ich weiß auch, vorweg, dass es mir als weiße, mitteleuropäische Frau am Ende mehr schlecht als recht zu steht zu bestimmen was rassistisch ist und was nicht, aber ich denke doch, dass es in diesem Fall genügt sich eine Gesellschaft vorzustellen, die in Mitten einer hochgradig bedenklichen islamfeindlichen Grundstimmung am Kiosk diverse Blätter in Händen hält, durch deren spottende Schablone fanatische und wütende oder lächerliche Moslems mit langen Hakennasen aufscheinen, um behaupten zu dürfen, dass hier rassistische Vorurteile unterstützt werden. Ich möchte mich hier nicht darstellen als große Rassismus-Expertin durch weiße Brillengläser, noch weniger möchte ich für jemanden sprechen, ich spreche für mich, die etwas Bestimmtes empfindet und denkt und zwar nicht als Betroffene, sondern als jemand, den es betroffen macht, wenn ich glaube, dass Mitmenschen – ob aktiv oder passiv, gewollt oder ungewollt – diffamiert und ungerecht angegriffen werden. Und ich möchte darüber sprechen. Sollte ich Unrecht haben, ist einmal zuviel aufgeschrien trotzdem immer noch besser als einmal zu wenig.

Mir ist wie gehabt bewusst, dass Charlie Hebdo sich vehement gegen den Rassismus-Vorwurf wehrte und ich persönlich zweifle eigentlich nicht daran, dass die Intentionen der Redakteure auf eine intellektuell-elitäre Weise antirassistisch waren (ich lasse mich in kritischen Kommentaren von diesem Eindruck übrigens sehr gerne eines Besseren belehren) und ihre Inhalte auch nicht-rassistisch und nicht-islamophob gelesen werden können. Wenn ich in eine bestimmte Perspektive wechsle, kann ich sie irgendwie auch so lesen. Und vielleicht ist das sogar das Gefährlichste daran. Sie waren der Ansicht mit ihren Karikaturen nicht rassistisch zu handeln, indem sie vermeintlich alle gleich beleidigen und verspotten und sich in ihrer Meinungsfreiheit auf Grund beleidigter religiöser Gefühle nicht einschränken lassen. Und das Perfide daran ist, dass sie damit ja auch Recht haben. Niemand sollte von Religion diktiert bekommen, was mensch sagen darf und was nicht, jeder Gott muss Beleidigung aushalten und dafür sind sie nicht zuletzt eingestanden. Und darum geht es auch bei der #jesuischarlie-Solidaritätsbekundung und deshalb kann ich persönlich mich nicht mal von dem Slogan dieser Bewegung distanzieren, weil sie in ihrer Quintessenz dieses berechtigte Anliegen, dieses Grundrecht anspricht.

Wenn ich aber rassistische Bilder auf Titelblätter drucke, die eine höhere, abstrakte, antirassistische Wahrheit elitärer und linker Intellektueller irgendwo unsichtbar, oder zumindest diffus, für sich behalten, ist das zwar im Rahmen der Meinungsfreiheit, aber ein sehr verantwortungsloser Umgang mit Meinungsfreiheit.

_80155413_twittermaxblumenthalBilder erzeugen Verknüpfungen. Wenn ich einen schwarzen Menschen als Affen darstelle, erzeuge bzw. reproduziere und verhärte ich die rassistische Verknüpfung Schwarzer-Affe, auch wenn meine Intention sein mag, mich über diese Verknüpfung lustig zu machen oder sie zu kritisieren. Erstens wird diese etwaige Intention – die sie behaupten zu habn wenn sie so etwas zeichnen – von Charlie Hebdo nicht für jede_n eindeutig ersichtlich und selbst wenn sie es würde – das Bild Schwarzer-Affe wurde trotzdem erneut in die Welt und damit in die Köpfe der Menschen gesetzt und hat die Verknüpfung wiederholt fester gezogen. Ich sage nicht, dass Satire frei sein muss von politischer Grenzwertigkeit, ich rede von verantwortungsvollem Umgang damit und das richtige Gespür für Grenzen. Und diese Verantwortung hat Charlie Hebdo einfach von sich gewiesen und weisen alle anderen Karikaturist_innen von sich, die ebenso an die Traditionen rassistischer Bildpropaganda anknüpfen (vgl. Judenkarikatur weiter unten). Ganz abgesehen davon, dass es einfach ignoriert wie es einem Schwarzen geht, der in einer strukturell-rassistischen Gesellschaft mit einem derartigen Bild konfrontiert wird. Oder einer kopftuchtragenden Frau, die vielleicht unmittelbar davor auf offener Straße wegen ihrem Kopftuch angegriffen wurde und mit solchen Bildern wie unten konfrontiert wird. Mir würde es Angst machen nicht-muslimische potentiell rassistische Französ_innen mit einem Bild in Händen zu sehen, das muslimische, tobende und geldgierige Frauen zeigt, die wegen meiner Kleidung und Religion an mich erinnern.

