Wer ist Xavier Naidoo? Allem voran eine unglaubliche Dumpfbacke. Zum anderen homophober, antisemitischer Verschwörungstheoretiker. 

Und wo warst du als Xavier Naidoo mit seinem Spontanauftritt vorm Deutschen Reichstag alle Rekorde des Fremdschams brach? Oder kennst du die offiziell größte Peinlichkeit des Jahres 2014 etwa noch gar nicht? Bitte sehr, ich empfehle vor allem die ersten ca. 5 Minuten:

Ich weiß, es ist ein bisschen Schnee von gestern. Aber im Zuge der Empörung wegen Naidoo´s Fast-Auftritt beim ESC 2016, kann ich es mir nicht nehmen lassen unseren schönen Blog hier zu nutzen um ein bisschen über ihn her zu ziehen, denn Xavier Naidoo versinnbildlicht vielleicht sogar alles, was mich zutiefst beschämt. Und auch aktuell hat er wieder mal einen Liedtext raus gekotzt über den ich mich weiter unten auch auskotzen werde.

Ich kann den Lesenden nicht beschreiben wie es mir ging, als ich dieses Video zum ersten Mal sah. Ich wollte mich vor Scham in Luft auflösen und beim zweiten Mal ansehen habe ich mich dafür aber in Tränen vor Lachen aufgelöst. Schlimm genug das jesushafte Geseiere vom neuen Botschafter der Liebe, beginnt er zu Schluss auch noch a capella eine seiner sentimentalen Schnulzen zu jammern! Mir wurde ganz eng in der Brust und meine Haut bekam Pusteln. Würde man mich nach meinen Top 5 Fremdscham-Erlebnissen fragen, dann wäre das hier jedenfalls mit Abstand die Nummer eins. „Ich verkünde doch nur die Liebe“ – heiliger Bimbam, warum zeigt niemand von den Leuten dort ein bisschen Instinkt und stopft ihm einen Socken in den Mund? Um seinet und unser aller Willen!

Was ihr im Video seht, wie viele von euch wahrscheinlich schon wissen, ist die Versammlung eines Haufens Verschwörungstheoretiker_innen, die meinen, dass es Deutschland als heutigen Staat nicht gibt und in Wahrheit weiterhin die Gesetze des dritten Reichs existieren, sie nennen sich die „Reichsbürgerbewegung“ – wer mehr über diesen Schwachsinn wissen will, kann ja dem Link folgen, aber glaubt mir, während andere Verschwörungstheorien ja noch wenigstens irgendeine Art Unterhaltungswert haben, ist diese so dermaßen abstrus und fern ab, dass es fast schon langweilig ist. Xavier Naidoo ist jedenfalls das prominenteste Mitglied dieser Reichsbürgerbewegung.

Und das hier sind ja noch alles die bisschen niedlichen, witzigen Parts, aber warum ich es mir vor allem nicht nehmen lasse ihn bei dieser Gelegenheit zu demontieren, sind die antisemitischen und homophoben kleinen Liedchen, die Naidoo so neben seinen dahergeseierten, vom Vorgängerlied um jeweils einen Ton abgewandelten, Bibelliedern trällert.

Und nein, es handelt sich hier um keinen paranoiden Gutmensch-Verdacht, der reflextartig und ohne jegliche Differenzierung jedem, der nicht p.c. ist vor die Füße gespuckt wird – Naidoo und seine Co-Writer demonstrieren gerade zu wie rhetorisch sattelfest sie mit der neonazistischen Judenverumglimpfung sind, oder hat jemand von euch schon mal von Begriffen wie „Schmock“ oder „Totschild“ gehört? Falls nicht, dann deshalb weil es sich hier um den bevorzugten Jargon der Neonazi-Szene handelt, welche „Totschild“ als Synonym  für  „Rothschild“ verwendet: die Familie Rothschild wiederum ist eine jüdische Bankiersfamilie: ganz genau, jüdisch + Banken = bis in die Gegenwart beliebtes Angriffsziel antisemitischen und neonazistischen Mobbings und dazumals von Hitler.

