Aufruf: Dokumentation von Hasskriminalität in Österreich

Einer der wichtigsten Schritte zur Bekämpfung von Hasskriminalität (Hate Crimes) ist die Dokumentation dieser Verbrechen.

So gibt es jährliche Meldungen der OSCE zu Hate Crimes. Von österreichischer Seite hat bis jetzt hauptsächlich der Verein ZARA dokumentierte Fälle geschickt. ILGA Europe hat letztes Jahr schon begonnen, europaweit dokumentierte Hate Crimes gegenüber LGBTIQ* Personen zu sammeln und sie auch an die OSCE_ODIHR (Office for Democratic Institutions and Human Rights) weiterzuleiten, damit sichtbar ist, dass auch Übergriffe gegen LGBTIQ*s stattfinden.

Auch in Österreich passieren immer wieder Übergriffe gegen LGBTIQ*-Personen, aber niemand hat sie bis jetzt gesammelt.

Das soll sich nun ändern! Wenn euch also Vorfälle aus dem Jahre 2015 bekannt sind und ihr sie dokumentieren könnt, bitte meldet sie bis 11. April und schickt sie verschriftlicht in Englisch oder Deutsch an mariella.mueller@gruene.at
Jeder Fall, der sichtbar gemacht wird, ist hilfreich und wichtig.

Was ist ein Hassverbrechen?
Allgemein verstehen die Teilnehmerstaaten der OSZE unter Hassverbrechen strafrechtliche Delikte, die mit einem Vorurteilsmotiv begangen werden.

Um dieser Definition zu entsprechen muss das Delikt zwei Voraussetzungen erfüllen: Erstens muss die verübte Tat als ein strafrechtliches Delikt darstellen, zweitens muss diesem Delikt ein Vorurteilsmotiv zugrunde liegen.

Vorurteilsmotive können als vorgefasste Meinungen, stereotype Auffassungen, Intoleranz oder Hass definiert werden, die sich gegen eine bestimmte Gruppe richten, der ein bestimmtes Merkmal wie „Rasse“, Ethnie, Sprache, Religion, Nationalität, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Geschlechteridentität, Behinderung oder andere grundlegende Faktoren gemeinsam ist.

Hassverbrechen können Drohungen, Beschädigung von Eigentum, Körperverletzung, Mord und andere strafrechtliche Delikte umfassen. Ihre Auswirkungen betreffen Individuen ebenso wie die Gruppe, auf die sich die Vorurteile beziehen.

Welche Informationen benötigt ODIHR, damit ein Vorfall aufgenommen werden kann?

  • Datum, Zeitpunkt und Ort des Vorfalls
    Informationsquelle: Interviews mit Opfern und Zeug_innen sind die besten Quellen. Auch Medien können hilfreiche Informationen über Hassvorfälle bieten, wobei es wichtig ist, die Glaubwürdigkeit der Quelle zu prüfen und die Informationen soweit möglich aus anderen Quellen bestätigt zu bekommen.
  • Art des Delikts: Um was für ein Verbrechen handelt es sich?
  • Vorurteilsmotiv
  • Täter_in: Jede Information über die verdächtigten Täter_innen (Alter, Ethnie¹ und Verhältnis zum Opfer) kann ein wichtiger Indikator für die Bestimmung sein, ob es sich bei einem Vorfall um ein Hassverbrechen handelt.
  • Kurzbeschreibung des Vorfalls mit den Indikatoren für Voreingenommenheit und Vorurteile:
    In der kurzen Erläuterung des Sachverhalts sollte erklärt werden, weshalb angenommen wird, dass dem Vorfall eine Vorurteilsmotivation zugrunde lag. Mittels dieser Indikatoren können Hassverbrechen identifiziert werden.
  • Reaktionen der örtlichen Behörden
  • Auswirkungen auf die Opfer und ihre Gruppe

Was passiert mit den Daten?
Soweit die Daten über Vorfälle den ODIHR Kriterien entsprechen, werden sie zusammen mit Daten der Teilnehmerstaaten der OSZE und zwischenstaatlicher Organisationen auf der ODIHR Hate Crime Reporting Website veröffentlicht. Alle, die verwendbare Daten übermittelt haben, bekommen vorher die Gelegenheit den Entwurf zu prüfen. Daten des vorangegangenen Jahres werden jeweils am internationalen Tag der Toleranz (16. November) auf die Website eingestellt.

Auch interessant: Spiel mir das Lied der Toleranz

¹Es ist fragwürdig nach der Ethnie des_der Täter_in zu fragen und erinnert stark an den schalen Beigeschmack des racial profiling. Wenn ich, zimtschnecke, mir mein eigenes Äußeres anschaue und überlege, welche Ethnien mir deshalb schon zugeschrieben wurden, muss ich jedes Mal auf’s Neue feststellen, dass diese Zuschreibungen in den seltensten Fällen korrekt sind und den Tatsachen entsprechen.

One thought on “Aufruf: Dokumentation von Hasskriminalität in Österreich

  1. endlich! danke fürs teilen… ich hätt was einzumelden jedoch schon vor 2015… hab damals ZARA geschrieben ob die es dokumentieren können, aber die dokumentierten damals keine homophob motivierte gewalt… naja gut dass es das jetzt gibt!

...und was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s