Abschließendes zur Fußball-WM der Frauen 2015

Letztes Wochenende erlebten Fußball-Fans ein Deja-vu; bereits zum dritten Mal in den letzten vier Jahren trafen Japan gegen die USA in einem Finale aufeinander. 2011 gewann Japan im Atomkatastrophenjahr, nachdem sie im Viertelfinale die Deutschen und im Halbfinale die Schwedinnen rauskickten. Durch ein Elfmeterschießen holten sie sich gegen die USA ihren ersten WM-Titel und setzten ein Ausrufe-Zeichen.

Schon 2012 trafen die beiden Teams erneut im Finale der Olympischen Spiele aufeinander. Dieses Mal revanchierte sich die USA und holte sich die begehrte Gold-Medaille.

So war das Finale der siebten Fußball Weltmeisterschaft der Frauen schon im Vorhinein ein viel diskutiertes und erwartetes. Die Teilnahme der Japanerinnen im Finale stand unter einem schlechten Stern. Das Halbfinale der Japanerinnen gegen England wurde durch ein unglückliches Eigentor der Engländerinnen entschieden. Hingegen konnte das Halbfinale USA-Deutschland verdient von den US-Amerikanerinnen gewonnen werden. Hier zeigte sich bereits im Vorfeld eine Vorahnung bei Nadine Angerer, Kapitänin und Torhüterin der Deutschen; und so verglich sie das Team der USA mit ICE-Zügen, welche auf die Deutschen zu rasen.

Der Ausgang des Finales wurde bereits in den ersten 16 Minuten bestimmt, in denen vier von den fünf Toren für die USA von Carli Lloyd, welche auch später mit dem Goldenen Ball und dem Silbernen Schuh ausgezeichnet wurde, fielen.

Die US-Amerikanerinnen konnten in diesem Finale endlich zeigen, die ihre Tor-Chancen auch verwerten können. Was den Japanerinnen bis zuletzt hoch anzurechnen ist, ist ihr Kampfgeist. Bis zur letzten Minute haben sie nicht aufgegeben und schafften es so das Spiel spannend zu halten.

Wir erinnern uns zurück an da WM-Viertelfinale der Männer, wo Brasilianern von Deutschland zur Schnecke gemacht worden ist. Die weit unterlegenen Brasilianer sahen eindeutig keinen Ausweg aus der Situation und lieferten ein Match, wo die Zuseher_innen einfach nur noch Mitleid hatten. Bereits zur Halbzeit haben wir alle gehofft und gewünscht, dass das Spiel einfach abgebrochen wird. Der Trainer der Japanerinnen hingegen hat früh zum Wechseln begonnen und somit eine gute Reaktion gezeigt. Für die Zuseher_innen hatte dies ein wirklich schönes Match zur Folge, wo schöner Fußball gezeigt wurde, der Spaß machte zum Zusehen. Diese WM zeigte einmal mehr, dass der Frauen-Fußball sich keine Vorwürfe vom Männer-Fußball, oder genau genommen von der FIFA gefallen lassen muss!
Übrigens, wenn wir schon bei FIFA, dem alt-patriarchalen Opa-Verein des Fußballs sind: einige Aktionen innerhalb der Frauen Fußball WM2015 ließen nicht nur Feminist_innen den Kopf schütteln.

Zum einen: die Debatte um den Kunstrasen:
Die Frauen Fußball WM war das erste internationale Turnier, welches komplett auf Kunstrasen ausgetragen worden ist. Das Problem mit dem Kunstrasen ist ein einfaches: die Auswirkungen auf den Körper (Muskel, Gelenke, …) sind und wurden langzeitmäßig nicht getestet. Und wer eignet sich nun wohl besser als Versuchskaninchen, als die Frauen?!

Bereits im Jahr 2014 äußerten Nadine Angerer, Abby Wambach und etliche andere Spielerinnen ihre Bedenken und reichten sogar eine Klage ein, welche abblitzte. Laut FIFA spricht für den problematischen Belag die Witterungsbedienungen in Kanada und die angebliche Pflegeleichtigkeit. Der Kunststoffbelag wird mit einem Einfüllmaterial belegt. Dieser besteht aus Gummigranulat, welches wiederum aus alten zerkleinerten Autoreifen besteht und somit schwarz ist. Dadurch erhitzt sich das Granulat bei Sonnenlicht relativ einfach und die Gefahr von Verbrennungen bei einem Sturz erhöht sich immens. Spielerinnen twitterten deshalb bereits im Vorfeld Fotos von Verletzungen, welche auf Grund des Kunstrasen passierten.

Eine Austragung einer Männer Fußball-WM auf Kunstrasen ist (noch?) nicht denkbar.

Ebenso für Kopfschütteln sorgte bereits im Vorfeld die Tatsache, dass der Weltfußballverband FIFA die teilnehmenden Spielerinnen verpflichtete sich einem Geschlechtstest zu unterziehen, der belegen muss, dass die Spielerinnen „eindeutig dem weiblichen Geschlecht zugehörig“ sind. Dazu kam es, weil bei der WM 2011 festgestellt wurde, dass zumindest zwei Intersex-Personen teilnahmen. Auf die Frage, ob solch abstruse Verordnungen bei einer Männer-WM gesetzt werden würden, muss wohl nicht näher erläutert werden.

Übrigens, wenn wir schon bei Ungleichheiten zwischen Männer und Frauen sind, kommen wir doch gleich zum lieben Geld.

Pay_Gap_FIFA

Das Preisgeld der Frauen wurde im Vergleich zu 2011 um 50% erhöht, somit erhalten die Weltmeisterinnen 2 Millionen US-Dollar und die Zweitplatzierten 1,3 US-Dollar. Hört sich nicht schlecht an. Doch bei der WM der Männer im Jahr 2014 erhielt Weltmeister Deutschland ein Preisgeld von sage und schreibe 35 Millionen US-Dollar. Diese Diskrepanz wird mittlerweile auch in US-amerikanischen Medien aufgegriffen. Hier wird beispielsweise ersichtlich, dass die Frauen, welche soeben die Weltmeisterschaft gewonnen haben vier (!!!!) mal weniger verdienen, als die US-Männer, welche im letzten Jahr in Runde 16 ausgeschieden sind.

Um dennoch mit etwas Positiven abzuschließen, erfreut es uns, dass auch in Österreich die mediale Aufarbeitung, wenn auch extrem langsam, zumindest etwas zugenommen hat im Vergleich zur letzten WM.

Ich hoffe, dass die mediale Berichterstattung sich hier noch vehement vermehrt, sollte sich das österreichische Team rund um Trainer Thalhammer in den Gruppenspielen der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Fußball Europameisterschaft der Frauen 2017, in der Zeit vom 14. September 2015 bis zum 10. September 2016, qualifizieren.

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