Die Textzeile geht übrigens so („Raus aus dem Reichstag“ Xavier Naidoo, 2009): „Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken. Ihr wart sehr, sehr böse und steht bepisst in euren Socken. Baron Totschild gibt den Ton an und er scheißt auf euch Gockel. Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel“.

Jetzt könnte man sich aus der „Totschild“-Affäre ja aber gerade noch so irgendwie rauswinden mit dem sehr beliebten und meist fadenscheinigen Hinweis, dass das jüdisch-Sein der Zielobjekte der Kritik nur Zufall ist und man ja nicht alles antisemitisch nennen kann, das in Zusammenhang mit vermeintlich zufälligen Juden steht (wohlgemerkt Juden, die in Besitz von Banken und viel Geld sind und schon für Hitler als die Sündenböcke her hielten, aber ich will ja nicht kleinlich sein). Was aber endgültig entlarvend ist, ist die Bezeichnung „Schmock“. „Schmock“ ist ein uns normalerweise unbekanntes, jiddisches Schimpfwort, von Juden für Juden sozusagen, und wenn Naidoo nun singt, dass der Totschild ein Schmock und der Schmock ein Fuchs ist, bleiben keine Fragen mehr offen, dass er Rothschild damit als Juden anspricht und sein jüdisch-sein in Zusammenhang mit seiner „Kritik“ bringt. Abgesehen davon, dass Naidoo sich jeden reichen und einflussreichen Menschen dieser Welt aussuchen hätte können für die Textzeile, er aber hat sich für den Juden entschieden.

Umso haarsträubender also, dass Naidoo sogar vor Gericht zog gegen die Behauptungen an seinen Zeilen sei etwas antisemitisch – wenn nicht das, was ist denn dann antisemitisch? Auch die Bezeichnung „Fuchs“ übrigens war ein beliebter Ausdruck der nationalsozialistischen Propaganda gegen jüdische Geschäftsleute, also was will uns der heilige Xaver denn da verkaufen an angeblicher Ahnungslosigkeit und Unschuld? Es ist antisemitische Rede in Reinform und wenn Naidoo das nicht weiß oder kapiert, kann ihm wirklich kein Mensch auf diesem Planeten mehr helfen, aber dann sollte er sich wenigstens eine Runde schämen gehen und die Zeilen ändern, anstatt vor Gericht zu ziehen und sie auch noch zu verteidigen.

Dass Naidoo nicht dazu lernt, was Vorsicht gegenüber diesem Thema angeht, zeigt sein neues Lied „Nie mehr Krieg“, wofür man aus jeglicher Perspektive wirklich immens starke Nerven braucht, sei es wegen der Reime auf Kindergartenniveau, der Schleimspurmusik oder Textzeilen wie dieser: „Muslime tragen den neuen Judenstern, alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern“. Ach du Schreck, ich wusste gar nicht, dass Muslime mittlerweile Ziel eines Genozids sind, in Konzentrationslager deportiert werden, Schweineblut von der Straße lecken müssen, enteignet werden, durch einen Halbmond markiert sind, ihre Wohnungen geräumt, ihre Geschäfte zerstört und sie schließlich in industruiellen Vernichtungslagern vergast werden?! Xavier Naidoo beweist hier entweder das eine oder das andere oder beides, nämlich, dass er entweder wirklich unvergleichlich strunzdumm ist oder wieder auf antisemitischer Basis provozieren will durch diese unverschämte Verharmlosung des Holocaust.

Ein Verschwörungstheoretiker kommt selten allein mit nur einem rassistischen Verfolgungswahn. Wir dürfen einmal raten, was ein moderner, bibeltreuer, esoterischer Diener der Liebe noch so basht? Richtig! Und bei einem echten neuen Jesus dürfen die Pädophilie-Analogien natürlich auch nicht fehlen, wo kämen wir denn dahin? „Ich schneid‘ euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht (…) Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“ („Wo sind“ Hidden Track auf dem Album „Gespaltene Persönlichkeit“ von Xavier Naidoo und Kool Savas).

