Best Of „Heute“-Verblödung

Themen, die die Welt bewegen: Die Gackerl-Box bricht einer Wienerin die Nase! Bin ich froh diese Information aktuellstens von „Heute“ erfahren zu haben, sonst hätte es mich vielleicht als nächste getroffen! Oder dich, oder dich oder dich! Und dass die FP-Chefin von Gänserndorf (!) irgendwann irgendwohin torkelte hat die österreichische, nein internationale Politik ebenso erschüttert wie der Stau-verursachende Donut, alles aufgedeckt und thematisiert von „Heute“, ein Qualitätsmedium, immer instinktiv an den elementaren Schlüsselthemen von morgen!

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Geht es euch auch so? Kaum ein Medium schafft es in mir so komplexe Gefühlskombinationen auszulösen wie das tägliche Titelblatt der „Heute“-Zeitung. Um fast nichts besser natürlich die „Österreich“, nur habe ich beschlossen mich für diesen Artikel auf die „Heute“ zu spezialisieren, da das Material an Saublödheit sonst zu überbordend wird und wir wollen ja nicht unsere Leser_innenschaft verschrecken.

Irgendwann letztes Jahr begann ich diese saublödesten Titelseiten der „Heute“ abzufotografieren, um in gebündelter Form die Schwachsinnigkeit so richtig hervor zu heben und zu unterstreichen.  Wenn mensch die Bilder durchschaut, muss mensch immer daran denken, dass das für sehr viele, wahrscheinlich sogar die meisten Wiener_innen, das Erste ist, das sie sich morgens zuführen. Vielleicht sogar noch vorm Kaffee, noch im Halbschlaf, wo es besonders gut einfährt, wenn das kritische Vermögen des wachen Bewusstseins noch keine Kraft für ein Veto hat, falls es im besten Fall überhaupt eines einlegen würde. Die angreifenden Donuts und Sex-Lehrerinnen dringen tief tief tief in die Wiener Seele, wo sie in Zukunft gemütlich und in Gesellschaft einer gesunden und von „Heute“ unterstützten Portion Auslllllllländerfeindlichkeit bei einem Heurigenriesling schunkeln.

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In diesen Tagen ist die Meinungsfreiheit in aller Munde und nirgens soll sie zensiert werden, ich aber bitte an dieser Stelle die Republik – zensiert sie! Nur für die „Heute“, Sonderparagraph oder so. Ich kriege Lähmungserscheinungen, wenn ich früh morgens umzingelt bin von den obligatorsichen „Sex-….“ Schlagzeilen der „Heute“ und „Österreich“. Ist euch das schon mal aufgefallen? Dass die beiden Blätter nicht nur immer natürlich das auf die Titelseite bringen, was auch nur im entferntesten sexuell aufgeladen ist, sondern auch jedes Wort akrobatisch so umgestalten, damit in der Schlagzeile irgendwo explizit das Wort „Sex“ verarbeitet ist? „Sex-Lehrerin“, „Sex-Attentäter“, „Sex-Kleid“, „Sex-Anbieterin“, statt „Lehrerin wird des sexuellen Missbrauchs bezichtigt“, „Vergewaltiger“, „aufreizendes Kleid“ oder „Prostituierte“. Ich habe aufgehört mitzuzählen wie oft mich schon der Sex-Bindestrich auf der Titelseite der „Heute“ und „Österreich“ heim gesucht hat. Und ihre Künste in Rechtschreibung sollten die Redakteur_innen bei all dieser Kreativität auch noch bessern, so wie die Schüller unserer Schulen.

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Kurz im Ernst: Meine Toleranz, was Volksverblödung durch Print- und TV-Landschaften betrifft, unterliegt einer sehr sehr tief angesiedelten Schmerzgrenze – als treue Konsumentin aller Casting-Formate, die der Erdball so her gibt, darf ich mich eigentlich wirklich nicht um ein paar alberne Schlagzeilen der „Heute“ entrüsten und tue es aber dennoch, denn hier gibt es einen Unterschied:

DSDS verkauft sich als Boulevard-Sendung für ein Publikum im Teenager-Alter ohne Niveau und die „Heute“ aber und die „Österreich“ benehmen sich hartnäckig wie seriöse Informationsblätter, was sie täglich ganz Wien vorgaukeln, um ihre verkürzten und bedenklichen Inhalte durch tausende von Gratisauflagen in die Gehirne zu mogeln. Ganz im Gegensatz zu Germany´s Next Topmodel alternativlos im Programm der Wiener Öffis.

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Im Normalfall ist so eine Art Argumentation billig, aber in diesem Fall ist sie mir nicht zu schade: Sowas gehört wirklich wirklich wirklich einfach verboten. Wozu gibt es Politik? Als nicht dort einzugreifen, wo die Freiheit des Marktes die Aufklärung als Basis einer funktionierenden Demokratie ernsthaft in Frage stellt?

Passend hierzu übrigens ein köstlicher Artikel der Tagespresse, der u.a. erzählt: „Regelmäßig macht sich die Redaktion der Zeitung “Österreich” in frei erfundenen Artikeln über den Islam und seine Anhänger lustig. Doch nach der Attacke gegen “Charlie Hebdo” haben nun auch Wolfgang Fellner und seine Mitarbeiter Angst, ins Fadenkreuz von Terroristen zu gelangen.“

Mit diesem Schlusssatz verbleibe ich gerne,

die göttinnenspeise

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