Runter mit der Tamponsteuer

Gebärmutterkrämpfe, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen in den Beinen Kreislaufbeschwerden, schmerzhaftes Spannungsgefühl in den Brüsten, depressive Verstimmung, Hitzewallungen, Migräne, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen plus vaginale Blutung = gratis. Beschämt werden über einen biologischen Prozess über welchen frau selbst null Kontrolle hat und von klein auf lernen wie grauslich dieser Prozess ist  und der eigene Körper, der diesen Prozess durchläuft = auch gratis. Von der eigenen Periode nicht davon abgehalten werden, am Berufsleben oder gesellschaftlichen Leben oder politischen Leben zu partizipieren = Luxus. Zumindest laut österreichischer Gesetzeslage, so doch Menstruationshygieneprodukte hierzulande mit 20% und damit höher besteuert sind als viele andere Güter des täglichen Bedarfes. Sie werden höher besteuert als Kaviar. Sie werden gleich hoch besteuert wie Champagner. Das ist ein Problem. 

Ein Problem, dass sich im Laufe eines Frauenlebens* auf in etwa 16.000 Euro (Schmerzmittel eingerechnet) summiert. Ein Problem, da gerade jene Menschen, die menstruieren (in der Regel Frauen*[aber nicht „nur“- siehe unten]) über weniger Kapital verfügen, als jene, die nicht menstruieren (siehe gender pay gap, siehe unbezahlte Arbeit, siehe unterbezahlte Arbeit). #aufstehn hat nun unter dem Titel “Runter mit der Tampon-Steuer” eine Petition initiiert, die fordert, Tampons und Binden als die Güter des täglichen Bedarfes die sie sind, zu besteuern bzw. sie in die Gruppe jener Güter aufzunehmen, die statt mit 20% nur mit 10% besteuert sind. Hier kann mensch die Petition unterschreiben: „Runter mit der Tamponssteuer“ Wie Hanna Herbst in einem vice-Artikel treffend anmerkt, ist die aktuelle Besteuerung nicht nur unsinnig und ungerecht sondern auch ein Produkt der ungleichen Partizipation von Männern* und Frauen* an politischen Entscheidungsprozessen: „Die „Tamponsteuer“ zeigt, welche Auswirkungen mangelnde Repräsentation von Frauen* in der Politik hat. Und vor allem: welche Dinge als irrelevant angesehen werden, weil sie ausschließlich Frauen betreffen.“ Würden Männer*(und damit jene Menschen, die vorrangig Gesetze machen) menstruieren, wären Tampons und Binden wohl längst kostenfrei erhältlich. In jedem Fall aber würden sie als Gebrauchsartikel nicht, wie aktuell, höher  besteuert werden, als Blumen, Kinokarten und Bücher.

Auch in Großbritannien machten die Kosten von Menstruationshygieneprodukten in den letzten Tagen Schlagzeilen, da Mädchen aus einkommensschwachen Haushalten sich diese oftmals nicht leisten können und deshalb entweder nicht zur Schule gehen können oder dazu gezwungen sind, Toilettenpapier oder ähnliches zu verwenden. Hier berichtete der Guardian zum Thema: Girls from poorer families in England struggle to afford sanitary protection

Eine Petition fordert nun, Menstruationshygieneprodukte in Schulen gratis zur Verfügung zu stellen: Provide free sanitary products in UK schools!

Kostenfreien Zugang zu Menstruationshygieneprodukten fordert die österreichische Petition leider nicht, allerdings eine geringere Besteuerung. Dies wäre in der Tat ein erster wichtiger (wenn auch kleiner) und absolut notwendiger Schritt in die richtige Richtung.

*Anmerkung: Von Menstruation und den Kosten die durch Hygieneprodukte entstehen sind nicht „nur“ Frauen betroffen, sondern  alle Menschen mit Uterus – diese sind zwar zumeist Frauen, aber auch Trans*-Personen, Intersex-Personen oder nicht-binäre Personen.

[edit: eine frühere Version des Artikels hat fälschlicherweise von „Luxussteuer“ gesprochen. Eine solche gibt es in Österreich nicht mehr.]

8 thoughts on “Runter mit der Tamponsteuer

  1. Pingback: Jenseits von „Gut“ und „Böse“ – ein Kommentar zur (fehlenden) queerfeministischen Debattenkultur | sugarbox

  2. Hallo,
    nachdem ich Deinen letzten artikel zu queerfeministischen Debattenkultur gelesen habe, habe ich mir jetzt Deine dort erwähnte Formulierung zu „Menschen mit Uterus“ angeschaut. Ich frage mich, warum Du nicht einfach von „Menschen, die menstruieren“ schreibst, denn um die geht es doch eigentlich. Und das klingt dann auch nicht mehr biologistisch, und reduziert auf Körperorgane. Viele Menschen mit Uterus menstruieren nämlich gar nicht (z.B. Menopause etc.). -> ist jedenfalls meine Idee dazu.

    • Genau, ich dachte an die Formulierung, Menschen, die Tampons benutzen.
      Das mit dem Uterus ist ja eine Forderung und Formulierung von anderer Seite – find ich absurd. Außerdem es gibt auch Menschen mit Uterus die nicht (mehr) die Regel haben.

  3. Gibt doch diese waschbaren Tücher….. Wenn wir anfangen zu diskutieren, dann müsste ja alles lebensnotwendige kostenlos sein. Ich muss für Medikamente bezahlen, für Essen, für Wohnung, …. Besseres Essen, Wohnung ist teurer….Wer nicht waschen möchte muss halt bezahlen. Das ist alles nicht so toll, aber nur auf den ersten Blick ungerecht. Lehne dich zurück und tröste dich mit dem Gedanken, was Männer alles für die Balz ausgeben. Für einen Satz Breitreifen gibt es schon einige Tampons ;)

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