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[„Finger weg von unserem Kindergeld!“]

Wenn jemand die Mittel der Meinungsfreiheit und in diesem Fall die der Satire ausreizt, egal was er_sie damit bewirkt, egal was für Konsequenzen seine_ihre freie Rede hat – selbst wenn sie den eigenen Zielen entgegen wirken – dann ist das kein heroischer Akt der Verteidigung der Redefreiheit, sondern dann ist das ideologisch. Wenn ich den abstrakten Wert der Meinungsfreiheit nicht anpassen will an gesellschaftliche Voraussetzungen, wie eine negativ aufgeheizte Stimmung gegen Muslim_innen und eine eigentümliche Undifferenziertheit der breiten Masse, nehme ich den abstrakten Wert wichtiger als die reale Situation diskriminierter Menschen und so etwas nennt man Ideologie. Hier geht es nicht darum religiöse Gefühle unberücksichtigt zu lassen – was sehr oft einfach nötig ist – sondern keine islamophobe Grundstimmung zu unterstützen oder wenigstens differenzierter, verantwortungsbewusster mit ihr umzugehen. Hier geht es nicht einfach nur darum jemanden vor Beleidigung zu schützen, sondern feindlichen Gesinnungen keine Nahrung zu geben. Hier geht es nicht darum das Recht Religion zu kritisieren zu zensieren, sondern darum Islamophobie nicht in die Hände zu spielen und in Zeiten wo Muslim_innen systematisch und öffentlich attackiert werden ein bisschen vorsichtiger damit umzugehen sie auch noch spöttisch und beleidigend auf Titelblättern abzubilden. Die Frage ist zwar auch, aber nicht unbedingt, wieviel Beleidigung Muslim_innen vertragen sollen, können, müssen, sondern wieviel Beleidigung und Herabsetzung von Muslim_innen die islamophobe Gesellschaft verträgt. Satire sollte vor allem die Mächtigen brechen und nicht auf die schlechter gestellten Menschen treten. Die Mächtigen wären in diesem Falle der islamophobe Mob.

Zur Frage ob etwas überhaupt rassistisch, homophob oder sexistisch sein kann, das durch die Bank alles beleidigt und herabsetzt, also auch Politiker_innen oder Katholik_innen zum Beispiel, erinnert mich an die Frage warum ein Judenwitz als soviel tabuisierter gilt als ein Witz über den Papst oder warum ein sexistischer Witz gegen Frauen die political correctness-Gefühle der Leute mehr verletzt als ein männersexistischer Witz. Natürlich ist alles an einen Kontext gebunden und es geht in all diesen Fragen immer um Machtverhältnisse. Ein Judenwitz in einem Land wo vor noch nicht allzu langer Zeit Hitler getobt und Juden ausgerottet hat und noch heute geprägt ist von einer lebendigen Neonazi-Szene und Alltags-Antisemitismus ist etwas anderes als ein Witz über den katholischen Papst in einem katholischen Land, der ein außerordentlich respektierter, geschützter und privilegierter Machtinhaber, sozusagen über den gesamten Globus, ist und dementsprechend unverletzlicher. Ein sexistischer Witz, der Frauen als besonders dumm, inkompetent oder verstärkt sexualisiert aufgreift, ist in einem Kontext der gläsernen Decke und signifikanten Einkommens- und Positionsunterschiede problematischer als ein Witz der Männerklischees schürt, wo Männer zu allem Zugang haben und außerdem die Zugänge zum ausschlaggebenden Großteil selbst schaffen. Weil ein männersexistischer Witz diese Privilegien wenig bis kaum gefährdet und ein frauensexistischer Witz meist aber jene Bilder verhärtet, die schlussendlich u.a. Gründe ihrer Unterprivilegierung sind.

