#KüssenimPrückel: wo Zungenpritscheln verboten ist

Dass Homo- und Transphobie auch im Jahr 1 nach Conchita in unserer Gesellschaft vielerorts noch munter und wohlauf sind, ist leider eine nur allzu gut bekannte Tatsache. Doch manchmal passieren Vorfälle, die in ihrer Absurdität schon beinahe surreal anmuten. Der jüngste Vorfall im Café Prückel ist ein solcher. Ein lesbisches Paar begrüßt sich dort mit einem Kuss, kassiert dafür vom Kellner einen Rüffel mit dem Hinweis, sowas wäre hier nicht erlaubt, und wird daraufhin eine Stunde lang ignoriert. Als die beiden die Geschäftsführerin verlangen, legt diese gleich noch eines nach und lässt mit der Aussage „solche Andersartigkeiten gehören ins Puff und nicht in ihr Traditionskaffeehaus“ tief in ihre verschrobene Weltsicht blicken.

Rückendeckung bekommt die prückelsche Schmusefeindin dabei, wenig überraschend, von der FPÖ, welche sich gleich auf ihre Seite schlägt und die „Hetze gegen den Traditionsbetrieb“ beendet sehen will. FPÖ-Planungssprecher Toni Mahdalik prägte in diesem Zusammenhang möglicherweise bereits das Wort des Jahres, als er feststellt, dass es wohl „ka Zwickerbusserl, sondern a solider Zungenpritschler“ gewesen sein wird.

Was bleibt einem in diesem Fall also anderes übrig, als wieder einmal für einen guten Zweck küssen zu gehen? Die Sache schläg medial, auch im Ausland, hohe Wellen und eine Kundgebung unter dem Hashtag #KüssenimPrückel, angesetzt für heute Freitag, 16. Jänner um 17:00, verzeichnet zu aktueller Stunde auf Facebook mehr als 7000 Zusagen. Geschäftsführerin Christl Sedlar rudert daraufhin zurück und lässt verlauten, dass ihre Reaktion „überzogen“ gewesen wäre und sie sich bei den Betroffenen „in aller Form entschuldigen“ möchte.

Dieser armselige Versuch, sich hier aus der Affäre zu reden, ändert natürlich nichts daran, dass heute vorm und im Prückel ordentlich zungengepritschelt werden wird. Darum auch hier nochmal der Aufruf, heute um 17:00 bei der Kundgebung ein klares Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen sowie das Café Prückel direkt zu kontaktieren, denn:

10384589_10153563626340884_9129190072670305384_nÜbrigens: Um sich Zumutungen dieser Art künftig möglichst zu ersparen und stattdessen Lokale zu unterstützen, die keine solchen Berührungsängste kennen, wurde auf Facebook die Seite GOFL – gegen oasch, für leiwand gestartet, die eine Übersicht über queer-freundliche Lokale in Wien bieten soll. User*innen sind herzlich eingeladen, hier auch selbst an Lokale heranzutreten, sie nach ihrer Gästepolitik zu befragen, und die Liste an Lokalen dadurch laufend zu erweitern.

In diesem Sinne: Wir sehen uns später beim fröhlichen Zungenpritscheln!

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