Gott* ist zurück: Neue Musik von Alanis Morissette

Am 30. Juni schrieb mir meine Freundin Claire aus London: „Oh btw, Alanis‘ new album comes out tomorrow!“ Ich so: WAAAAS?!?!? Ich hatte zwar mitbekommen, dass es zwei neue Songs von ihr gab, hatte aber irgendwie die Schlussfolgerung übersprungen, dass neue Songs eventuell ein neues Album bedeuten könnten. Also erstmal googlen, was sich bei Alanis in den acht Jahren seit ihrem letzten Album so getan hat. Denn ich musste zugeben: Obwohl ich viele Jahre ein sehr großer Fan war, war sie von meinem Radar verschwunden. Ihr letztes Album Havoc And Bright Lights aus dem Jahr 2012 war das erste ihrer Alben, in das ich nicht mehr komplett eingetaucht war, sondern immer nur so bisschen fallweise gehört habe. Es war auch das erste, das ich nicht mehr als CD in meinem Regal stehen hatte. Kurz darauf schrieb ich zurück an Claire: „Holy shit I didn’t know anything about what’s been going on in her life… no idea she already has 3 kids, had several miscarriages and apparently her manager had been stealing from her? Shit she’s really not been on my radar much these past years.“

Dieser Tweet trifft es sehr gut.

Ich weiß, dass Beyoncé regelmäßig viel Praise aus der feministischen Ecke bekommt, aber meine persönliche unangefochtene Superheldin #1, was Feminismus und Musik betrifft, ist und bleibt Alanis. Schon vor 20 Jahren thematisierte sie Sexismus und Machtmissbrauch in der Musikindustrie sowie Rivalitäten unter Frauen um die Gunst der Männer:

Just make sure you don’t tell on me
Especially to members of your family
We best keep this to ourselves
And not tell any members of our inner posse
I wish I could tell the world
Cause you’re such a pretty thing when you’re done up properly
I might wanna marry you one day
If you watch that weight and keep your firm body

– Hands Clean

Sister blister we fight to please our brothers
We think their acceptance is how we win
They’re happy we’re climbing over each other
To beg the club of boys to let us in

– Sister Blister

Und jetzt also nach einer achtjährigen Pause endlich neue Musik von ihr: Such Pretty Forks In The Road. Wie es bei Alanis Tradition ist, ist auch diesmal der Albumtitel eine Textzeile aus einem der Songs. Ich war beinahe ein bisschen nervös, als ich den Play Button drückte. Auf Shuffle führte ich mir das neue Werk in der Straßenbahn zum ersten Mal zu Gemüte. Erste Nummer: Diagnosis. Mein erster Eindruck: Dunkel, intensiv. Viel ist ihr in diesen acht Jahren widerfahren, das hört man hier in jeder Zeile. Schwermütig, aber gleichzeitig schwingt auch ein Gefühl von Freiheit und Entschlossenheit mit. Und sofort bin ich wieder ganz und gar in ihre Musik und ihre wunderschönen Texte verliebt. Ganz viele Erinnerungen kommen hoch an die Jahre, als ihre Musik der Soundtrack zu meinem Leben war. Nächste Nummer: Losing The Plot. Instant Gänsehaut. Für mich gibt es bei jedem Album immer dieses eine Lied. Das beim ersten Mal anhören sofort hängen bleibt, das mich sofort verzaubert, sich sofort in meinem Kopf festsetzt. Ich weiß sofort: Auf diesem Album ist Losing The Plot dieses eine Lied.

Welcome back insomnia
Ushered back into silence only when everyone else is sleeping
And ‚cause the city is sleeping
No one ruthless is rushing to get to the front of the line as usual

‚Cause I am losing the plot
I am grieving the end of superwoman-ing
I have laid down my cape
As though I haven’t risen like a phoenix from a thousand deaths
As though I have not been reborn to notice that
My mission is not dead yet

– Losing The Plot

Als danach noch Reckoning in der Shuffle-Liste auf mich wartet, frage ich mich ob das ganze Album so schwer und dunkel ist (was nicht weiter schlimm wäre, schwer und dunkel war noch nie etwas, das mich bei Musik gestört hätte…). Ist es aber nicht, wie sich bald herausstellt. Nachdem ich das ganze Album zwei, drei Mal durchgehört habe, kann ich es für mich einigermaßen einordnen. „Schwer“ bleibt als Adjektiv in meinem Kopf, allerdings ergänzt zum Wort „bedeutungsschwer“. Mein Gefühl ist, hier ihr profundestes Album bisher vor mir zu haben. Weniger rockig als ihre bisherigen Alben… „Reif“ ist auch so ein Wort, das mir in den Sinn bekommt. Abgerundet, in sich ruhend. Mein bisheriges „Liebstes Alanis Album Ever“, Supposed Former Infatuation Junkie, bekommt stark Konkurrenz. Ganz großartig finde ich beispielsweise auch Ablaze, das ihren drei Kindern gewidmet ist:

To my boy, all that energy so wild
Of your hues and your blues in equal measure
Your comings and your goings-away
My mission is to keep the light in your eyes ablaze

To my girl, all your innocence and fire
When you reach out, I am here hell or high water
This nest is never going away
My mission is to keep the light in your eyes ablaze

To my boy, my precious gentle warrior
To your sweetness and your strength in exploring
May this bond stay with you through your days
My mission is to keep the light in your eyes ablaze

– Ablaze

Dazu teile ich euch auch gleich das Video zu Ablaze, das ihre Familie zeigt. Beim Anschauen bin ich aus dem Lächeln kaum mehr raus gekommen, es ist ein wunderschönes Video zu einem wunderschönen Lied. Dann scrolle ich etwas runter und lese die Kommentare. So viele Menschen schreiben, wie glücklich sie sind, dass Alanis mit neuer Musik zurück ist. Wie sehr ihre Musik ihre Teenager-Jahre geprägt hat und wie ihr neues Album perfekt die Weiterentwicklung im Leben widerspiegelt. Es fühlt sich an wie eine kleine Familie. Ich lächle in mich hin und denke mir „Same… Same.“

* Alle, die den Film Dogma aus dem Jahr 1999 gesehen haben, wissen ja, dass Gott in Wahrheit Alanis Morissette ist.

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