Über etwas lachen oder hinweg sehen zu können, das mich unmittelbar demütigt ist ein Zeichen dafür, dass ich sehr gut und sicher situiert bin, dass ich mich trotzdem wohl fühlen kann, ein Zeugnis meiner guten Position in der Mitte der Spottenden.

n-wort[„Die Franzosen, genauso dumm wie die Neger“]

Viele sind bemüht es so aussehen zu lassen, als wären die Dinge gleichwertig mit dem Argument, dass Religion gleich Religion ist, Geschlecht gleich Geschlecht, Ethnie gleich Ethnie und sie durch die tabulose Willkür wen sie beleidigen alle gleich behandeln. So ist das aber nicht und so schwer ist diese Denkaufgabe auch nicht. Schwarz unter einer signifikanten weißen Mehrheit zu sein ist etwas anderes als schwarz unter einer signifikanten schwarzen Mehrheit zu sein. Ein Moslem in Österreich zu sein ist etwas anderes als ein Moslem in der Türkei zu sein. Und dementsprechend ist es etwas anderes Muslim_innen innerhalb einer islamfeindlichen Mehrheitsgesellschaft brutal und ungehemmt zu karikieren und dem Spott auszusetzen. Es ist das Ziel diese Unterschiede aufzuheben, aber nicht der Zustand. Und wir tun den Zielen der Gleichbehandlung wahrlich keinen Gefallen, wenn wir so tun als ob es so wäre, weil es die Komplexität negiert, die nun mal nötig ist aufgeschlüsselt zu werden, bevor sich alle Menschen gleichwertig fühlen können – weil es sehr komplex ist und außerdem ein Fakt, dass sich nicht alle Menschen in Europa gleich (im Sinne von nicht diskriminiert) fühlen können.

Und deshalb ist Charlie Hebdo nicht mehr immun gegen Vorwürfe der Islamophobie, nur weil es auch alle anderen gesellschaftlichen Gruppen und Positionen beleidigt. Das „Wer Wen Wann Wie Wo und Warum“ redet sehr wohl mit, wenn es darum geht etwas zu problematisieren oder unkritisiert stehen zu lassen. Mensch kann die Beziehung zwischen den Dingen nicht einfach weg lassen, wenn es um die Behandlung politisch aufgeladener Verhalte geht, denn die Beziehung zwischen den Dingen ist der Verhalt. Und das Ding eben kein Ding an sich, das für sich allein steht.

Die FPÖ verteidigt sich ebenso immer wieder mit der Meinungsfreiheit, wenn sie Islamkritik übt und fremdenfeindliche Karikaturen verbreitet, wir erleben hier ein wunderbares Beispiel dafür wie links und rechts sich mit den gleichen Mitteln und Methoden einander annähern und wie austauschbar ist, was sie jeweils damit erreichen wollen.

fpöUnd ja – die meisten Satiriker_innen und Charlie Hebdo sprechen in ihren Zeichnungen – oder wollen es zumindest – islamistische Extremist_innen an und bestehen darauf durch die Mittel der Satire Kritik an ihnen zu üben, ohne Zusammenhang zu „normal gläubigen“ Muslim_innen – so wie alle Medien es ja tun, hier ist die Rede von Islamismus und nicht vom Islam und trotzdem unterscheiden mindestens 57% der Durchschnittsbevölkerung nicht zwischen Muslim_innen und fundamentalistischen Islamist_innen, wenn Umfragen ergeben, dass der Islam ganz grundsätzlich als Bedrohung betrachtet wird. Was vielleicht schon damit beginnt, dass für die extreme und gewaltbereite Terrorbewegung von den Weißen das Wort „Islam-ismus“ geprägt wurde. Jetzt kann mensch natürlich argumentieren, dass auch diese Dummheit der Leute ein Satireblatt nicht zensieren darf – auch dieses Argument steht für sich und trotzdem kann ich die Verantwortung über die Ergebnisse meines Handelns, wenn ich mich davon nicht einschränken lassen möchte, nicht einfach abweisen und muss irgendwie auf sie reagieren. Es liegt auf der Hand, dass hier Assoziationen geknüpft werden. Und diese Verantwortung, nämlich bestehende Ressentiments gegen eine marginalisierte und diskriminierte Gruppe nicht zu schüren, ignorieren Karikaturen solcher Art, und bestärken im Gegenteil latent- und bewusst islamophobe Menschen darin Spott und Demütigung Muslim_innen gegenüber auf die leichte Schulter zu nehmen. Und diese Enthemmung wird sich fortsetzen und verstärken, wenn wir unthematisiert lassen, dass die Zeichnungen von Charlie Hebdo – zurecht – nicht unumstritten waren und die Europäer_innen sich auch darüber Gedanken machen sollten. Die Enthemmung zeigt sich schon daran, was Zeichner_innen als Nachruf auf Charlie Hebdo meinen zeichnen zu dürfen, nämlich Bilder von gewalttätigen Moslems, die durch die Zeitungen direkt in die Köpfe der Menschen übergehen:

echo.charlie.muslimmörderIm Vergleich zum Bild oben übrigens die erwähnte Judenkarikatur aus dem Jahr 1919:

