Heinz Christian Strache und das Spiel mit dem Antisemitismus

Anlässlich der jüngsten Hakenkreuz Schmiererein auf dem jüdischen Friedhof in Wien, konnte Strache es nicht lassen, es wieder zu tun: Sich in eine seiner neuen Lieblingsrollen begeben, HC, Anwalt der Juden, Bekämpfer des Antisemitismus! „‚Ich hoffe, dass die Täter rasch ausfindig gemacht werden‘, so Strache. Man müsse alles daran setzen, dass der Antisemitismus nie wieder sein hässliches Haupt erheben könne. Denn Antisemitismus, egal in welcher Form, sei ein Verbrechen. Man dürfe davor nicht die Augen verschließen“, berichtet der Standard. Genau, lieber HC, es ist ein Verbrechen. Deswegen wurde dein Freund John Gudenus auch wegen Wiederbetätigung verurteilt und gegen dich selbst staatsanwaltlich noch bis 2013 ermittelt. Doch mehr dazu weiter unten.

Warum aber den neuen Helden gegen Antisemitismus geben? Das Mittel zur Macht heißt Islamhass schüren. Und womit kann man denn Muslim*innen neben den Unterstellungen der islamübergreifenden Homophobie und des Sexismus noch am besten anpatzen? Richtig! Man nehme Antisemitismus. So wenig mensch den Antisemitismus auch im arabischen Raum klein reden sollte, so groß ist doch dieses Stück von Strache. Denn wenn man glaubwürdig anderen Antisemitismus vorwerfen will, muss man schnell selbst zum Anti-Antisemiten werden, so begann Straches Schauspiel des großen Beschützers der Juden mit der Flüchtlingskrise.

Davor waren die Töne, Anspielungen und Symboliken noch ganz andere. Bei wem sich noch kein Gewöhnungseffekt der perfiden Verdrehungen, Verbiegungen und Inszenierungen der FPÖ, wie sie es eben gerade brauchen, eingestellt hat, den muss das hier besonders aufstoßen. Strache und die FPÖ instrumentalisieren alles und jede*n, am liebsten aber Randgruppen in ohnehin schon schlechten Positionen, um sie gegeneinander auszuspielen, einmal biedert er sich Serb*innen an, einmal (immer erfolgreich gescheitert) der israelisch-jüdischen Community, im naiven Glauben, dass es für ihn nutzbaren Hass von Juden und Jüdinnen auf Muslim*innen gibt. Denn wie hielt es Strache denn so mit dem jüdischen Volk und Antisemitismus, bevor er den „importierten Islam durch die Flüchtenden“ zum Übel Nr.1 seiner Politstrategie gemacht hat? Ich habe es oben ja schon angeschnitten.

Bis 2013 noch ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Strache wegen einer antisemitischen Karikatur, die er 2012 auf seiner Facebook Seite teilte. Die Ausreden und Erklärungen zu dem Bild erspare ich euch an dieser Stelle. So erkennt man im Zoom die Sterne auf den Knöpfen eindeutig als Davidsterne und die Darstellung des gierigen Bänkers wegen dem andere hungern, ist in aller Deutlichkeit ein klassisches, antisemitisches Narrativ mit dem auch die Nazis arbeiteten. Ähnliche Darstellungen finden sich in der Propaganda der Nationalsozialisten und ausgerechnet Strache, der sich immer wieder selbstverschuldet zu dem Thema „rechtfertigen“ muss, weiß am besten wo Grenzen überschritten werden und hat also ganz genau, präzise genau, gewusst was er da postet. Zum Vergleich zuerst das Bild, das Strache auf seiner Facebook Seite teilte und darunter eine Zeichnung der nationalsozialistischen Propaganda:

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Besonders nett ist ebenso ein kleines Detail in einem der FPÖ-Comics. Hat sich doch irrtümlich das SS-Symbol eingeschlichen. Oder als er gegen einen EU-Beitritt Israels wetterte, der nicht mal zur Debatte stand. Oder aber, dass wie erwähnt niemand geringerer als sein enger Kumpel John Gudenus wegen Wiederbetätigung (er leugnete die Existenz von Gaskammern) rechtskräftigt verurteilt wurde. Es gäbe noch mehr solche Beispiele. Leider.

Und heute? Fühlt sich Strache berufen gegen den bösen Antisemitismus zu kämpfen, aus reinem Idealismus und Heldentum natürlich. Gegen den „importierten Antisemitismus“, wie es auf der FPÖ Homepage heißt: “ (…) wo Menschen aus Regionen kommen, die antisemitische Gedanken mitnehmen und oftmals auch den Staat Israel vernichten wollen, gewarnt, wo wir Angst haben müssen, dass ein neuer Antisemitismus entsteht. Wir haben eine besondere Verantwortung, dass nie wieder Juden aber auch andere Menschen hier in Wien aufgrund ihrer Religion Angst haben müssen und attackiert werden“.

Vor weniger Zeit noch müsste, dieser Logik nach, also Strache vor sich selbst und seiner Partei furchtbare Angst gehabt haben.

Es ist kaum in Worte zu fassen wie widerwertig und unaussprechlich schäbig dieses Spiel Straches und der FPÖ ist.

die göttinnenspeise

aka

paulaשspock

[dieser Artikel wurde original auf paulaspock.com veröffentlicht, ein Blog zu Feminismus und Antisemitismus, dem du hier auf Facebook und hier auf Twitter folgen kannst]

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