Und ja, auch hier kann man sich, wenn man will, irgendwie raus retten mit der Behauptung, dass hier nur Kinderschänder gemeint sind und nicht Schwule, was aber soll dann der Satz: „Warum liebst du keine Möse?“ Selbst wenn hier Homophobie nicht als Motiv agiert, so kann mir kein Mensch, dessen Beruf es ist zu texten und sich bewusst an den Grenzen politischer Provokation zu bewegen, erzählen, dass ihm beim Entwerfen solcher Zeilen nicht klar war, dass man hier eine Diffamierung männlicher Homosexualität heraus lesen kann bzw. es zumindest doppeldeutig verarbeitet wird bei den Zuhörenden. Und wieder ganz abgesehen davon, dass um einen „Führer“ gebeten wird – Naidoo ist sich gemäß der Verschwörungstheorie seiner Wahl sehr wohl bewusst, was das Wort „Führer“ in seinem Heimatland für Assoziationen auslöst – also warum? Warum all die Provokation in diese Richtung vom friedliebenden, nächstenliebenden Gottesdiener?

Ich bin wirklich hin und her gerissen, Naidoo einfach als einen handfesten Vollidioten abzustempeln oder mich über ihn als homophoben Antisemiten zu ärgern. Denn Ersteres hat schon seinen Reiz:

Hat sich irgendjemand eigentlich schon mal Gedanken über die Sinnhaftigkeit folgender Textzeilen gemacht: „Ich könnte tagelang von dir erzählen, ohne deinen Namen auch nur einmal zu erwähnen“ äh.. ja? Weil die Geliebte total austauschbar ist oder warum eigentlich? Oder: „All deine Bewegungen sind erstrebenswert“, ich kann mir nicht so gut vorstellen wie die Bewegungen von jemandem erstrebenswert sein können, also, dass man es verliebter Weise gerne mag wie sich jemand bewegt und so, ja, aber, dass es erstrebenswert ist? Ich stelle mir das sehr bemerkenswert vor, würde meine Freundin danach eifern sich in Zukunft so zu bewegen wie ich.

Ich könnte noch viele solche Beispiele bringen, wo einfach irgendeine Aneinanderreihung sich reimender Sätze eine Art Tiefsinnigkeit vorgaukeln sollen, es ist jedenfalls ziemlich peinlich.

die göttinnenspeise

One thought on “Wer ist Xavier Naidoo? Allem voran eine unglaubliche Dumpfbacke. Zum anderen homophober, antisemitischer Verschwörungstheoretiker. 

  1. ???????? „ich komm aus einer gegend wo ich mein ganzes leben lang die amerikanische amerikanische es gibt natürlich auch andere besatzung die hab ich ganz klar vor augen gehabt“ ??????? 1971 geboren??? ?????? und ??????? und noch mehr ????????

    wenn er singt, tritt bei mir sowas ähnliches ein, wie ich es beim kirchgang erlebe… gedanken weg – meditationsartiger entspannungszustand, bei dem ich nur noch unter größter anstrengung dem logischen inhalt folgen kann… es ist sehr angenehm….

    wenn er spricht, passiert das nicht. ihhhh, wie kann man so eine ekelhafte egomanische sprache haben: „ich sing euch jetzt auch gern noch mal nen song,
    der mir vor ein paar jahren aus der feder gerutscht ist“. pfui.

    dunning-kruger-effekt?

    ich tät mal in den raum stellen, ob sein deutsch von anderen kulturellen einflüssen bestimmt wird, zb indisch, was vermutlich blumiger ist… vielleicht wirkt’s deshalb so psychiotisch (verworren, chaotisch, nichtssagend und jeglicher logik entbehrend) auf mich… gesungen wirkts aber hypnotisierend und hyperentspannend wie gesagt…

    fremdscham kenn ich nicht so. aber mich ekelts bei manchen sätzen von ihm voll… dennoch wir „müssen in der liebe bleiben“….

    der messiah ist da!

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