dolchecho.auf.charlieIch glaube, dass es spätestens jetzt immens wichtig ist bei jeder Gelegenheit die Verbindung zwischen Mitmenschen muslimischen Glaubens oder Herkunft und fundamentalistischen Fanatiker_innen aufzuweichen und aufzulösen und ich glaube, dass die betonte Verbreitung besprochener Karikaturen diese Verknüpfung aber im Gegenteil unterstützen und fester ziehen. Und eine große Anzahl Menschen gravierend gefährden. Seit ich begonnen habe diesen Artikel zu schreiben, haben sich kritische Stimmen dieser Art vermehrt und viele meiner Gedanken finden sich bereits breitenwirksam im Netz, aber ich glaube mensch kann es nicht oft genug in die Öffentlichkeit tragen, dass islamistischer Terror Islamfeindlichkeit nicht aufwertet oder rechtfertigt. Ich glaube, dass am besten dieses Bild zusammenfasst, was nicht passieren sollte:

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die göttinnenspeise

4 thoughts on “Gedanken zu rassistischer Bildersprache anlässlich #CharlieHebdo

  1. Ich finde die dargestellten Karikaturen mehr als hart an der Grenze und eigentlich verabscheuungswürdig. Selbstverständlich soll darf kann das niemals irgendeine Art von Legitimierung für Gewalt sein. Mich stören zwei Dinge – obwohl stören hier ein relativer Ausdruck ist. Erstens: durch den Aufschrei und die Trauerkundgebungen in ganz Europa bekommt der islamistische Flügel genau jene Aufmerksamkeit die er damit provozieren wollte. Die Bühne frei Haus geliefert. Dann macht ein weiterer Anschlag in deren Augen noch mehr Sinn wenn man damit die europäische Gesellschaft derart durchrütteln kann. Zweitens: wo sind die Trauermärsche für all jene, die täglich im Krieg oder durch Hunger sterben? Wo gehen dafür eine Mio auf die Straße (und das sind weit mehr als 12 Leute)? Jeder Tote ist einer zuviel, aber meiner Meinung nach ist das schon etwas scheinheilig nur für bestimmte Opfer Massenveranstaltungen zu organisieren – was meint ihr?

  2. Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Natürlich lässt sich der Terroranschlag in keiner Weise legitimieren, aber die übermäßige Solidarisierung mit Charlie Hebdo finde ich äußerst heikel. Ich bin mir selbst nicht ganz sicher, wie ich dazu stehe, auf jeden Fall werde ich versuchen, mir noch etwas mehr von dem Karikaturmaterial anzusehen. Aber das finde ich eine gesündere Einstellung als die übermäßige Sympathie, die der Zeitung nun entgegengebracht wird. Meinungsfreiheit, ja! Aber gleichzeitig frage ich mich, ob man dabei den Respekt vor anderen Kulturen und Religionen wirklich einfach so völlig fallen lassen kann.., soll…, muss? Ich weiß es ehrlich nicht. Und deshalb halte ich mich mit meinen Solidaritätsbekundungen zurück und nenne mich nicht Charlie.

    • Nochmal ich selbst. Ich finde, ich glaube, ich habe mich vielleicht unglücklich ausgedrückt, vor allem in dem Teil über darüber, den Respekt vor anderen Kulturen fallen zu lassen. Ich stimme dem Artikel in allen Punkten zu und kann mich selbst nicht besser ausdrücken. Allerdings bin ich eben etwas zurückhaltender in der Frage, ob Charlie Hebdo nun eben nicht rassistisch ist, weil es sämtliche Kulturen und Religionen durch den Kakao zieht. Und dabei ist mein Fazit eben: ich weiß es nicht. Ich muss mir das näher ansehen. Und ich möchte keine Solidarität bekunden, wenn ich nicht genau weiß was Sache ist, während in den Social Media eben wie wild #JesuisCharlie – Bekundungen gepostet werden; und ich bin sicher davon, die meisten Leute haben sich mit dem Thema noch nicht eingehend genug beschäftigt, um sich eine fundierte Meinung bilden zu können. Hoffentlich war das besser ausgedrückt. Ich hab es nicht so mit Worten, ich habe mich nur gefreut, mal wo einen Artikel zu finden, der meine Skepsis wiederspiegelt.

  3. Ich möchte noch hinzufügen dass sich die Karikatur „Finger weg von unserem Kindergeld!“ auf jene minderjährigen Frauen bezieht, die von der Terrorgruppe Boko Haram in grossem Stil verschleppt, versklavt und regelmässig vergewaltigt werden. Viele dieser Vergewaltigungen führen zu Schwangerschaften. Dass mann die Opfer dieser extremen Gewalt gegen Frauen noch karikiert und ihnen Geldgier unterstellt ist das absolut Letzte und dermassen frauenverachtend, dass es meiner Meinung nach faschistisch ist. Ich trauere deshalb nicht um die Ermordeten von Charlie Hebdo.

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